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Elektroindustrie ZVEI glaubt, dass Talsohle des Abschwungs durchschritten ist

Das vergangene Jahr verlief für die deutsche Elektroindustrie nicht gut. Die Produktion der Branche ging um 4,2 % auf 191 Mrd. Euro zurück.

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Kommunikations-und Marketingleiter Thorsten Meier, Geschäftsführer Wolfgang Weber, Präsident Michael Ziesemer und Chefvolkswirt Dr. Andreas Gontermann (v. l.) sprachen auf der Jahresauftakt-Pressekonferenz des ZVEI in Frankfurt.
Kommunikations-und Marketingleiter Thorsten Meier, Geschäftsführer Wolfgang Weber, Präsident Michael Ziesemer und Chefvolkswirt Dr. Andreas Gontermann (v. l.) sprachen auf der Jahresauftakt-Pressekonferenz des ZVEI in Frankfurt.
(Bild: Reinhold Schäfer)

Dr. Andreas Gontermann, Chefvolkswirt des ZVEI (Zen­tralverband Elektrotechnik- und Elektronikindustrie e. V.), erklärte auf der Jahresauftakt-Pressekonferenz des ZVEI in Frankfurt, dass ein Großteil der im Ausblick auf das Jahr 2019 erwähnten Risiken der Branche, wie Handelskonflikte, zunehmender Protektionismus, bis hin zu geopolitischen Verwerfungen, eingetreten sei.

2019 mit geringstem Wachstum seit der Wirtschaftskrise

„Durch die große Verunsicherung fiel das weltwirtschaftliche Wachstum 2019 so gering aus, wie seit der Finanzkrise nicht mehr“, so Gontermann. Zudem hänge der Absatz der Elektrobranche stark von der weltweiten Nachfrage nach Investitionsgütern ab und ein Abnehmer sei ja auch die in die Krise geratene Automobilindustrie. Doch die Zahl der Beschäftigten blieb stabil und stieg um 80.000 auf 888.000

Für das neue Jahrzehnt sieht Verbandspräsident Michael Ziesemer viele Ansatzpunkt für Wachstum: „Wir erkennen zwei große Treiber: die sich nochmals beschleunigende Digitalisierung sowie der Klimawandel und damit der Ausstieg aus den fossilen Energieträgern.“ Allerdings müsse man sich auch entschlossener der Frage zuwenden, wie wir die Chancen der Digitalisierung nutzen wollen und was wir mit den Daten, die anfallen, anstellen wollen. Die USA und China nutzen diese einerseits für neue Geschäftsmodelle und andererseits in beunruhigender Weise zur staatlichen Überwachung.

Will man dies nicht, benötige man klare Regeln für die Daten- und Plattformökonomie. Nur so könne Europa digitale Souveränität erlangen und international aufschließen.

Verbesserte digitale Infrastruktur

5G und Gaia-X seien entscheidend für eine wettbewerbsfähige digitale Infrastruktur. Damit könne man aktuelle Defizite ausgleichen. Allerdings müssten diese schnell zur Anwendung gebracht werden.

Dazu benötige man jedoch eine ausreichend große Anzahl an Fachkräften. Doch selbst die 2018 beschlossene KI-Strategie harre der Umsetzung. „Von den in Aussicht gestellten 100 Professuren sind bisher nur die wenigsten ausgeschrieben und auch die in Aussicht gestellten 3 Mrd. Euro Fördermittel fließen nicht zusätzlich, sondern setzen sich aus Umschichtungen im Haushalt zusammen“, schimpft Ziesemer.

Darüber hinaus ist laut Ziesemer die Förderung des MINT-Bereiches notwendig. Dort seien die Kulturminister aller Länder in der Pflicht. Schon im Kindergarten sollte in den Kinder spielerisch eine naturwissenschaftliche Neugierde geweckt werden.

Aber auch in den Unternehmen gilt es, die Belegschaft stärker weiterzubilden. Ziesemer ist optimistisch: „Der digitale Wandel ist zum großen Teil mit den bestehenden Belegschaften zu stemmen.“

Maximal ein Nullwachstum

Beim ZVEI ist man der Meinung, dass die Talsohle des jüngsten Abschwungs inzwischen durchschritten sein könnte und sich im Verlaufe des Jahres eine Erholung einstellt. „Wir werden ein Nullwachstum haben, maximal“, ergänzt Gontermann.

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Über den Autor

Dipl.-Ing. (FH) Reinhold Schäfer

Dipl.-Ing. (FH) Reinhold Schäfer

Redakteur, MM MaschinenMarkt