Retrofit

Beim Maschinen-Retrofit steht die Sicherheit im Fokus

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Teilreparatur minimierte die Stillstandszeit auf sechs Monate

„Für uns war es eine schmerzhafte Zeit, denn von den drei großen Bohrwerken stand uns plötzlich nur noch eines zur Verfügung“, sagt Betriebsingenieur Herrmann. Um ihm und seinem Produktionsteam das Leben zu erleichtern, sah der Plan ein schrittweises Retrofit vor. „Wegen der Reparatur der Führung des gemeinsamen X-Bettes mussten beide Fahrständer komplett demontiert werden“, erklärt Pfeiffer. „Wir ließen die erste WFT teilreparieren, damit sie schnell wieder zum Einsatz kommen.“ Die abschließenden Arbeiten an der teilreparierten Maschine folgten nach dem endgültigen Retrofit der anderen WFT. „Der Basisauftrag wurde mehrmals erweitert und dauerte insgesamt rund 16 Monate“, erinnert sich Norbert Ophüls, Teamleiter Service bei DST. „Trotzdem betrug die Stillstandszeit beider Bohrwerke gleichzeitig nur 6 Monate.“

Nach der Endabnahme der beiden WFT Ende 2014 startete die mechanische Überholung der Scharmann FB 100 (Baujahr 1972). Das Bohrwerk zeichnet nun unter anderem die neuen direkt angetriebenen X-, Z-, B- und U-Achsen aus, die für verringertes Achsenspiel und exaktere Positionierung sorgen. Spelter: „Auch hier hat sich wieder wie beim WFT-Retrofit bewährt, mit Instandhaltung nach Plan vorzugehen.“

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Nach dem Retrofit stand eine Modernisierung des Sicherheitskonzeptes der beiden WFT und der daneben stehenden Heavycut an. „Es ging uns darum, auch den unbemerkten Zutritt in den Arbeitsraum zuverlässig zu verhindern“, meint Betriebsingenieur Herrmann. „Dabei galt es aber auch zu berücksichtigen, dass sehr große Bauteile manchmal über den Arbeitsraum hinausragen.“ Die Aufgabe war auch deshalb sehr anspruchsvoll, weil die beiden WFT auf einem gemeinsamen Maschinenbett stehen. Pfeiffer: „Der intensive Dialog mit DST führte dann zu einer maßgeschneiderten Lösung, die auch bei der zuständigen Aufsichtsbehörde und den Mitarbeitern gut ankam.“ Ein Merkmal ist der relativ niedrige Zaun zum Mittelgang, der mit einer Höhe von einem Meter halb so hoch wie sonst übliche Zäune ausfällt und das Rausragen von XXL-Bauteilen ermöglicht. „Wir haben alle drei Balkenbohrwerke komplett umzäunt“, erklärt Ophüls. „Hinzu kommen steckbare Trennwände zwischen den Maschinen, die bei sehr großen Bauteilen demontierbar sind.“ Ein verschlüsseltes Zugangskontrollsystem mit selektivem Eingriff in die Not-aus-Ebenen der drei Maschinen sichert schließlich ab gegen das unbefugte oder unbemerkte Betreten der Gefahrenbereiche.

Doch worin besteht für das RWE-Technikzentrum der spezielle Mehrwert der DST-Dienstleister – Erhöhen der Wirtschaftlichkeit, Umsatzwachstum, Steigern der Sicherheit? Exakt mag es Pfeiffer – auch wegen der geringen Losgrößen und typischen Reparatur-Feuerwehreinsätze – nicht beziffern. „Für uns steht die technische Verfügbarkeit der Anlage an oberster Stelle“, antwortet der Fachleiter. „Sie muss sehr hoch sein, damit die mechanische Werkstatt ihre Leistung zuverlässig anbieten kann. Um die Tagebaufördertechnik jederzeit für die Kohlebereitstellung verfügbar zu halten, sind wir geübt darin, einen anderswo unüblich hohen Aufwand und viel Kreativität aufzubieten, um unsere Schlüsselfertigungsstellen wie die großen Bohrwerke jederzeit maximal auszulasten. Da dürfen uns unser Fachpersonal, der Service-Dienstleister und sowieso die Technik nie im Stich lassen.“ Bei den nichtterminkritischen Aufträgen muss die Werkstatt entscheidend auf Wirtschaftlichkeit, das heißt auf möglichst niedrige Maschinenstundensätze, achten, um beauftragt zu werden. Eine jüngst vorgenommene Benchmark-Analyse der Dienstleistungen des gesamten Standortes ergab, dass gerade die Bohrwerke der mechanischen Fertigung sehr wettbewerbsfähig arbeiten.

Genauigkeit und Verfügbarkeit steigerten sich nach dem Retrofit maximal

Alles in allem kann sich die Beurteilung des Retrofits der Bohrwerke in Frechen auf einer Skala von einem Stern (ausreichend) bis maximal fünf Sterne (exzellent) sehen lassen. Spelter: „Genauigkeit und Verfügbarkeit nahmen von vorher zwei auf fünf Sterne zu.“

Auf diese Art und Weise beugt RWE auch zeitlichen Verzögerungen durch Nachverhandlungen für Extraaufgaben vor. Denn auch wenn das Produkt Service sich erst direkt beim Kunden entwickelt, steht und fällt der Erfolg nicht nur mit seiner Mitwirkung, sondern auch mit der vorherigen exakten Planung. MM

* Dipl.-Ing. Nikolaus Fecht ist Fachjournalist aus 45879 Gelsenkirchen, Tel. (02 09) 2 65 75, nikofecht@erzfreunde.de

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