Kostbares erhalten

Auch sehr alte Maschinen werden per Retrofit wieder konkurrenzfähig

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Maschinen und Anlagen mit R-Strategien wiederbeleben

In der Wissenschaft ist oft von den so genannten R-Strategien und ihren Grundprinzipien Reduce, Reuse, Recycle die Rede. Die R-Strategien bilden das Grundgerüst der Transformation hin zur Kreislaufwirtschaft. Es gehe darum, den Materialeinsatz zu reduzieren (Reduce), ausgemusterte Produkte nicht zu entsorgen, sondern an Dritte zu veräußern, um sie weiter zu nutzen (Reuse). Und um die Nutzungsdauer eines Produkts zu verlängern, werden Produkte repariert, damit sie ihre Funktion wieder erfüllen (Repair). Bei Refurbishment werden Bauteile nicht nur repariert sondern auch auf den aktuellen Stand der Technik gebracht. Re-Manufacturing wiederum beschreibt den Vorgang, dass das Produkt verglichen mit einem neuen Produkt eine äquivalente Qualität bietet.

Bei den Werkzeugmaschinenherstellern stellt die Generalüberholung von Maschinen einen wichtigen Geschäftszweig dar. Was hier realisierbar ist, zeigen Beispiele von Waldrich Coburg, einem Maschinenbauer, der Vertikaldrehmaschinen und Schleifmaschinen – vor allem sehr große Fräsen in horizontaler und vertikaler Bauweise – herstellt. Pro Jahr würden durchschnittlich drei Maschinen einem Komplett-Retrofit unterzogen. Wie Steffen Nitzsche, Projektmanager Retrofit, dazu erläutert, setzt das Unternehmen für seine Produkte ohnehin in hohem Maße recycelbare Werkstoffe wie Gusseisen und Stahl ein und reduziert so den Verbrauch von natürlichen Ressourcen. Auf Kunststoffe werde weitgehend verzichtet.

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Die Maschinen verfügen über hydrostatische Führungen, die praktisch verschleißfrei betrieben werden und nach 30 oder 40 Jahren sogar gerade „gut eingelaufen“ sind, erklärt der Experte. Da gibt es etwa eine Gantry-Fräsmaschine, Baujahr 1981, mit den imposanten Hauptabmessungen Plattenfeld = 3.600 Millimeter × 13.500 Millimeter, Durchgangsbreite = 4.600 Millimeter und Durchgangshöhe = 3.500 Millimeter. Sie erhielt einen mechanisch und elektrisch komplett überholten und modernisierten Frässupport und einen modernen Gantry-Antrieb, wie Nitzsche erklärt. Es wurden dabei auch alle Vorschubgetriebe überholt. Die Maschine bekam eine komplett neue Elektrik sowie eine moderne Steuerung des Typs Siemens-840D, neue Achsantriebe, Hydrostatik- und Hydraulikkomponenten.

Letztendlich bleiben von einer Maschine beim Retrofit rund 90 bis 95 Prozent des Gewichts erhalten. Die restlichen 5 Prozent sind in der Regel Schaltschrank- und Kabelmaterial. Das wird aber auch nicht entsorgt sondern an einen externen Dienstleister übergeben und nochmals zu 30 bis 40 Prozent wiederverwendet.

Retrofit ist viel günstiger als eine neue Maschine

Und Matthias Helmprobst, Leiter der Steuerungstechnik bei Waldrich Coburg, legt Wert darauf festzustellen, dass eine über 40 Jahre alte Maschine nicht nur komplett überholt, sondern tatsächlich auf den neusten Stand der Technik gebracht werden kann. Durch den Einsatz modernster Steuerungs- und Rechnertechnik mit den aktuell verfügbaren Betriebssystemen und Sicherheitsarchitekturen entspreche so eine überholte Maschine auch IT-technisch den aktuellen Standards und könne damit beispielsweise ins Firmennetzwerk eingebunden werden. Der finanzielle Aufwand für eine Modernisierung bewege sich je nach Umfang dabei zwischen 30 und 60 Prozent einer vergleichbaren Neuinvestition und stelle deshalb oft die wirtschaftlichere Alternative dar.

Bei Waldrich Coburg genießt das Thema Kreislaufwirtschaft einen sehr hohen Stellenwert, betont Helmprobst. Die Umsetzung sei seiner Auffassung nach weniger an die technischen Möglichkeiten gekoppelt, sondern vor allem eine Frage der Mentalität. Der Experte verdeutlicht: „Viele haben im Kopf, dass eine 40 Jahre alte Maschine rückständig sein muss, doch dieses Denken müssen wir ändern, wenn wir die Produktion im Sinne der Kreislaufwirtschaft voranbringen wollen.“

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