Verstärkungstextilien Endkonturgerechtes Weben erfordert viel Kreativität

Autor / Redakteur: Gert Laarakker / Josef-Martin Kraus

Je komplexer die Bauteilgeometrie im Faserverbundbereich ist, umso höher sind die Anforderungen an textile Halbzeuge zur Bauteilverstärkung. Das führt beim Weben zu endkonturgerechten Textilien mit Verstärkungsfäden, die in Richtung der optimalen Kraftableitung liegen.

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Die Herstellung gewebter Halbzeuge zur Bauteilverstärkung profitiert von der zunehmenden Vielfalt entsprechender Garne am Markt. Inzwischen werden damit dreidimensionale Verstärkungstextilien gewebt.
Die Herstellung gewebter Halbzeuge zur Bauteilverstärkung profitiert von der zunehmenden Vielfalt entsprechender Garne am Markt. Inzwischen werden damit dreidimensionale Verstärkungstextilien gewebt.
(Bild: vom Baur)

Mehr als 200 Jahre Bandwebkunst und immer noch nicht ausgelernt – eine Beschreibung, die ohne Weiteres auf die Wuppertaler Firma J. H. vom Baur Sohn GmbH & Co. KG, Wuppertal, zutrifft. Ein wesentlicher Grund dafür ist der Einstieg in gewebte Produkte zur Verstärkung von Kunststoffen. Sie machen heute rund ein Drittel der Produktion der Firma aus.

Seit 1805 im Bereich Hutband tätig, wurden Anfang der 60er-Jahre die ersten Schritte Richtung technischer Gewebe gemacht. Zunächst waren es Filterschläuche für die Flüssigfiltration und bald danach auch Bänder und Schläuche für weitere industrielle Anwendungen. In den 80er-Jahren wurde in die Produktion von Verstärkungsgeweben für Kunststoffe eingestiegen.

Bänder und Schläuche für den Composite-Bereich werden immer spezifischer

Die zunehmende Vielfalt von Garnen am Markt bewirkt, dass die Anforderungen an die Bänder und Schläuche für den Composite-Bereich immer höher und spezifischer werden. Dabei stoßen die Bandweber immer wieder an Fertigungsgrenzen. Hier ist Kreativität und Flexibilität gefragt. Schließlich sollen nicht nur die Wünsche der Kunden erfüllt, sondern auch Ideen vorausschauend umgesetzt werden, nach denen der Markt noch nicht verlangt hat.

Das Ergebnis zeigt sich beispielsweise in der breiten Produktpallette der Firma, die zusätzlich zu klassischen Bändern und Schläuchen jetzt auch Stängel, Spiralgewebe und dreidimensionale Profile webt. Der Maschinenpark bei vom Baur lässt eine sehr breite Produktpalette zu. Er besteht aus klassischen Schiffchenwebmaschinen sowie modernen, schnelllaufenden Nadelwebmaschinen. Falls erforderlich, werden sie an das jeweilige Produkt, das gewebt werden soll, angepasst.

Verbesserung der Bauteilqualität durch Stängel statt Bündel

Damit die Ableitung der Kräfte in Composite-Bauteilen gleichmäßig verläuft, sind scharfe Ecken zu vermeiden. Um dies zu erreichen, werden eckige Winkel mit Fasern gefüllt. Das Gewebe, mit dem anschließend diese Ecke verstärkt wird, führt zu einer geschmeidigen Rundung und somit zu einer optimalen Kraftableitung. Gewebte runde Stängel (Zwickel) eignen sich für diesen Zweck besonders gut.

Sie sind weich und formbar und lassen sich leicht in Winkel und Kurven legen. Im Kern liegen die Fäden gerade, werden durch die gewebte Außenhaut zusammengehalten und vermeiden somit Ondulation. So machen diese Stängel die Produktion von Composite-Bauteilen qualitativ besser und effizienter.

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