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Praxistipps für die Sicherheit an Maschinen Die fünf häufigsten Fehler bei der Schutzzaunauswahl

| Autor / Redakteur: Heinrich Brühl / M.A. Frauke Finus

Zum Beispiel bei der Zusammenarbeit von Mensch und Maschine sind trennende Schutzeinrichtungen sprich Schutzzäune nötig. Bei der Auswahl des richtigen Equipments können Fehler passieren: sind sie nicht richtig gestaltet, erfüllen sie aber ihren Zweck nicht. Bedenkt manfünf einfache Richtlinien, können die in der Praxis am häufigsten auftretenden Fehler leicht vermieden werden.

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Bei der Konfiguration von Schutzzäunen treten typische Fehler auf, die sich vergleichsweise einfach vermeiden lassen
Bei der Konfiguration von Schutzzäunen treten typische Fehler auf, die sich vergleichsweise einfach vermeiden lassen
(Bild: Brühl)

Die Absicherung von größeren Gefahrenbereichen fällt häufig in den Aufgabenbereich des Maschinen-Anwenders. Das gilt sowohl für Retrofit-Projekte, bei denen vorhandene Maschinen sicherheitstechnisch ertüchtigt werden, als auch bei Neuinvestitionen. Diese Regelung ist auch sinnvoll, weil der Anwender die möglichen Gefährdungen und die individuellen Risiken gut abschätzen kann. Deshalb muss er in die Gefährdungsabschätzung, die laut Norm zu den Voraussetzungen für eine EU-Konformitätsbescheinigung (und das heißt: für das CE-Kennzeichen) erforderlich ist, zumindest einbezogen werden. Anders ist eine fallbezogene Abschätzung der konkreten Risiken gar nicht möglich.

Fünf typische Fehler

Allerdings erledigt der Anwender eine solche Aufgabe nicht tagtäglich. Das heißt: Es besteht die Möglichkeit oder gar Wahrscheinlichkeit, dass er eine suboptimale Lösung findet und/ oder typische Fehler bei der Auswahl beziehungsweise Konfiguration des Schutzzauns macht. Das passiert nach den Erfahrungen der Hans Georg Brühl GmbH nicht selten. Somit lohnt es sich, auf die fünf häufigsten Fehler aufmerksam zu machen, denen die Maschinensicherheits-Spezialisten von Brühl in der Industrie immer wieder begegnen – mit dem Ziel, Bewusstsein dafür zu schaffen und dem Anwender Hilfestellung bei der Vermeidung dieser Fehler zu geben.

Fehler Eins: Zaunhöhe zu niedrig

Häufiger Fehler: Der Schutzzaun ist zu niedrig. Das ist immer dann besonders risikoreich, wenn das Personal durch Übergreifen in den Gefahrenbereich die Fluchtentriegelung einer Schutztür betätigen kann.
Häufiger Fehler: Der Schutzzaun ist zu niedrig. Das ist immer dann besonders risikoreich, wenn das Personal durch Übergreifen in den Gefahrenbereich die Fluchtentriegelung einer Schutztür betätigen kann.
(Bild: Brühl)

Bei der Bestimmung der Zaunhöhe sollte der Anwender großzügig denken und berücksichtigen, dass auch große Menschen nicht im Stande sein dürfen, über die schützende Konstruktion hinüber in den Gefahrenbereich zu greifen. So ist es auch in der DIN EN ISO 13857 (Absatz 4.2.2) festgelegt. Besonders problematisch ist es aus Sicht der Maschinensicherheit, wenn der Schutzzaun in der Nähe einer Schutzttür zu niedrig ist und diese Schutztür über eine Sicherheitszuhaltung mit Fluchtentriegelung abgesichert wird. Dann nämlich kann ein Bediener über den Zaun oder über die Tür greifen, die Fluchtentriegelung betätigen und sich Zutritt zum Gefahrenbereich verschaffen. Die Sicherheitssteuerung würde in diesem Fall zwar einen Stopp der entsprechenden Maschine veranlassen, aber aufgrund der Verzögerung, mit der dies notwendigerweise geschieht, könnte der Bediener gefährdet werden. Außerdem wird in diesem Fall der Prozess unterbrochen, was unter Umständen Schäden an den Produkten oder komplexe Wiederanlauf-Prozesse nach sich zieht.

Fehler Zwei: Sicherheitsabstand zu gering

Bei der Dimensionierung des Schutzzauns sollte der Verantwortliche außerdem darauf achten, die Sicherheitsabstände zum Gefahrenbereich einzuhalten. Sie betragen zum Beispiel beim Schutzzaunsystem Flex II 120 mm und beim Schutzzaunsystem Zaun II (das größere, quadratische Abstände zwischen den einzelnen Zaundrähten aufweist) 200 mm. Die normgerechten Abstände werden ebenfalls in DIN EN ISO 13857 genannt (Abs. 4.2.4.1).

Fehler Drei: Keine Absicherung gegen Unterkriechen

Genau wie die Höhe des Schutzzauns muss auch der Abstand zwischen Boden und Zaun so dimensioniert sein, dass Restgefahren ausgeschlossen werden können. Im Klartext: Der Abstand muss so gering sein, dass der Bediener den Zaun nicht unterkriechen kann (DIN EN ISO 13857 Abs. 4.3). Neben diesem bewussten Missbrauch muss außerdem sichergestellt sein, dass die unteren Gliedmaßen nicht gefährdet sind.

Fehler Vier: Übersteigen des Schutzzauns ist möglich

Wenn ein Schutzzaun zum Einsatz kommt, der mit waagerechten Drähten oder Stabilisierungspräguungen ausgestattet ist, besteht das Risiko, dass der Anwender den Zaun übersteigt. Er dringt dann in den Gefahrenbereich ein, ohne dass die Schutzeinrichtungen dies registrieren können – ein Risiko, das es zu vermeiden gilt. Deshalb ist es empfehlenswert, nur solche Schutzzaunsysteme einzusetzen, die ohne derartige Steighilfen auskommen und an der Außenseite einen bündigen Zaunverlauf aufweisen. So empfiehlt es auch die neue EN ISO 14120 (Abs. 5.18).

Fehler Fünf: Verletzungsgefahr durch Schutzzaun

Die Zäune selbst dürfen keine Gefahr bergen, zum Beispiel, dass Finger eingeklemmt werden können.
Die Zäune selbst dürfen keine Gefahr bergen, zum Beispiel, dass Finger eingeklemmt werden können.
(Bild: Brühl)

Fatal ist es, wenn die Schutzeinrichtung selbst zum Risiko wird. Das kann passieren, wenn nicht normenkonforme Schutzzaunsyteme zum Einsatz kommen, die offenliegende scharfen Kanten aufweisen oder aus unsauber verarbeiteten Drähten und/oder Profilen hergestellt wurden. Auch offene Rahmenprofile und Pfosten ohne Schutzkappen stellen solche Gefährdungen dar, die nicht zu schwerwiegenden, aber doch unangenehmen Verletzungen führen und auf einfache Weise vermieden werden können – indem man ein Zaunsystem verwendet, das durchdacht konstruiert und mit Sorgfalt gefertigt wurde.

Absicherung von Gefahrenbereichen

Wer diese fünf Fehler vermeidet, hat schon viel getan, um eine verlässliche und normenkonforme Absicherung von Gefahrenbereichen zu realisieren. Natürlich gibt es weitere Möglichkeiten, Fehler zu begehen. Dazu gehört es zum Beispiel, Anreize für eine Manipulation zu vermeiden. Das erreicht man unter anderem, indem man bei der Planung der Schutzeinrichtungen nicht nur den Normalbetrieb der Maschine berücksichtigt, sondern auch die Wartung, Reinigung und Störungsbeseitigung. Das gilt insbesondere für die Gestaltung von Schutztüren bzw. für den Zugang zu Gefahrstellen und Gefahrenbereichen.

Hilfreich bei der Auswahl und Gestaltung von Schutzzäunen ist auch ein Blick in die (neue)Norm DIN EN ISO 14120 („Allgemeine Anforderungen an Gestaltung und Bau von feststehenden und beweglichen trennenden Schutzeinrichtungen“). Sie weist unter anderem den Weg zu einer Schutzzaun-Auswahl, die eine Überdimensionierung vermeidet. Denn die Stabilität, die das Zaunsystem aufweisen muss, ergibt sich laut DIN EN ISO 14120 aus seiner konkreten Funktion, das heißt aus den Schutzzielen. Wenn der Zaun nur dazu dient, Personen am Gefahrenbereich zu hindern, muss er weit weniger stabil sein als wenn zum Beispiel Roboter- oder Materialeinschläge von innen möglich sind. Der Anwender dieser Norm kann also unter Umständen einen „schlankeren Schutzzaun einsetzen, der dennoch allen Anforderungen an die funktionale Sicherheit in vollem Umfang gerecht wird.

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