Verstärkungstextilien

Endkonturgerechtes Weben erfordert viel Kreativität

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Dreidimensionale Form zu einem flachen Gebilde falten

Eine weitere Herausforderung war die Bindungstechnik. Dazu muss überlegt werden, auf welche Weise sich eine dreidimensionale Form zu einem flachen Gebilde falten lässt. In diesem frühen Stadium legt man fest, wo am günstigsten der Umkehrpunkt des Schussfadens positioniert werden kann, in welche Richtung die Kräfte abgeleitet werden müssen und wie das Gewebe schonend für die Fäden hergestellt wird. Je früher die Entscheidungen fallen, umso einfacher ist deren Umsetzung.

Der erste Versuch betraf ein recht einfaches Profil mit drei Flügeln. Durch die entsprechende Bindung kann das Schiffchen von Flügel zu Flügel gelenkt werden. Alle drei Seiten werden gleichmäßig mit gleicher Schuss- und Kettdichte gewebt. Günstig dabei ist auch, dass die verschiedenen Kanten der Flügel aufgrund der Schiffchentechnik gleich dick werden, keine seitliche Häkelkante bekommen und nicht ausfransen.

Der nächste Versuch beinhaltete das Weben eines Sterns mit sechs Flügeln. Das ist bindungstechnisch eine weitere Herausforderung, weil alle Lamellen gleichwertig sein sollen – in dem Sinne, dass jeder Flügel mit jedem verbunden ist. Mit einer geschickten Bindungswahl wurde diese Herausforderung gemeistert.

Kraftableitung in alle Richtungen im Gegensatz zum Nähen

Weitere gewebte Profilformen folgten, zum Beispiel T-Profile, Doppel-T-Profile und TT-Profile, Winkel, Ecken und rund gewebte Schläuche, die aus einzelnen Kammern bestehen. Zwar sind bestimmt nicht alle Formen sinnvoll, doch regen sie durchaus an, über die Lösung weiterer Probleme hinsichtlich der Geometrie nachzudenken. Das hat bereits zu konkreten Entwicklungsprojekten geführt. So steht die Entwicklung eines Omegaprofils für eine Druckkalotte kurz vor dem Abschluss. Omegaprofile eignen sich als Verstärkungsrippen.

Mit Sicherheit kann manche dreidimensionale Kontur durch Vernähen einzelner Bänder erzeugt werden. Jedoch entsteht dabei kein Gebilde, bei dem die Verstärkungsfäden in alle Richtungen zu einer Kraftableitung führen. Bei direkt gewebten Profilen ist das sehr wohl der Fall. Das Weben ermöglicht es sogar, in verschiedenen Richtungen zu unterschiedlichen Verstärkungen zu kommen. Strukturen zur Bauteilverstärkung können dadurch optimal nach den gewünschten Kräfteverhältnissen aufgebaut werden.

* Gert Laarakker ist Vertriebsleiter bei der J. H. vom Baur Sohn GmbH & Co. KG in 42369 Wuppertal-Ronsdorf.

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