Suchen

Finanzen Zahl der Großinsolvenzen steigt um 42 %

Redakteur: Melanie Krauß

Die Zahl der Insolvenzen nimmt aktuell wieder zu. Zuletzt traf es häufig namhafte und vor allem große Unternehmen. Das ist das Ergebnis einer aktuellen Untersuchung von Euler Hermes.

Firmen zum Thema

Auch die großen Namen sind vor einer Insolvenz nicht sicher, wie eine aktuelle Untersuchung des Kreditversicherers Euler Hermes zeigt.
Auch die großen Namen sind vor einer Insolvenz nicht sicher, wie eine aktuelle Untersuchung des Kreditversicherers Euler Hermes zeigt.
(Bild: ©slasnyi - stock.adobe.com)

In den ersten neun Monaten des Jahres 2019 zählte der Kreditversicherer 27 Pleiten von deutschen Unternehmen mit einem Umsatz von mehr als 50 Mio. Euro. Im Vorjahreszeitraum waren es noch 19 Fälle gewesen, das ist ein Zuwachs von 42 %.

„Das wirklich dramatische an diesen großen Insolvenzen ist der Dominoeffekt auf viele Unternehmen in der gesamten Lieferkette“, sagt Ron van het Hof, CEO von Euler Hermes in Deutschland, Österreich und der Schweiz. „Nicht selten werden sie dabei mitgerissen und geraten selbst in den Abwärtssog, der im schlimmsten Fall ebenfalls in der Pleite endet. Der durchschnittliche Umsatz der insolventen Großunternehmen – und damit auch die Schäden für die betroffenen Unternehmen – ist in den ersten neun Monaten im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 81% auf 339 Mio. Euro gestiegen. Dies bestätigt den Trend: Wenn es knallt, dann richtig.“

Im Vorjahreszeitraum lag der durchschnittliche Umsatz der insolventen Großunternehmen noch bei 187 Mio. Euro, 2016 noch bei 129 Mio. Euro. Die Tendenz ist also bereits seit Jahren steigend, wobei im Jahr 2017 die durchschnittlichen Schäden aus den großen Insolvenzen mit über 300 Mio. Euro bereits ein erstes Rekordhoch markierten. Dieser Ausreißer in der ansonsten linearen Entwicklung war durch die Insolvenz von Air Berlin bedingt.

„Besonders viele große Insolvenzen gab es im bisherigen Jahresverlauf im Handel sowie in der Automobilindustrie, dem Dienstleistungssektor sowie Metall-, Textil- und Energiebranche“, sagt Van het Hof. „Vorsicht ist gerade auch bei großen Namen geboten – sie schützen im Zweifelsfall nicht vor der Pleite. Einige sehr namhafte Unternehmen sind 2019 sogar bereits zum zweiten Mal in die Insolvenz gerutscht – ein Trend, der dies unterstreicht.“

Große Insolvenzen steigen – Gesamttrend 2019 noch stabil, Anstieg erst 2020 erwartet

Große Insolvenzen häufen sich und der deutsche Wirtschaftsmotor stottert zuletzt ebenfalls. Trotzdem dürften die Insolvenzen in Deutschland im laufenden Jahr relativ stabil bleiben. Die Bundesrepublik verzeichnete in den ersten acht Monaten 2019 sogar erneut einen leichten Rückgang bei den Insolvenzen. Euler Hermes erwartet allerdings in den letzten vier Monaten des Jahres einen Anstieg bei den Pleitefällen, sodass die Zahlen am Jahresende auf vergleichbaren Niveau liegen dürften wie im Vorjahr. Dieser Anstieg zum Jahresende dürfte sich nach Ansicht der Euler-Hermes-Experten 2020 weiter fortsetzen. Der Kreditversicherer erwartet im kommenden Jahr 3% mehr Pleiten als 2019.

Dabei sind nicht alle Branchen gleichermaßen betroffen, sondern es bietet sich wie auch bei den Großinsolvenzen ein relativ heterogenes Bild. „Den größten Zuwachs bei den Pleiten sieht man aktuell in der Energieversorgung und im Bildungssektor sowie der Agrarwirtschaft", sagt Van het Hof. „Aber auch das verarbeitende Gewerbe, Freizeitaktivitäten, die Transportbranche und die unternehmensnahen Dienstleistungen verzeichneten steigende Fallzahlen. In den Bereichen Gesundheit und Soziales, sonstige Dienstleistungen, Information und Kommunikation sowie Wasser- und Abfallwirtschaft haben merklich weniger Unternehmen Insolvenz angemeldet.“

Die durchschnittlichen Schäden für Unternehmen durch Insolvenzen haben sich zwischen 2015 und 2018 verdoppelt. Zwar sind sie im bisherigen Jahresverlauf bisher insgesamt leicht rückläufig, allerdings weiterhin auf sehr hohem Niveau. Mit den zum Jahresende voraussichtlich ansteigenden Fallzahlen dürfte sich dieser Trend jedoch ändern – zumal Kernbranchen wie der Energiesektor, Produktion und unternehmensnahe Dienstleistungen bereits einen deutlichen Anstieg bei den Schäden vermelden.

Handel und Baugewerbe mit den meisten Insolvenzen – viele Branchen mit Herausforderungen

Die meisten Insolvenzen verzeichnete in den ersten acht Monaten des Jahres der Handel (2182 Fälle), gefolgt vom Baugewerbe (2118), Hotels & Restaurants (1511), unternehmensnahe Dienstleistungen (1387) und sonstige wirtschaftliche Dienstleistungen (1248), dem verarbeitenden Gewerbe (1030) und der Transportbranche (866).

„Viele Branchen stehen aktuell vor zahlreichen Herausforderungen, die sie erst einmal meistern müssen“, sagt Van het Hof. „Ein massiver Strukturwandel, häufig durch die digitale Transformation oder Nachhaltigkeitsrichtlinien beschäftigt fast alle Unternehmen hierzulande. Zudem sehen wir eine schwache Nachfrage sowie teilweise Profitabilitäts- und Liquiditätsprobleme unter anderem in der Automobilindustrie und ihren Zulieferern sowie in der Chemiebranche und dem Maschinenbau. Im Dienstleistungssektor, dem Handel und anderen verbrauchernahen Branchen machen den Unternehmen weiterhin die geringen Margen zu schaffen.“

(ID:46267676)