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Digitalisierung

Zur Safety gehört auch die Security

Das Unternehmen Pilz in Ostfildern hat sich der sicheren Automatisierung verschrieben. Wir befragten die geschäftsführende Gesellschafterin Susanne Kunschert zur wirtschaftlichen Entwicklung.

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Dipl.-Kffr. Susanne Kunschert, geschäftsführende Gesellschafterin der Pilz GmbH & Co. KG, im Gespräch mit MM-Redakteur Reinhold Schäfer.
Dipl.-Kffr. Susanne Kunschert, geschäftsführende Gesellschafterin der Pilz GmbH & Co. KG, im Gespräch mit MM-Redakteur Reinhold Schäfer.
(Bild: René Schäfer)

Die Mehrzahl der Produkte, die Pilz fertigt, dienen dazu, die Arbeit in der Produktion sicherer zu machen.

Man sollte meinen, dass Produkte zur Sicherheit von Mensch und Maschine stark gefragt sind, doch im vergangenen Jahr hatte Pilz bei einem Umsatz von 345 Mio. Euro nur einen Zuwachs von rund 2 % zu verzeichnen. Was waren die Gründe dafür?

Das schwache Wachstum von Pilz führe ich auf die Rezession in Deutschland und die sich welt- weit abschwächende Wirtschaft zurück. In China ist seit vielen Jahren das erste Mal die Wachstumsrate gleich geblieben und die Länder, die stark mit China zusammenarbeiten, leiden darunter. Und das spüren wir in Deutschland.

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Auch bei anderen Unternehmen?

Für viele Firmen, wie auch für Pilz, hat sich das schon Ende 2018 abgezeichnet. Es gibt Firmen, die zum Beispiel Landmaschinen oder Baufahrzeuge herstellen, denen geht es prächtig. Diese ragen aus dem Gesamtbild heraus. Auch Firmen, die sich mit Artificial Intelligence oder mit Batterietechnik für die Automobilindustrie beschäftigen, geht es gut. Bei allen Unternehmen im Maschinenbau und der Automobilindustrie hat sich das Wachstum stark abgeschwächt. Davon sind wir auch betroffen.

Ist die hohe Exportrate von Pilz, 2018 lag diese bei 73 %, ein Problem?

Nein, sie ist mehr ein Segen, denn in Deutschland ist die Wirtschaft eher am schwächsten. Unsere Mutter, Renate Pilz, hat das Unternehmen international ausgerichtet und diesen Weg gehen wir weiter.

Wie wird das Jahr 2020?

Eine schwierige Frage. Es gibt eine Grobplanung. Weil wir aber nicht wissen, wie sich das Jahr 2020 politisch gestaltet, ob der Brexit kommt, ob Trump wiedergewählt wird, was sich hier in Deutschland tut, wie sich der Automobilmarkt verhält – und davon sind wir alle abhängig–, ob der Aufschwung kommt oder nicht, können wir dies aktuell nicht sagen. Wir gehen vorsichtig mit dem Jahr 2020 um und planen jeden Monat genau, um zu schauen, wo wir stehen.

Hat sich mit der abschwächenden Konjunktur das Problem der fehlenden Fachkräfte erledigt, das auch von den Verbänden immer genannt wird?

Im Moment stellen wenige ein. Alle von der sich abschwächenden Konjunktur betroffenen Industrien, also auch der Maschinenbau und die Automobilindustrie, haben Einstellungsstopps und Entlassungen angesagt. Aber gute Facharbeiter sind immer gefragt, egal welche Konjunktur vorherrscht. Aktuell suchen wir neue Mitarbeiter nur ganz gezielt.

Ist die Flaute in der Automatisierungsbranche generell ein Problem und welche Gründe gibt es?

Es ist ein generelles Problem und es gibt meiner Ansicht nach fünf Gründe dafür: erstens die Krise in der Automobilindustrie, zweitens die Ökologie, die gut und richtig ist, da bestehe ich drauf. Aber Firmen, die Kunststoffe herstellen, haben nun ein zweifaches Problem; wäre es nur die Ökologie, dann wäre es zu verkraften. Drittens ist es der Brexit und viertens der Wirtschaftskrieg zwischen China und den USA, unter beidem leiden wir. Der Maschinenbauer spürt dies stark und deshalb in der Folge auch wir. Und Fünftens das Auseinanderdriften der Weltgemeinschaft. Man schottet sich immer stärker ab und das Misstrauen der einzelnen Wirtschaftsräume untereinander wächst immer mehr. Das ist nicht gut. Dazu kommt, dass der ethische Umgang in der Politik zusehends abnimmt. Ich nehme wahr, dass die Politiker oft keine Vorbilder mehr sind.

Wie sieht es bei Pilz mit der Robotertechnik aus, wie werden die Produkte nachgefragt?

Wir stellen Robotermodule her, keine Roboter. Damit können wir unsere Robotikkunden gut unterstützen. Zu unserem Roboterarm bieten wir Steuerungsmodule, ein Bedienmodul und Softwaremodule an. Wir haben auch für diesen Produktbereich ein gutes Consulting und helfen Anwendern mit einem auf die einzelnen Lebens­phasen eines Robotersystems abgestimmten Dienstleistungsportfolio bis hin zur CE-Kennzeichnung. Ein spezielles Schulungsangebot zum Thema Robot Safety rundet unseren Service ab.

Was ist für die Safety-Produkte von Pilz notwendig, damit aus der zukünftig durchgängigen Digitalisierung in den Unternehmen kein Cyberangriff von außen möglich ist?

Im Zuge der Digitalisierung ist bei unseren Produkten die Security zur Safety, also Maschinensicherheit, dazugekommen.

Im Deutschen gibt es nur das Wort Sicherheit. Im Englischen deute die Wörter Safety und Security genauer an, was gemeint ist. Bei der Safety geht es um den Schutz des Werkers und bei der Security um den Schutz der Maschine vor einem Angriff von außen. Weil wir in einer digitalisierten Welt leben, müssen wir uns mit der Problematik der Unsicherheit und Gefahren in den Netzen beschäftigen. Mit der Securitybridge bieten wir eine Lösung zum Absichern unserer Steuerungen im Maschinennetz.

Was werden wir in Nürnberg auf der SPS zum Beispiel sehen?

Getreu unseres Messemottos, „Be safe and secure with Pilz“ zeigen wir anhand verschiedener Modelle und Livedemonstrationen, wie dieses Sicherheitskonzept aussehen kann. In Kombination mit der konfigurierbaren Kleinsteuerung Pnozmulti 2 lassen sich mit der Ausleseeinheit Pitreader mit RFID-Technik Authentifizierungen und Autorisierungen besonders flexibel realisieren. Als Industrial Firewall sichert die Pilz Securitybridge diese Lösung gegen unbefugten Zugriff und Manipulationen. Aus dem Bereich der Robotik zeigen wir anhand einer Intralogistikanwendung die Kombination von fahrerlosen Transportsystemen mit den Pilz-Servicerobotikmodulen.

Ihr Unternehmen wurde wie andere Unternehmen auch von einem Hacker angegriffen. Wie haben Sie reagiert?

Wir haben vorsorglich sämtliche Computersysteme vom Netz genommen und den Zugang zum Unternehmensnetzwerk gesperrt, um eine Ausbreitung nach innen wie außen zu verhindern. Jetzt ermitteln die Behörden. Wir sind leider nicht die einzigen. Auch andere Firmen wurden angegriffen. Eine Umfrage des VDMA hat zutage gebracht, dass schon die Hälfte der befragten Unternehmen Kapitalschäden zu verzeichnen hatte. Dabei handelt es sich häufig um Hackerangriffe mit teilweise nachgelagerter Erpressung.

Wenn im Zusammenhang mit diesen Angriffen über Sicherheit gesprochen wird, bezieht sich das auf die IT-Security und ich möchte noch einmal darauf hinweisen, dass dieser Angriff unseren IT-Bereich betroffen hat. Unsere Produkte dienen jedoch der Industrial Security.

Das Interview führte MM-Redakteur Reinhold Schäfer

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Über den Autor

Dipl.-Ing. (FH) Reinhold Schäfer

Dipl.-Ing. (FH) Reinhold Schäfer

Redakteur, MM MaschinenMarkt