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Porträt

Dietmar Harting feierte 2019 seinen 80. Geburtstag

| Autor/ Redakteur: Alexander Völkert / Dipl.-Ing. (FH) Reinhold Schäfer

Solide Geschäftspolitik, strategisches Denken und gesellschaftliche Verantwortung sind für Dietmar Harting die Prinzipien unternehmerischen Handelns und damit Voraussetzung für wirtschaftlichen Erfolg.

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Haben Sie ihn erkannt? – Richtig – links der Blonde, das ist Dietmar Harting. Daneben sein Bruder Jürgen und die Eltern Marie und Wilhelm. Am 15. September 2019 wurde der langjährige Vorsitzende der Harting Technologiegruppe 80 Jahre alt.
Haben Sie ihn erkannt? – Richtig – links der Blonde, das ist Dietmar Harting. Daneben sein Bruder Jürgen und die Eltern Marie und Wilhelm. Am 15. September 2019 wurde der langjährige Vorsitzende der Harting Technologiegruppe 80 Jahre alt.
(Bild: Harting)

Schliemanns Entdeckung der Stadt Troja, Koldeweys Forschungen im alten Babylon und Petries Ausgrabungen in Ägypten, aber auch frühe Entdeckungsfahrten der Menschheit vor Kolumbus – das ist die Welt von C. W. Cerams „Götter, Gräber und Gelehrte“ und Paul Herrmanns „Sieben vorbei und acht verweht“ Das begeistert Mitte der Fünfzigerjahre den jungen Dietmar derart, dass er „die Bücher unter der Bettdecke verschlingt“ und beschließt, Archäologe zu werden. Zwar verfügt sein Vater Wilhelm später, dass er Physik studiert und schließlich als Diplom-Kaufmann die Universität verlässt. Doch die Begeisterung für Geschichte und Archäologie begleitet ihn bis heute. „Er beschäftigt sich pausenlos mit Büchern, Zeitungen und Zeitschriften. Es gibt keine Situation, in der er nicht etwas Lesbares in der Hand hat“, sagt seine Frau Margrit. Das mag für manchen nach einem belesenen Privatier klingen, den die Unternehmenswelt nichts mehr angehen mag. Doch dem ist nicht so. Als Mitglied des Vorstandes der Harting Technologiegruppe kümmert er sich um den Bereich „Neue Technologien“ und ist nahezu täglich im Unternehmen präsent. Vor vier Jahren gab er die operative Führung des Unternehmens und den Vorstandsvorsitz an seinen Sohn Philip ab.

Stetiger Wandel und strategische Entscheidungen

Beinahe fünf Jahrzehnte stand Dietmar Harting an der Spitze der 1945 von seinen Eltern gegründeten Firma, der heutigen Harting Stiftung & Co. KG. Er machte im Laufe der Jahre den kleinen Mittelständler zu einem Global Player. Am 15. September feierte der Seniorchef der Espelkamper Technologiegruppe seinen 80. Geburtstag. Für sein Engagement in bedeutenden Branchenverbänden und Normungsorganisationen wurde er vielfach geehrt und ausgezeichnet.

Bildergalerie

1967, fünf Jahre nach dem frühen Tod des Firmengründers Wilhelm Harting, tritt der damals 27-Jährige in das Familienunternehmen ein, das seinerzeit mit knapp 1000 Mitarbeitern einen Umsatz von rund 29 Mio. D-Mark erzielt. Zunächst gemeinsam mit seiner Mutter und seinem Bruder (er starb 1973), dann ab 1987 mit Ehefrau Margrit, leitet Dietmar Harting das aufstrebende Unternehmen. Dabei sind die Ostwestfalen einem stetigen Wandel unterworfen. Immer wieder müssen wichtige strategische Entscheidungen getroffen werden. Werden anfangs Waffeleisen, Kochplatten oder Plattenspieler produziert, konzentriert sich das Unternehmen später auf die Verbindungstechnik. Mit dem bereits 1956 patentierten Han hat Harting einen bis heute gültigen Standard gesetzt. Neben den Industriesteckverbindern erreicht das Unternehmen auch als Hersteller von Zigarettenautomaten für den Innen- und Außenbereich eine Spitzenposition.

Auf Kurs zum Weltunternehmen

Von großer Bedeutung ist für Dietmar Harting die Internationalisierung des Unternehmens. Sie wird 1979 mit der Eröffnung einer Tochtergesellschaft in Paris eingeleitet „Ich war unsicher und hatte Zweifel“, bekennt er heute. Doch sein strategischer Mut wird belohnt. Er war ausschlaggebend für die Eroberung wichtiger Märkte und die Entwicklung neuer Geschäftsfelder. In rascher Folge werden ab den 80er Jahren des 20. Jahrhunderts Vertriebsbüros in Europa, Amerika und Asien eröffnet. Es entstehen erste Produktionsstätten in der Schweiz und Großbritannien. Der Auslandsanteil am Umsatz verdoppelt sich von 30 % im Jahre 1981 auf fast 60 % im Jahre 1999 und erreicht im Geschäftsjahr 2017/2018 rund 70 %, der Gesamtumsatz des liegt bei 762 Mio Euro: Das ist ein neuer Rekord. Damit wird Harting zum internationalen Technologiekonzern und ist mit seinem globalen Netzwerk aus Entwicklungs-, Produktions- und Vertriebsgesellschaften klar auf Kurs zum erklärten Ziel, ein Weltunternehmen zu werden.

Funktionen und Ehrungen

Als Präsident bundesdeutscher und internationaler Organisationen und Gremien wird Dietmar Harting weit über die Grenzen der Region und des Landes bekannt. 1998 rückt er als erster Mittelständler an die Spitze des Zentralverbandes Elektrotechnik- und Elektronikindustrie (ZVEI). Nach dem Abschied 2004 ernennt ihn der Verband zum Ehrenpräsidenten auf Lebenszeit. Im selben Jahr wird er Mitglied des Präsidiums des Bundesverbandes der Deutschen Industrie (BDI) und leitet von 2003 bis 2009 das Deutsche Institut für Normung (DIN), das ihm für seine Arbeit mit dem DIN-Ehrenring dankt. Helmut Kohl, Gerhard Schröder und Angela Merkel berufen den Espelkamper in den „Rat für Forschung, Technologie und Innovation“ beziehungsweise in die Initiative „Partner für Innovation“. 2008 würdigt ihn die Deutsche Messe AG für sein langjähriges Wirken und er wird mit der Goldenen-Messe-Ehrenmedaille ausgezeichnet. Ein ganz besonderes Jahr der Ehrungen dürfte für Dietmar Harting das Jahr 2009 sein. Der damals 70-Jährige wird für sein herausragendes Engagement als Unternehmer, Förderer von Wissenschaft und Technik in Verbänden und Organisationen mit der Ehrendoktorwürde der Leibniz-Universität Hannover ausgezeichnet. SVon seiner Heimatstadt Espelkamp erhält der Unternehmer und seine Ehefrau Margrit die Ehrenbürgerwürde, und dem Ehepaar wird das Bundesverdienstkreuz erster Klasse verliehen.

Ökologie, Ökonomie und Opa

Seine gesellschaftliche Verantwortung gilt auch für die Heimatregion des Familienunternehmers. Dort unterstützt der Jubilar den Breiten- und Spitzensport und fördert die Jugendarbeit. Darüber hinaus ist er nicht nur Start-up-Unternehmer einer Softwareschmiede in Berlin, sondern widmet sich auf seinem Hof im benachbarten Uchte mit Leidenschaft der nachhaltigen Landwirtschaft und regenerativer Energiegewinnung. Seit vielen Jahren arbeitet er an der Vereinbarkeit von Ökologie und Ökonomie. Dass es ihm um die Zukunft geht, zeigt sich auch in seiner Aufgabe als leidenschaftlicher Opa für seine acht Enkelkinder. Ob rätseln, puzzeln oder basteln – gerne mit Technikbezug: „einfach mal machen!“ ist sein Leitmotiv. Die Wochenenden verbringt er vorzugsweise in Espelkamp. Er ist ein Freund einfacher Küche und ist sehr häuslich. Seine Schuhe putzt er bis heute am liebsten selbst, weil es ihm keiner gut genug macht. Tiefe Ruhe findet er übrigens in seinem eigenen Revier bei der Jagd. „Die Stunden auf dem Hochsitz, wenn im Morgengrauen die Natur erwacht – das ist für mich Entspannung pur“. MM

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