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Jubiläum EMO Hannover hat 40-Jähriges

Autor / Redakteur: Victoria Sonnenberg / Mag. Victoria Sonnenberg

Heinrich Böll erhält den Literaturnobelpreis, Helmut Schmidt wird Bundeskanzler, mit Saturday Night Fever schwappt die Disco-Welle nach Deutschland und die 2. EMO findet erstmals in Hannover statt – das alles 1977, also genau vor 40 Jahren.

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Zur ersten EMO Hannover 1977 kamen 1619 Aussteller aus 27 Ländern.
Zur ersten EMO Hannover 1977 kamen 1619 Aussteller aus 27 Ländern.
(Bild: VDW)

Die 70-er Jahre haben Geschichte sowohl in Gesellschaft und Politik als auch in der Industrie geschrieben. Während die Gesellschaft zu neuen Freizeitaktivitäten fand, sah man sich in industriellen Gefilden wie der Werkzeugmaschinenbranche mit weniger spaßigen Faktoren konfrontiert, wie Unsicherheiten, Krisen, Konjunkturtäler und Inflation. In den 70ern zeigte sich klar, was sich in den 60ern nur andeutete: Die Weltkonjunktur verlor durch strukturelle Umbrüche entscheidend an Kraft. Die Folgen waren eine hohe Inflation, hohe Zinsen und steigende Arbeitslosigkeit. Kurzum: Die Wirtschaft befand sich in einer ausgewachsenen Depression.

Messestart im Zeichen der Krise

Diese Jahre waren gekennzeichnet von einer unterschiedlichen Entwicklung einzelner Wirtschaftszweige. Eine Verbesserung sollte durch Innovationen und Investitionen erreicht werden. Und welcher Industriezweig sonst konnte anspruchsvolle Investitionsgüter liefern, wenn nicht der deutsche Werkzeugmaschinenbau? Dieser befand sich allerdings, wie die meisten Bereiche des Maschinenbaus, in einer Strukturkrise, einer schwierigen Lage, in der die Verbände VDMA und VDW besonders gefordert waren. So initiierte der VDW selbst oder gemeinsam mit Auftraggebern Studien, die sich kritisch mit dem Markt auseinandersetzten. Um die Forschung auf dem Gebiet der Metallverarbeitung zu verstärken, vergab der VDW gemeinsam mit der Arbeitsgemeinschaft industrieller Forschungsvereinigungen (AIF) Forschungsaufträge in Millionenhöhe.

Die wirtschaftlichen Schwierigkeiten wirkten sich auch auf die Messeaktivitäten des VDW und des Cecimo, des europäischen Dachverbands der Werkzeugmaschinenhersteller, aus. Die schon länger beschlossene erste europäische Ausstellungsrunde EMO von 1975 bis 1981 wurde trotz Depression mit voller internationaler Beteiligung abgehalten. Und so startete die EMO 1975 in Paris – als Auftakt einer erfolgreichen Messerunde. Neben den westeuropäischen Unternehmen nahmen 114 Hersteller aus Osteuropa und anderen Erdteilen teil. Frankreich war mit 378 Ausstellern am stärksten vertreten. Die 312 westdeutschen Aussteller belegten 27 % der Ausstellungsfläche.

Im Jahr 1977 hatte die EMO in Hannover Premiere. Es kamen 1619 Aussteller aus 27 Ländern: neben den ost- und westeuropäischen die USA und Japan sowie Schwellenländer. Mit einer Ausstellungsfläche von 116.675 m² erreichte man neue Größenverhältnisse trotz der wirtschaftlich schwierigen Zeiten (zum Vergleich: 1975 in Paris waren 94.067 m² belegt).

Bei den europäischen Cecimo-Ländern waren nach den deutschen Firmen Italien, die Schweiz und Frankreich am stärksten beteiligt. Die Reihenfolge der nicht dem Cecimo angehörenden Länder: USA, Japan, DDR. 1977 übernahm Bundeswirtschaftsminister Dr. Hans Friderichs die Eröffnung der EMO. Generalkommissar Markus von Busse ging in seiner Rede auf die Internationalität der EMO und den beginnenden Strukturwandel des Angebots ein: „Was hier in Hannover von den Firmen der 13 heute im Europäischen Komitee zusammengeschlossenen Länder gezeigt wird, daneben von fünf Ländern Osteuropas, den Unternehmen Amerikas und diesmal verstärkt von Ländern Asiens und des Nahen Ostens, das ist praktisch die Werkzeugmaschinenindustrie der Welt.“

Passend dazu wurde auch eine verstärkte Präsenz der internationalen Fachpresse, die sich besonders zu Hannover hingezogen fühlte, wahrgenommen. Damals kamen bereits 874 Journalisten aus 21 Ländern auf die EMO. Eine deutsche Fachzeitschrift für die spanende Fertigung schrieb Folgendes über das Messespektakel: „Fast möchte man sagen, dass frühere Ausstellungen Werkzeugmaschinen mit numerischer Steuerung präsentierten, während man diesmal numerische Werkzeugmaschinen fand. [...] Die numerische Steuerung steht voll im Zeichen der CNC, die mit hochintegrierten Halbleiterspeichern und Mikroprozessoren realisiert wird.“

EMO – eine Erfolgsgeschichte

Vier Jahre später – wiederum in Hannover – verzeichnete die EMO einen erneuten Beteiligungsrekord. Eine kurze konjunkturelle Besserung zuvor hatte Optimismus verbreitet, sodass 1981 schließlich 893 deutsche Firmen 47 % der Fläche in Hannover belegten. Die von den übrigen westeuropäischen Ländern belegte Fläche war um 16.000 m² gestiegen. Die europäische Ausstellung wurde 1981 somit zur wirklichen Weltausstellung: mit 234 teilnehmenden Firmen aus 21 Ländern außerhalb Westeuropas. Insgesamt beteiligten sich 34 Länder an der zweiten in Hannover stattfindenden EMO. Es fehlte kaum ein Land, das über relevante Ansätze zur Herstellung von Metallbearbeitungsmaschinen verfügte. Die 3. EMO in Hannover 1985 wurde ein europäischer Erfolg. Die Ausstellungsfläche dehnte sich auf 158.000 m² aus. Auch die folgenden EMO-Messen in Hannover sollten bis hin zur diesjährigen EMO Hannover 2017 einen stets erfolgreichen Verlauf nehmen.

Die EMO wird im Zweijahresturnus – immer in den ungeraden Jahren – organisiert. 2003 wurde der ursprüngliche EMO-Zyklus (Hannover-Paris-Hannover-Mailand) vom Cecimo in Hannover-Hannover-Mailand abgeändert. Das heißt: Nach 2017 findet die EMO auch 2019 (vom 16. bis 21. September) wieder in Hannover statt und 2021 in Mailand.

40 Jahre nach der ersten EMO in Hannover werden 2017 mehr als 2100 Aussteller aus der ganzen Welt erwartet, die auf einer Nettoausstellungsfläche von über 180.000 m² die neuesten Produkte aus der Branche vorstellen werden.

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