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Flex

Der flexible Funkensprüher

| Autor/ Redakteur: / Nora Nuissl

Die Flex ist jedem Handwerker ein Begriff. Dabei bezeichnet Flex nur die Marke, steht aber genau wie das Tempo für Taschentuch für eine gesamte Gattung – den Winkelschleifer. Dass hinter der Marke die ehemalige Firma Ackermann + Schmitt steht, wissen nur die wenigsten.

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So stellt sich jeder heutzutage einen Winkelschleifer vor: als Flex.
So stellt sich jeder heutzutage einen Winkelschleifer vor: als Flex.
(Bild: Flex-Elektrowerkzeuge)

Der Handwerker rückt seine Schutzbrille zurecht, zieht den Mundschutz über und schmeißt den Motor an. Unter surrendem Motorgekreische sprühen gelbe Funken durch die Werkstatt. Die hellen Lichtspäne prasseln auf den Mann nieder, der durch den Funkenregen nur noch schemenhaft zu erkennen ist. Jeder Maschinenbauer weiß, was der Arbeiter tut: ein Werkstück trennen oder schleifen, kurz gesagt flexen. Das Verb hat sich still und leise in den deutschen Sprachgebrauch integriert. Das Gerät steht wie das Tempo-Taschentuch sogar für eine gesamte Gattung – den Winkelschleifer. Das hätten sich die Erfinder der Flex nicht erträumt. „Heute kennt den Gattungsbegriff jeder Heimwerker – oft ohne zu ahnen, dass eine Firma dahinter steht“, erzählt Andreas Ditsche, Geschäftsführer von Flex-Elektrowerkzeuge. Denn nur wenigen ist bekannt, dass hinter der Marke die ehemalige Firma Ackermann + Schmitt steht.

Die Handschleifmaschine wird zur Flex – wegen ihrer flexiblen Welle

Aber der Reihe nach: Wir schreiben das Jahr 1922. Automobile holpern über deutsche Straßen, ein Pfund Brot kostet 40 Mark, mit deutscher Ingenieurtechnik wird in Berlin der erste Spielfilm mit Lichttonspur gedreht und die Wirtschaft befindet sich nach dem Ersten Weltkrieg wieder im Aufschwung. Dazu wollen auch die beiden Namensvetter Hermann Ackermann und Hermann Schmitt beitragen. Die Ingenieure gründen in Bad Cannstatt, einem der ältesten Stadtbezirke von Stuttgart, auf einer Fläche von knapp 100 m² das Unternehmen Ackermann + Schmitt. Die Jungunternehmer entwickeln handgeführte Elektrowerkzeuge. Bisher gibt es überwiegend statische Arbeitsgeräte. Die erste Maschine, die serienmäßig hergestellt wird, ist die eigens entwickelte Handschleifmaschine MS 6. Das Besondere daran ist, dass der Elektromotor der Maschine eine biegsame, flexible Welle antreibt. Dieses Merkmal gibt der Erfindung ihren Namen: Flex.

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Beginn der Flex-Markengeschichte

Ende der 1920er-Jahre gelingt es den Ingenieuren, die flexible Welle durch ein Winkelgetriebe zu ersetzen. Die Kraft wird nun über zwei Zahnräder übertragen. Trotz fehlender Welle ist der Markenname bereits so etabliert, dass er bestehen bleibt. Mit dem ersten Flex-Winkelschleifer legen die Inhaber die Basis für weitere Innovationen. Die Aufträge nehmen zu, auch aus dem Ausland gibt es Bestellungen und die Belegschaft wächst trotz der Weltwirtschaftskrise auf 40 Mitarbeiter. Der Hersteller bleibt seiner Erfindung treu und konzentriert sich in den kommenden Jahren auf die Weiterentwicklung des Produktprogramms. 1935 bringt das schwäbische Unternehmen einen niedertourigen Winkelschleifer auf den Markt. Bald wird es eng in dem Stuttgarter Werk. Ein zweiter Produktionsstandort wird eröffnet.

Zweiter Weltkrieg zerschlägt Zukunftspläne

Inmitten dieser Hoch-Zeit zerschlägt der Zweite Weltkrieg alle Zukunftspläne: Die Fabrikation muss auf Flugzeuggeräte umgestellt werden. 1941 kommt der nächste Schock – einer der Gründer, Hermann Schmitt, fällt in Russland. Nach Kriegsende ist der Großteil der beiden Fabrikhallen noch erhalten, französische Demontagetrupps bauen jedoch viele der wertvollen Maschinen ab. Mutig hält Herman Ackermann an seinem Unternehmen fest und will mit dem Flex-Logo auf den Produkten ein Zeichen für Qualitätsgarantie setzen. Mit dem Bau von Scheren, Handschleifmaschinen und einer Gelenkarmschleifmaschine wird neu begonnen. 1954 kommt der erste hochtourige Winkelschleifer mit der Typenbezeichnung „DL 9“ auf den Markt – und damit der Durchbruch für die schwäbische Marke.

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