Präzisionsbauteile Digitale Hightech-Fertigung von Präzisionsbauteilen für den Porsche Motorsport

Autor / Redakteur: Ralph Schiffler / Mag. Victoria Sonnenberg

Zwei Jahre nach der Rückkehr in den Kampf um die Langstrecken- weltmeisterschaft hat das Porsche-LMP1-Team eine der rasantesten Erfolgsgeschichten im automobilen Rennsport geschrieben – nicht zuletzt, weil die Wahl auf den richtigen Technologiepartner fiel.

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Das eigens für Porsche eingerichtete Motorsport CNC Competence Center entwickelt intelligente Fertigungslösungen für anspruchsvolle Bauteile.
Das eigens für Porsche eingerichtete Motorsport CNC Competence Center entwickelt intelligente Fertigungslösungen für anspruchsvolle Bauteile.
(Bild: DMG Mori)

Wer auf der Rennstrecke gewinnen will, muss in allen Disziplinen ganzheitlich der Beste sein. Und das nicht nur während der Rennwochenenden, sondern über die gesamte Saison hinweg, angefangen bei der Konstruktion der Hightechboliden bis zur Präzisionsbearbeitung jedes einzelnen Bauteils.

Genau hier wird DMG Mori zum Teil der jüngsten Erfolgsgeschichte von Porsche Motorsport: Denn als Technologiepartner unterstützt DMG Mori bereits seit 2014 das Porsche-LMP1-Team bei seiner fulminanten Rückkehr in die Langstreckenweltmeisterschaft. Die Partnerschaft umfasst dabei zum einen die Lieferung von Hightech-Fertigungsequipment für die Produktion am Porsche-Standort in Weissach. Zum anderen liefert DMG Mori aus dem eigens gegründeten Porsche Motorsport CNC Competence Center bei Deckel Maho Seebach anspruchsvollste Präzisionsbauteile. „Auch bei uns entscheidet die Symbiose aus Performance, Zuverlässigkeit, Geschwindigkeit und Präzision über Sieg oder Niederlage“, beschreibt Dr. Thomas Hauer, Produktionsleiter bei Deckel Maho Seebach, die Herausforderung Fertigungsdienstleister des LMP1-Teams von Porsche Motorsport.

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Vom Pumpengehäuse über Elektromotoren bis hin zu Befestigungselementen

Bis Ende 2015 wurden mehr als 60 verschiedene Bauteile mit einer Gesamtauflage von über 2300 Einzelteilen für das Porsche-Team gefertigt. Das Teilespektrum umfasst unter anderem komplexe Gehäuse für Pumpen und Elektromotoren sowie aufwendige Befestigungselemente für das innovative Bremssystem.

Die hierfür notwendigen CAD-Daten liefern die Entwickler des Rennstalls Porsche. Von da an verantworten die Zerspanungsexperten in Seebach den gesamten Prozess bis zum fertigen Werkstück. Für DMG Mori und das Porsche-Team erweist sich besonders Celos als wesentlicher Eckpfeiler in der Zusammenarbeit. Im Motorsport CNC Competence Center sind alle Werkzeugmaschinen mit Celos ausgestattet. „Die App-basierte Steuerungs- und Bediensoftware ermöglicht DMG Mori sowohl die durchgängige Verwaltung, Dokumentation und Visualisierung von Auftrags-, Prozess- und Maschinendaten als auch die Steuerung der Maschine im Shop Floor. Celos verbindet Arbeitsvorbereitung und Werkstatt auf einzigartige Weise zu einem hocheffizienten Leistungsverbund“, erklärt Hauer. Zusätzlich steht dem Team die Celos-PC-Version zur Verfügung die als zentrale Planungs- und Steuerungssoftware dient. Die einzelnen Aufträge werden komplett losgelöst von den Maschinen von einem Leitstand aus angelegt. Im Job Manager werden NC-Programme, die Aufspannpläne und die Werkzeuge zu einem Auftrag verknüpft. Folglich findet man im Porsche Motorsport CNC Competence Center weder technische Zeichnungen noch Dokumentationen in Papierform. Im Job Scheduler erfolgt anschließend die Feinplanung der Jobs mit der exakten Zuweisung auf eine Maschine.

Über den Celos-Leitstand kann man sowohl den aktuellen Status als auch die Auswirkungen kurzfristiger Änderungen einsehen. Celos hilft hier, die Arbeitsabläufe an den Maschinen nach den jeweiligen Lieferterminen zu priorisieren. „Im schnelllebigen Motorsport gehören extrem kurzfristige Fertigungsaufträge zum Tagesgeschäft“, so Hauer weiter.

Neben den Planungs- und Steuerungsfunktionen ermöglicht Celos als Leitstand außerdem den Abruf von Maschinendaten aller angeschlossenen Werkzeugmaschinen in Echtzeit. Mithilfe der gespeicherten Daten lassen sich betriebswirtschaftliche Analysen durchführen, zur kurz- und mittelfristigen Optimierung der Fertigung. Die Vernetzung der Maschinen in Kombination mit der kontinuierlichen Aufzeichnung von Echtzeitdaten stellt einen wichtigen Schritt in Richtung Industrie 4.0 dar. Ein Highlight der Komponentenfertigung ist die DMG-Mori-Prozesskette. Sie umfasst das Konstruieren und Programmieren sowie eine 1:1-Simulation des NC-Programms in der DMG Mori Virtual Machine. Da die Bauteile für den LMP1 „aus dem Vollen“ herausgearbeitet werden, gewinnt die Implementierung der Frässtrategie eine zentrale Bedeutung. Zum einen steht in der Prozesskette für jede komplexe Aufgabenstellung die notwendige Programmierstrategie zur Verfügung, zum anderen überprüft die virtuelle Maschine die Machbarkeit sowie Kollisionsfreiheit zu 100 %.

Die DMG Mori Virtual Machine hat einen Stellenwert wie der Rennsimulator für die Piloten: „Sie ermöglicht eine 1:1-Simulation der realen Bearbeitung am PC – inklusive Maschinenkinematik und realer Steuerung. Dadurch stimmen wir den Bearbeitungsprozess vorab exakt auf die Bedürfnisse des individuellen Bauteils ab, um „unsere Rundenzeiten“ kontinuierlich zu reduzieren.“ erklärt Hauer. MM

* Ralph Schiffler ist Geschäftsführer der Pressgate GmbH in 50676 Köln, Tel. (02 21) 47 45 77-10, info@pressgate.net

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