Raketenantriebe Einmal Orbit, nicht zurück

Redakteur: Mag. Victoria Sonnenberg

Isar Aerospace entwickelt Raketen, die Satelliten kostengünstig in die Erdumlaufbahn bringen sollen. Prototypen für den Antrieb sowie Subkomponenten entstehen auf dem 5-Achs-Bearbeitungszentrum C 42 U von Hermle.

Isar Aerospace hat einen hohen Anspruch an das Bearbeitungszentrum von Hermle: Es muss Qualität liefern, produktiv sein, und zuverlässig durchlaufen können.
Isar Aerospace hat einen hohen Anspruch an das Bearbeitungszentrum von Hermle: Es muss Qualität liefern, produktiv sein, und zuverlässig durchlaufen können.
(Bild: Hermle)

„Ein Satellit besteht im Prinzip nur aus Elektronik. Und was in den 1990er Jahren noch zehn Tonnen gewogen hat, wiegt 25 Jahre später nur noch 100 Kilogramm.“ Josef Fleischmann, COO der Isar Aerospace Technologies GmbH, steht zusammen mit seinem Produktionsleiter Christian Wenzl vor der jüngsten Version seines Raketenantriebs. Mit seiner Ausführung über die Satelliten begründet er das Potenzial, das in den Trägerraketen mittlerer Größe steckt, die er und sein Team entwickeln. „Spectrum“ wird 27 Meter lang sein und einen Durchmesser von zwei Metern haben. Nur ein Fünftel des Raumfahrzeugs ist für Nutzlast und Technik vorgesehen. Den größten Teil der Rakete füllen die Sauerstoff- und Treibstofftanks, die den Treibstoffvorrat speichern. Herzstück ist der Antrieb: Neun Triebwerke befördern zukünftig die Rakete mit mehreren Satelliten an Bord in den Low Earth Orbit (LEO). 675 Kilonewton Schub erlauben eine Traglast von bis zu einer Tonne. Ein zehnter Motor sitzt in der zweiten Stufe. Er kann mehrfach gezündet werden und ermöglicht damit Startdienstleistungen für sogenannte Satellitenkonstellationen. „Wir können mit einer Rakete mehrere Satelliten transportieren und im entsprechenden Orbit absetzen“, erklärt der COO. Im Anschluss verglüht der leere Raketenkörper beim kontrollierten Wiedereintritt in die Erdatmosphäre.

Fleischmann gründete 2018 zusammen mit Daniel Metzler und Markus Brandl die Isar Aerospace Technologies GmbH mit der Vision, Satelliten kostengünstig in die Erdumlaufbahn zu bringen – als Dienstleitung für Satellitenhersteller. Zusammen forschten sie zuvor zehn Jahre an der Technischen Universität München und bauten Raketenantriebe ausschließlich für Forschungszwecke. Heute verantwortet Fleischmann das operative Geschäft und überlässt die produktionstechnische Verantwortung Christian Wenzl, der erst im Sommer zu Isar Aerospace wechselte. 16 der insgesamt 120 Mitarbeiter von Isar Aerospace gehören zu seinem Produktions-Team.