Leichtbau

CFK: Retter in der Not oder überschätzter Hype-Werkstoff?

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Die Kosten müssen um circa 90 % gesenkt werden

Heinrich Timm, ehemaliger Leiter des Audi-Leichtbaus präzisierte die Kostenfrage in so weit, dass seiner Ansicht nach diese auf unter 10 % der aktuellen Preise gesenkt werden müssten. CFK sei kein Wunderwerkstoff, aber ohne diesen könnten viele gute Ideen nicht umgesetzt werden. Das betreffe auch die Energiewende. Dr. Wolfgang Schröder, der CCeV-Geschäftsführer sieht einen Trend, der von einem Hype überlagert wird, ähnlich dem Thermoplast-Hype in den 80iger Jahren. CFK spielt für ihn heute in zu viele Bereich hinein, um unwichtig zu werden. Peter Dornier ist sicher, dass ein gewisser Hype nötig ist, damit daraus ein gesunder Trend für den Masseneinsatz wird. Nachwuchskräfte und die Verbreitung des Know-How sind für ihn die treibenden Motoren, dass es so kommen kann.

Die Faserverfügbarkeit könnte Probleme bereiten

Weitere Aspekte der Diskussion waren, dass bei dem prognostizierten Anstieg des Einsatzen von CFK die Versorgung mit hochwertigen Carbonfasern in Frage gestellt sei. Denn Carbonfaser ist nicht gleich Carbonfaser, wie Klaus Drechsler betonte.

Was die einzelnen Branchen angeht, so ist CFK bei der Raumfahrt ein Stoff der Visionen erfüllt, wie Stute ausführte. Nur damit halten etwa Satelliten die geforderte 41-g-Belastung aus und bleiben Weltraum-Teleskope verzugsfrei und damit präzise in ihrer Abbildungsqualität.

Der Maschinenbau, so Herbeck schätzt leichte Bauteile und die damit einher gehnde Dynamik beweglicher Teile. Papierwalzen etwa sind mit steigender Umfangsgeschwindigkeit umso produktiver und damit wirtschaftlicher. Leichtbau sei ein Enabler und schaffe die Möglichkeit dazu, die Umfangsgeschwindigkeit weiter zu steigern, ja sogar zu verdoppeln. Die CFK-Walzen bleiben außerdem thermostabil und sorgen für Papier, das im Mikrometerbereich konstate Dicke aufweist.

Was den Fahrzeugbereich angeht, so ist laut Hubert Jäger das Impaktverhalten entscheidend, denn seit dem Einsatz von CFK für Monocoques im Formel-1-Bereich sind tödliche Unfälle fast ausgeschlossen.

Strompreisbelastung muss drastisch reduziert werden

Um den Masseneinsatz möglich zu machen, ist auch die Politik gefordert, wie Jäger weiter erklärte, denn die vergleichsweise hohen Strompreise in Deutschland verhindern die Konkurrenzfähigkeit. Diese liegen bei etwa 7ct/kWh, was bereits 30 % des Herstellungspreises von Carbonfasern ausmache. Außerdem könne man vergessen, dass so die Herstellung und damit höhere Verfügbarkeit von Carbonfasern in Deutschland überhaupt bezahlbar wird. Nur 25 % am Gesamtpreis eines CFK-Produktes verursacht das Material, wie Heinrich Timm anmerkte. Alles andere machten die Prozesskosten aus

Wenn es um den Automobilbau geht, dann gibt es noch gewissen Anpassungsprobleme im Vergleich zu bewährten Technologien, wie Stute bemerkte. Zum Beispiel herrscht das Problem der Erkennung von Vorschädigungen sicherheitsrelevanter CFK-Komponenten. Sollte es zum Masseneinsatz kommen, wirke sich das auf TÜV-Know-How und Werkstattalltag aus. Ein Umdenken, so Stute, ist dann gefragt.

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