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ISO 45001:2018 Aus BS OHSAS 18001 wird ISO 45001:2018

Autor / Redakteur: Christian Weigl / M.A. Frauke Finus

Die neue Norm Managementsysteme für Sicherheit und Gesundheit bei der Arbeit [SGAMS] ist notwendig, um die Anforderungen der heutigen Arbeitswelt wie den Demographischen Wandel, Fach- und Führungskräftemangel, der Zunahme von Erkrankungen sowie der Digitalisierung und Beschleunigung der Arbeits- und Freizeitwelt zu bewältigen.

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Autor Dr. Christian Weigl ist Mitglied des Spiegelgremiums der ISO 45001 und Geschäftsführer der IfG GmbH.
Autor Dr. Christian Weigl ist Mitglied des Spiegelgremiums der ISO 45001 und Geschäftsführer der IfG GmbH.
(Bild: IfG)

Die effektivste Form, Themen in Organisationen zu managen, ist das Implementieren, Verwirklichen, regelmäßige Auditieren und ständige Verbessern von zuvor definierten Aufbaustrukturen und Prozessen, in Form von Managementsystemen. Dies gilt für Qualität, Umwelt und Energie ebenso, wie für Sicherheit und Gesundheit bei der Arbeit. Seit 2013 wird an einer internationalen Arbeitsschutz-Norm gefeilt. Nun steht die ISO 45001:2018 zur Umsetzung bereit.

Arbeitsschutzmanagementsysteme [AMS] und Managementsysteme für Sicherheit und Gesundheit bei der Arbeit [SGAMS]

Schon 1999 wurde die BS OHSAS 18001 von der British Standards Institution [BSI] entwickelt und 2007 revidiert. Die BS OHSAS 18001 galt als internationaler Standard, nach dem sich zahlreiche Organisationen zertifizieren ließen, um den Nachweis zu erbringen, in Besitz eines wirksamen und effektiven Arbeitsschutzmanagementsystems zu sein.

Daneben gibt es internationale Leitfäden, wie die ILO-OSH [Internationalen Labour Organisation] sowie die SCC [Safety Certifikat Contraktoren]. National existieren wiederum Standards, wie OHRIS [Occupational Health and Risk Managementsystem] oder ASCA [Arbeitsschutz und Sicherheitstechnischer Check in Anlagen] sowie branchenspezifische Arbeitsschutzmanagementsysteme, wie MAAS-BGW oder Mit System zum Erfolg, herausgegeben von den Berufsgenossenschaften.

Die Entwicklung der ISO 45001

Im März 2013 reichte die BSI bei der ISO [International Organisation for Standardisation] einen Vorschlag zur Erarbeitung einer internationalen Arbeitsschutz-Norm, auf Basis der BS OHSAS 18001, ein. Im Juli 2013 wurde dieser Vorschlag von den ISO-Mitgliedern mehrheitlich angenommen. Das Projektkomitee ISO/PC 283 entwickelte im Oktober 2013 einen Working Draft, in dem unter anderem die Namensgebung [ISO 45001] beschlossen wurde.

Als Rahmen für die Erarbeitung der ISO 45001 diente der High Level Structure [HLS], um die Integration des AMS in andere Managementsysteme, wie zum Beispiel Qualität, Energie und Umwelt zu ermöglichen. Das zur ISO/PC 283 gegründete Spiegelgremium in Deutschland [NA AA 175 00-02] entwickelte parallel zu anderen Gremien Kommentare, die in den weiteren Sitzungen des ISO/PC 283 berücksichtigt wurden.

Im Juli 2014 wurde der erste Comitee Draft, welcher sich unter anderem aus dem Working Draft ergab, bekannt gegeben. Im Februar 2015 folgte der zweite. Die relativ langen Bearbeitungszeiten ergaben sich, da unter den mitwirkenden Akteuren differenzierte Sichtweisen zu Begrifflichkeiten aufkamen, wie Wellbeing oder Wellness oder Konsultation und Beteiligung von Beschäftigten. Im November 2015 lag ein Draft International Standard [DIS] vor, der im Herbst 2016 als ISO 45001:2016 veröffentlicht wurde. Nach der Veröffentlichung des Norm-Entwurfs wurden mehr als 3.000 Kommentare aus der ganzen Welt eingereicht.

ISO 45001:2018 ist am 12. März 2018 veröffentlicht worden

Der DIS 1 hatte nicht die notwendige Dreiviertel-Mehrheit erhalten. 28 % der nationalen Normengremien lehnten den Entwurf der international geplanten Norm ab. Im Juni 2016 wurde aufgrund dessen in der international PC 283 Sitzung in Toronto beschlossen, dass ein zweiter Draft International Standard [DIS 2] erforderlich ist. Die Beratung zu allen Kommentaren und Einsprüchen sowie die Vorbereitung des DIS 2 hat im Februar 2017 in Wien stattgefunden. Der DIS 2 orientiert sich nach Überarbeitung noch stärker an der HLS sowie an den bestehenden Normen ISO 9001 und ISO 14001 und hatte zum Ziel auf große Zustimmung bei der Normkommission zu stoßen.

Der DIS 2 wurde im Juli 2017 veröffentlicht und im September in Melaka bei einer Zustimmung von 88 % von der internationalen Normkommission angenommen. Nach einmonatiger Editierung wurde im November 2017 der Final Draft International Standard [FDIS] veröffentlicht. Die neue Norm für den Arbeitsschutz und Gesundheit in Unternehmen, die ISO 45001:2018 ist am 12. März 2018 veröffentlicht worden und liegt nun auch in deutscher Übersetzung als DIN ISO 45001:2018 vor und dient diesem Buch als Grundlage.

Aufbau der ISO 45001:2018

  • Anwendungsbereich
  • Noramtive Verweisungen
  • Begriffe
  • Kontext der Organisation
  • Führung und Beteiligung der Beschäftigten
  • Planung
  • Unterstüztung
  • Betrieb
  • Bewertung der Leistung
  • Verbesserung

Inhalte der ISO 45001:2018

Folgende Neuerungen und Spezifizierungen sind in der ISO 45001:2018 Managementsysteme für Sicherheit und Gesundheit bei der Arbeit [SGAMS] unter anderem unterschiedlich zu anderen Arbeitsschutzmanagementsystemen:

Diese Neuerungen und Spezifizierungen sind in der ISO 45001:2018 Managementsysteme für Sicherheit und Gesundheit bei der Arbeit [SGAMS] unter anderem unterschiedlich zu anderen Arbeitsschutzmanagementsystemen.
Diese Neuerungen und Spezifizierungen sind in der ISO 45001:2018 Managementsysteme für Sicherheit und Gesundheit bei der Arbeit [SGAMS] unter anderem unterschiedlich zu anderen Arbeitsschutzmanagementsystemen.
(Bild: IfG)

Integration der Sicherheit und Gesundheit bei der Arbeit in den Prozess „Beschaffung“:

Integration der Sicherheit und Gesundheit bei der Arbeit in den Prozess „Beschaffung“.
Integration der Sicherheit und Gesundheit bei der Arbeit in den Prozess „Beschaffung“.
(Bild: IfG)

Schnittmengen zwischen der DIN SPEC 91020 und der ISO 45001:2018

Die ISO 45001:2018 hat aufgrund des High Level Structure große Nähe zu anderen Managementsystemen, wie z. B. Qualität, Energie und Umwelt, aber auch zur DIN SPEC 91020 [siehe Anhang 2: Gegenüberstellung ISO 45001:2018| DIN SPEC 91020:2012 | OHSAS 18001:2007]. Schnittmengen zwischen der DIN SPEC 91020 und der ISO 45001:2018 sind unter anderen an folgenden Punkten gegeben:

1. Nicht nur Risiken, sondern auch Chancen für mehr Sicherheit und Gesundheit werden ermittelt und bewertet. Chancen für mehr Gesundheit können salutogene Faktoren, wie z. B. die Verstehbarkeit von betrieblichen Zusammenhängen sein.

2. Gefährdungen psychischer Faktoren werden, wie auch andere Faktoren, ermittelt und bewertet.

Die Nähe und insbesondere die Integrationsmöglichkeit der DIN SPEC 91020 in die ISO 45001:2018 ist deutlich erkennbar. Es ist gelungen den traditionellen Arbeitsschutz und das betriebliche Gesundheitsmanagement in der ISO 45001:2018 zusammenzuführen. Themen die „verbunden“ sind, werden in der Norm auch als zusammengehörig betrachtet. Die teilweise irrtümliche und nur künstliche Trennung ist zumindest in der Norm Vergangenheit. Die Frage, ob mit der ISO 45001:2018 die DIN SPEC 91020 obsolet erscheint, drängt sich auf. Man sieht jedoch auch bei anderen Managementsystemen, wie beim Energie- und Umweltmanagement eine Koexistenz.

Umstellung von der OHSAS 18001 auf die ISO 45001:2018

Die OHSAS Projekt Gruppe hat die ISO 45001:2018 nun vollständig überprüft und als Ersatz für OHSAS 18001:2007 befürwortet. Der Status für OHSAS 18001:2007 wurde somit als „zurückgezogen“ geändert.

Wenn eine Organisation ein Arbeitsschutzmanagementsystem nach BS OHSAS 18001:2007 erfolgreich implementiert hat und zertifiziert wurde, ist diese Zertifizierung noch 3 Jahre nach Veröffentlichung der ISO 45001:2018 gültig, also bis 3/2021. Wenn diese Organisationen nach ISO 45001:2018 zertifiziert werden wollen, sollten sie ihre Prozesse und Aufbaustrukturen noch einmal überprüfen und mögliche „Lücken“ schließen (siehe auch 05. und Inhalte der DIN ISO 45001:2018). Nur so kann eine erfolgreiche Zertifizierung nach ISO 45001 gewährleistet werden.

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