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Technische Dokumentation Fehlerhafte Anleitungen waren gestern – dank Augmented Reality

Redakteur: Stefanie Michel

Die Zeiten von fehlerhaften Anleitungen sollen bald der Vergangenheit angehören. Das Forschungsprojekt „AdaptAR“ entwickelt ein Augmented-Reality-System, das den Aufwand zur Erstellung technischer Handlungsanweisungen um rund 70 % verringern und Anleitungen nutzerfreundlicher machen soll.

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Um rund 70 % soll der Aufwand zur Erstellung technischer Handlungsanweisungen verringert werden.
Um rund 70 % soll der Aufwand zur Erstellung technischer Handlungsanweisungen verringert werden.
(Bild: Andrii Symonenko/stock.adobe.com)

Technische Anleitungen und Handbücher sind vielen Anwendern ein Graus: die Antworten auf konkrete Fragen zu finden, ist umständlich, oft helfen bei Problemen erst Experten weiter. Wegen der immer höheren Variantenvielfalt ist allerdings auch der Hersteller gezwungen, Handlungsanweisungen immer wieder ergänzen zu müssen. Abhilfe soll nun ein System schaffen, das ein Projektkonsortium um das Aachener Fraunhofer-Institut für Produktionstechnologie IPT auf der Grundlage von Augmented Reality und Datenbanktechnologien entwickelt und erprobt.

Dafür wird zu jedem Produkt ein digitaler Zwilling bereitgestellt, der alle zugehörigen Auftrags-, Produkt-, Prozess- und Ressourcendaten in einer lokalen Datenbank zusammenführt. Dieser Zwilling wird während der Nutzung des Produkts mit weiteren Daten aus verbundenen IT-Systemen angereichert. So umfasst das System stets alle wichtigen Informationen zum Produkt und kann dem Anwender die jeweils zu seinem Produkt passenden Handlungsanweisungen anbieten. Ausgestattet mit Smart Glasses oder einem Tablet kann dieser sich nun direkt am Einsatzort Schritt für Schritt zu einer individuellen Lösung seines Problems leiten lassen. Das soll den Aufwand zur Erstellung technischer Handlungsanweisungen um rund 70 % verringern und Anleitungen nutzerfreundlicher machen.

Lernen durch Erfahrung – in allen Phasen des Produktlebenszyklus

Die Unternehmen, die sich als Anwender am diesem Forschungsprojekt „AdaptAR“ beteiligen, testen die Software in verschiedenen Beispielanwendungen entlang des gesamten Produktlebenszyklus – von der Montage eigener Produkte über die Inbetriebnahme und den Betrieb bei internen oder externen Kunden bis hin zur Instandhaltung und sogar zur Wiederaufbereitung.

Als Grundlage für dieses System wird eine sogenannte Smart-Service-Plattform mit einer lokalen Datenbank geschaffen, die die Daten für den digitalen Zwilling aufnimmt und verknüpft. Die individuellen Handlungsanweisungen generiert ein Softwaretool, das auf dieser Plattform aufsetzt. Ein weiteres Modul des Systems, das mit aktuellen, kommerziell erhältlichen Smart Devices zusammenarbeitet, visualisiert die Handlungsanweisungen, stellt Anleitungen in verschiedenen Sprachen bereit und steuert die sprachbasierte Interaktion mit dem Nutzer. Das Nutzerfeedback trägt in Verbindung mit einer messtechnisch gestützten Situationserkennung dazu bei, das System während des Betriebs ständig zu verbessern.

Digitale Dokumentation und Datenaufbereitung können Kosten senken

Frank Depiereux, Geschäftsführer der Fionec GmbH, erwartet deutliche Verbesserungen für die Informationsbereitstellung an seine Kunden durch die Projektergebnisse: „Wir entwickeln hochgenaue Messsysteme; da entsteht in vielen Kundenprojekten ein Unikat. Es ist sehr aufwendig, die Dokumentationskette jedes Mal neu zusammenzustellen. Und bei einer Weiterentwicklung des Systems oder einem Update unserer Software müssen alle Informationen erneut geprüft und aktualisiert werden.“

Und Daniela Dingfelder, operative Geschäftsführerin des Maschinenbauunternehmens Deguma-Schütz GmbH aus Geisa ergänzt: „Bei uns läuft schon vieles digital. Aber wir wünschen uns, dass die vielen Daten aus früheren Dokumentationen, der Aufbereitung der Maschinen, unserem Qualitätsmanagement und auch der späteren Inbetriebnahme beim Kunden in einem System zusammenlaufen könnten. Das würde enorm zur Wertschöpfung beitragen.“

Auch Arbeitnehmerrechte und Datenschutz spielen eine wichtige Rolle

Die Begleitung der Anwender durch Augmented-Reality-Werkzeuge wirft im Projekt auch rechtliche und ergonomische Fragen auf: Aus diesem Grund arbeiten die Partner eng mit der Rechtsanwaltskanzlei Reuschlaw Legal Consultants aus Berlin sowie Vertretern der IG Metall zusammen, die sowohl Datenschutz, Datensicherheit und Produkthaftung als auch Ergonomie und Akzeptanz der neuen technologischen Angebote prüfen. Als Netzwerkpartner für den Austausch mit weiteren interessierten Unternehmen beteiligt sich außerdem der Digital Hub Aachen am Forschungsprojekt.

Die Projektpartner im Forschungsprojekt:

  • Fraunhofer-Institut für Produktionstechnologie IPT, Aachen
  • Werkezugmaschinenlabor WZL der RWTH Aachen, Aachen
  • Aixtron SE, Herzogenrath
  • Deguma-Schütz GmbH, Geisa
  • Fionec GmbH, Aachen
  • Miele & Cie. KG, Gütersloh
  • Inform GmbH, Aachen
  • Oculavis GmbH, Aachen
  • EML Speech Technology GmbH, Heidelberg
  • Linguatec Sprachtechnologien GmbH, München
  • Reuschlaw Legal Consultants, Berlin
  • IG Metall, Frankfurt am Main
  • Digital Hub Aachen

Das Projekt „AdaptAR“ wird durch das Bundesministerium für Bildung und Forschung im Programm „Innovationen für die Produktion, Dienstleistung und Arbeit von morgen“ gefördert und vom Projektträger Karlsruhe betreut. Die Projektlaufzeit ist vom 1. Juni 2020 bis zum 31. Mai 2023.

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