Ausbildung

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Auch die Wahl eines Bürojobs als Ausbildungsberuf ist für gerade mal 14 % der jungen Menschen interessant, stattdessen spielen Werte wie gute Zu- kunftschancen (64,9 %), die Passgenauigkeit zu den eigenen Interessen und Fähigkeiten (63,8 %) sowie die Verdienstmöglichkeiten (41,9 %) eine Rolle. Bei der Suche nach dem passenden Ausbildungsbetrieb gehen viele Bewerber pragmatisch vor. Für mehr als die Hälfte der Befragten zählt vor allem die Nähe des Betriebes zum Wohnort, die Produkte und Dienstleistungen eines Unternehmens stehen im Vergleich dazu mit 9,7 % auf dem letzten Platz. Auch die Höhe der Ausbildungsvergütung ist nicht wichtig, stattdessen zählt neben der Nähe, ob auch der Wunschausbildungsberuf angeboten wird und die mögliche Jobsicherheit. Interessant ist auch, dass Name, Bekanntheit und Ruf eines Unternehmens zwar bei den Ausbildern zu den relevanteren Faktoren gehören, für Bewerber und Azubis aber eher eine untergeordnete Rolle spielen. Allein mit ihrem guten Namen können Ausbildungsbetriebe also nicht punkten.

Im Umgang mit Jugendlichen hat die Bernd Münstermann GmbH aus Telgte die Erfahrung gemacht, dass den potenziellen Auszubildenden oft das nötige Hintergrundwissen fehlt. Prokuristin Magdalena Münstermann erklärt: „In Gesprächen mit Jugendlichen stellen wir fest, dass diese kaum oder zu wenig Kenntnisse über Arbeitgeber vor Ort haben, darum natürlich auch zu wenig Informationen über die Möglichkeiten von Mint-Berufen. Leider gilt das auch für viele Lehrer, die überwiegend nicht vor Ort wohnen und denen die Kenntnisse über Arbeitgeber vor Ort fehlen.“

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Um diesem Problem zu begegnen, arbeitet man bei Münstermann seit 2008 mit allen Schulen vor Ort und in der Region zusammen, um Unterrichtsinhalte in Bezug zu örtlichen Arbeitgebern zu setzen. „Mittlerweile haben einige Schulen die Zusammenarbeit mit Arbeitgebern als festen Bestandteil in ihr Schulprogramm aufgenommen“, berichtet Münstermann. Der Effekt wirkt für das Maschinenbauunternehmen positiv: Schüler setzen sich intensiver mit Ausbildungsmöglicheiten in verschiedenen Berufen auseinander. „Auf diese Art und Weise haben wir bereits viele Auszubildende erhalten, auch Abiturienten, die nach dem Abitur erst mal eine Ausbildung zum Metallbauer/Fachrichtung Konstruktionstechnik absolviert haben“, zieht Münstermann ihr Fazit. Außerdem stehen nicht die Noten im Vordergrund, sondern das Interesse und die Lernbereitschaft an technischen Berufen. „Es hat sich gezeigt, dass die Noten in der ausbildungsbegleitenden Berufsschule oft recht gut werden, weil der Unterricht in Bezug zur täglichen Arbeit steht, wenn sich Azubis im Unternehmen angenommen fühlen, wenn ihnen Wertschätzung entgegengebracht wird, wenn sie erfahren, dass sie etwas ,können' und ihre Arbeit Anerkennung findet“, so die Prokuristin.

Für viele Jugendliche auf der Suche nach einer Lehrstelle zählt sehr stark, was ihnen die Eltern raten. Fast die Hälfte der befragten Bewerber (45,8 %) hört bei der Jobsuche häufig bis sehr häufig auf den persönlichen Rat von Mama und Papa, fast genau so viele (43,1 %) informieren sich hauptsächlich über die Karriereseiten der Unternehmen. Auch persönliche Empfehlungen haben ein hohes Gewicht, Praktika dagegen nutzt über die Hälfte der Befragten (52,4 %) selten bis nie.

Was zählt, ist die Meinung der Eltern

In der digitalen Welt sind die Azubis von heute zu Hause. Deshalb ist es auch nicht verwunderlich, dass sich mehr als die Hälfte der Umfrageteilnehmer darüber freut, dass auch die Arbeitswelt immer digitaler wird. Ein gutes Signal für Unternehmen, die vielleicht selbst Schwierigkeiten haben, auf diesem Gebiet Fuß zu fassen. Junge Mitarbeiter bringen als Digital Natives ein Verständnis und eine Sicherheit im Umgang mit digitalen Inhalten mit, die Vorgängergenerationen nur in Ausnahmefällen erreichen können. Verbunden mit dem Wunsch nach Verantwortung – 82,8 % der Befragten sprachen sich in der Umfrage dafür aus – ergibt sich für HR-Verantwortliche und Ausbilder eine Perspektive, das eigene Unternehmen für jugendliche Bewerber attraktiv zu machen. Auch bei der MAN Truck & Bus AG in München geht man diesen Weg. Dort wird, so Prof. Heiko Gintz, der Leiter der Berufsausbildung der MAN-Gruppe, die Attraktivität der Berufsausbildung durch praxisorientierte Projekte und viel eigenständiges Arbeiten in der Ausbildung erhöht. Außerdem gestaltet das Unternehmen die Ausbildungsinhalte flexibel, um Veränderungen, insbesondere im Rahmen der Digitalisierung, mit in den Lernprozess einzubeziehen. Dazu gehören auch neue Lernmethoden, wie etwa das virtuelle Schweißen oder Arbeiten mit einem 3D-Drucker.

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Die Sprache der Generation Z sprechen

Um mögliche Azubis zu erreichen, setzen viele Unternehmen heutzutage noch immer auf Bewährtes: So spielen klassische Printmedien eine große Rolle, ebenso Auftritte auf etwaigen Messen. Soziale Medien, allen voran Facebook, werden oft nur unregelmäßig oder halbherzig genutzt. Und viel zu selten wird bemerkt, dass sich auch hier der Fokus der Jugendlichen längst verschoben hat. Statt über Facebook kommuniziert man über Whatsapp oder Snapchat, dazu kommen Plattformen wie Instagram und Pinterest. Nicht alle diese Kanäle eignen sich für die eigenen Ziele, es sollte jedoch unbedingt abgewogen werden, wo eine Präsenz richtig und wichtig ist, um eine digitale Duftmarke zu hinterlassen. Denn auch ein veralteter oder langweiliger Facebook-Account schreckt potenzielle Bewerber ab.

Wer sich die Digital Natives ins Haus holen will, sollte also zumindest zeigen, dass er selbst sich in dieser Welt bewegen kann und will. „Von der Haltung ,Lehrjahre sind keine Herrenjahre' sollten wir absehen“, fasst Münstermann die Verantwortung der Unternehmen zusammen. „Die Jugendlichen heute sind nicht besser oder schlechter als früher, sie mögen anders sein, bieten aber eine gute Basis dafür, mit ihnen gemeinsam die digitalen Herausforderungen der Zukunft anzugehen.“ MM

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