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Porträt Der letzte Alchemist: Isaac Newton

| Autor / Redakteur: Jonas Keck / Simone Käfer

Vor 375 Jahren kam Isaac Newton zur Welt. Als Wegbereiter der Naturwissenschaften ging er in die Physik- und Geschichtsbücher ein. Seine alchemistischen Forschungen sind dagegen kaum bekannt.

Dieses Gemälde von Sir Isaac Newton wurde 1702 von Godfrey Kneller gezeichnet und hängt in der National Portrait Gallery in London.
Dieses Gemälde von Sir Isaac Newton wurde 1702 von Godfrey Kneller gezeichnet und hängt in der National Portrait Gallery in London.
(Bild: gemeinfrei (Godfrey Kneller via Wikimedia Commons) / CC0 )

Ein Newton ist die Kraft, die aufgebracht werden muss, um einen ruhenden Körper der Masse 1 kg innerhalb einer Sekunde gleichförmig auf die Geschwindigkeit 1 m/s zu beschleunigen. Das lernt jeder Schüler im Physikunterricht. Doch dass der Namensgeber der Einheit, Isaac Newton, auch alchemistische Forschungen betrieb, ist weit­gehend unbekannt. Zugegeben, es lässt sich auch schwer mit dem Bild des Vaters der modernen Physik in Einklang bringen, das so häufig von Newton gezeichnet wird. Aber Alchemie? Okkulte Zeichen, geheime Rituale und die Suche nach dem Stein der Weisen? Bei Gott, das ist doch keine Wissenschaft!

Kein Wunder also, dass Newton seine alchemistischen Forschungen Zeit seines Lebens geheim hielt. Erst als Historiker den Nachlass des Naturforschers genauer untersuchten, kam diese mystische Facette seines Werks ans Licht der Öffentlichkeit. Ein 22-seitiges Manus­kript belegt, dass sich Newton am Ende seines Lebens verstärkt mit alchemistischen Experimenten befasste. Zu dieser Zeit war er bereits Präsident der Royal Society, der britischen Gesellschaft für Naturforschung und der Hochburg der Aufklärung in Europa. Ausgerechnet in den Archiven dieser Akademie der Wissenschaften auf alchemistische Manuskripte zu stoßen, mag verwundern. Doch die Alchemie hat ihren festen Platz in der Wissenschafts­geschichte.

Ein Leben zwischen Religion und Wissenschaft

Als Isaac Newton im Januar 1643 in einem kleinen Gutshaus in der englischen Grafschaft Lincolnshire zur Welt kommt, existierte die Naturwissenschaft strenggenommen noch gar nicht. Damals war sie Teil der Philosophie, erst im 19. Jahrhundert konnte man naturwissenschaftliche Fächer belegen. Newtons Ausbildung begann am Trinity College in Cambridge, wo er sich erstmals mit den Problemen der Naturphilosophie beschäftigte. Die Naturphilosophie gilt als Vorläufer der Naturforschung. Experimente fanden vorzugsweise in Gedanken statt und waren eng mit theologischen Grundfragen verknüpft. So versuchte auch Newton der „Ersten Ursache“ für den Lauf der Welt auf den Grund zu gehen.

Auch in weltlichen Dingen hatte die Kirche noch einen großen Einfluss. Als Newton nämlich 1667 zum Professor am Trinity College berufen wurde, musste er ein Zölibatsgelübde ablegen und in der Folgezeit die geistlichen Weihen empfangen. So waren Newtons Forschungen stets von religiösen Interessen geleitet. Doch unabhängig von der Interpretation seiner Beobachtungen haben seine Erkenntnisse den Weg in heutige Physikbücher gefunden.

Von Alchemie bis klassische Physik

Newton spannte die Natur in seinen Experimenten auf die Folterbank und presste so einiges aus ihr heraus: Gleichungen der Mechanik, eine geschlossene Gravitationslehre, Grundlagen der Strömungslehre und die Zerlegung von weißem Licht in die Spektralfarben. Als sein Hauptwerk gilt „Philosophiae Naturalis Principia Mathematica“, dessen Manuskript er 1686 der Royal Society vorlegte und es 1687 veröffentlichte – in Latein. Quasi nebenbei begründete er die Differenzialrechnung und konzipierte ein Spiegelteleskop.

Doch Newton ist nicht nur der Vater der klassischen theoretischen Physik, sondern war auch Kind seiner Zeit. Und da die Alchemie als Vorläufer der heutigen Chemie und Pharmazie gilt, kann Newton auch als letzter Alchemist bezeichnet werden. Wie viele andere Vertreter dieser mystischen Experimente, begab sich auch Newton auf die Suche nach dem Stein der Weisen. Durch ihn sollte es möglich sein, unedle Metalle in Gold zu verwandeln. Doch Newton erforschte auch systematisch die Eigenschaften von Metallen und suchte Legierungen mit möglichst niedrigem Schmelzpunkt. Ebenso finden sich Abhandlungen über Metalloxide, Säuren und Salze in seinem Nachlass. Ein Teil der Manuskripte ist allerdings in einer Geheimsprache verfasst, die bis heute niemand entschlüsseln konnte.

Spekulative Geschäfte und der Kampf den Falschmünzern

Im Jahr 1699 endet seine wissenschaftliche Karriere und er wird zum Vorsitzenden der britischen Münzprägeanstalt ernannt. Er entschloss sich, den Posten anzunehmen, um sich später zur Ruhe setzen zu können. Denn die Forschungstätigkeit an der Universität war schlecht bezahlt. Im Kampf gegen Falschpräger galt Newton als rigide. In seiner Freizeit beschäftigte er sich jedoch weiterhin mit naturphilosophischen Fragen und verfasste theologische Aufsätze. Als Newton 1727 starb, wurde er in einem Staatsakt in der Westminster Abbey beigesetzt. Er war der erste Naturforscher, dem diese Ehre zuteilwurde.

Newtons wissenschaftlicher Nachlass ist unermesslich. Sein materieller Nachlass dürfte hingegen geringer ausgefallen sein als erwartet. Denn im Jahr 1720 verlor Newton rund 20.000 Pfund bei spekulativen Aktiengeschäften. Er investierte in ein Unternehmen, das unter anderem mit Sklaven handelte und einen regelrechten Börsenboom auslöste. Als diese Südseeblase wenig später platzte, soll Newton auf seinen Verlust folgendermaßen reagiert haben: „Ich kann die Bewegung eines Körpers messen, aber nicht die menschliche Dummheit.“

* Jonas Keck ist freier Journalist aus 97070 Würzburg

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