Interviewreihe Energieeffizienz „Wir betreiben mehrere Produktionshallen praktisch mit Null-Heizenergie“

Von Melanie Krauß

Um Energie effizient zu nutzen, setzt Arburg unter anderem auf smart vernetzte Gebäudetechnik. Was damit jetzt schon möglich ist und was das Unternehmen für die Zukunft plant, verrät Gesellschafter Michael Hehl im Interview.

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Michael Hehl ist geschäftsführender Gesellschafter bei Arburg.
Michael Hehl ist geschäftsführender Gesellschafter bei Arburg.
(Bild: Arburg)

Welche Energie nutzen Sie bei Arburg?

Arburg setzt schon immer auf Ressourcenschonung und eine nachhaltige Energiebewirtschaftung. Produziert wird ausschließlich am zentralen deutschen Standort in Loßburg auf einer Nutzfläche von rund 210.000 Quadratmetern. Der regionale Fremdbezug von Strom stammt seit 2016 vollständig aus ökologischen Quellen. Im Jahr 2020 haben wir darüber hinaus mit Photovoltaik 1,9 Mio. kWh Solarstrom für den Eigenbedarf sowie weitere 1,3 Mio. kWh mit Windkraft erzeugt. Zusätzlich liefert unsere neueste Geothermie-Anlage jährlich rund 1,2 Mio. kWh Wärme und 0,8 Mio. kWh Kühle. Weiterhin setzen wir in konventionellen Heizungsanlagen Erdgas ein und zur Deckung des Wärmebedarfs hocheffiziente Kraft-Wärme-Kopplungsanlagen.

Wie stark ist Arburg von den Preiserhöhungen bei Energie betroffen?

Arburg betreibt keine so energieintensive Wertschöpfung wie etwa ein Gusshersteller. Wir setzen auch bei der Energieversorgung auf langfristige Lieferverträge und treiben die Nutzung alternativer Energien weiter voran. Aktuell noch schwer abzuschätzen ist, in welchem Umfang der Bezug von Energie mittel- und langfristig kostenintensiver wird und damit – für uns Maschinenhersteller wichtig – auch von Stahl und Guss.

Welche Maßnahmen ergreifen Sie bereits, um Energie im Unternehmen effizient zu nutzen oder einzusparen?

Im Jahr 2012 wurde Arburg als eines der ersten Unternehmen überhaupt in Sachen Qualität (ISO 9001), Umwelt (ISO 14001) und Energie (ISO 50001) dreifach zertifiziert. Wir betrachten Umweltschutz, Ressourcenschonung und Effizienz schon seit Jahrzehnten als Verpflichtung und Ansporn.

Um die eingesetzte Energie möglichst effizient zu nutzen, setzen wir auf Technologien wie Fassadenheizung, Betonkern-Aktivierung und unsere smart vernetzte Gebäudetechnik. Diese regelt vollautomatisch die Beleuchtung, Heizung, Kühlung und Lüftung. Jalousien und Fenster werden abhängig von den Daten der hauseigenen Wetterstation aktiviert. Durch großzügige Glasfassaden, Geothermie und übergreifendes Prozesswärme-Management lässt sich die eingesetzte Energie sehr effizient und teilweise mehrfach nutzen. So betreiben wir mehrere Produktionshallen praktisch mit Null-Heizenergie.

Nordlicht-Sheddächer minimieren den Bedarf an elektrischer Beleuchtung. In Sachen Wärmerückgewinnung nutzen wir alle sich dafür lohnenden Prozesse. Die Nutzung freier Kälte im Winter reduziert den Energiebedarf bei Kompressionskältemaschinen – um nur einige Beispiele zu nennen. Im Rahmen des Energiemanagements nach ISO 50001 erfolgen zudem detaillierte und fortlaufende Energiemessungen, um zu erkennen und zu analysieren, wo genau zum Beispiel in der IT-Infrastruktur oder im Fertigungsprozess wie viel Energie eingesetzt wird und wo versteckte Einsparpotenziale liegen.

Haben die aktuellen Entwicklungen dazu geführt, dass Arburg neue Maßnahmen ergreift oder bestehende Maßnahmen auf den Prüfstand stellt?

Das ist nicht nötig, denn wir verfolgen mit unserem Umwelt- und Energieprogramm schon seit Jahrzehnten hoch gesteckte, klare Ziele. So soll etwa der Gesamtenergiebedarf in unserer Firmenzentrale in Vergleich zu 2012, bis zum nächsten Jahr um weitere fünf Prozent gesenkt werden. Den Anteil der regenerativen Energieformen werden wir 2023 voraussichtlich auf zwölf Prozent oder mehr steigern.

Blicken wir einmal fünf Jahre in die Zukunft: Mit welchen Entwicklungen rechnen Sie bis dahin beim Thema Energie und wie stellen Sie sich die Energieversorgung für Arburg ganz konkret vor?

Wir rechnen im Energiebereich in den nächsten Jahren insgesamt mit einer signifikanten Kostenerhöhung. Mit der Energiewende wird auch eine Wärmewende verbunden sein, will heißen: In Zukunft wird man vor allem die Wärmeversorgung sicherstellen müssen. Aktuell können wir noch nicht auf den Einsatz von Erdgas als Heiz- und Prozessgas verzichten, setzen aber verstärkt auf Alternativen. Dabei behalten wir neben regenerativen Energien die Erschließung neuer Zukunftstechnologien wie die Brennstoffzelle und innovative Energiespeicher im Blick.

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