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Mobile Roboter Flotte mobiler Roboter sorgen für eine schlanke Produktion

| Autor / Redakteur: Henrik Vesterlund Sørensen / Mag. Victoria Sonnenberg

In der Fertigung im britischen Poole automatisieren drei autonome mobile Roboter den Warentransport zwischen den Produktionslinien und dem Lager.

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Bei Honeywell Analytics sorgen drei MiR100 dafür, dass die Belegschaft von monotonen Trans- portaufgaben entlastet wird. Dadurch können die Mitarbeiter wieder gezielt an den Produktionslinien arbeiten.
Bei Honeywell Analytics sorgen drei MiR100 dafür, dass die Belegschaft von monotonen Trans- portaufgaben entlastet wird. Dadurch können die Mitarbeiter wieder gezielt an den Produktionslinien arbeiten.
(Bild: MiR)

Viele Fertigungsunternehmen sind mit dem Lean-Prinzip gut vertraut: Mit einem scharfen Blick für Details identifizieren sie jede Art von Verschwendung entlang der Wertschöpfungskette, um eine schlanke Produktion zu realisieren – so auch Honeywell Analytics.

Um wettbewerbsfähig zu bleiben, hält der Hersteller von Gasüberwachungsprodukten seine Fertigung möglichst effizient und flexibel. Entscheidend sei dabei die Fähigkeit, Prozesse jederzeit einfach anpassen zu können, weiß Stuart Harris, Leiter der Fertigungs- und Konstruktionstechnik bei Honeywell Analytics: „Dazu gehört auch, dass wir unsere Produktionslinien ohne Probleme umstellen können, wenn das zur Optimierung beiträgt.“ Gerade für solche Maßnahmen greift das Unternehmen in der Fertigung schon länger auf Robotertechnologien zurück. Rohmaterialien und Baugruppen wurden bislang jedoch noch von Mitarbeitern manuell auf Wagen durch den 91.000 m² großen Standort geschoben.

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Automatisierung der Intralogistik

Das Werk ist auf zwei Etagen aufgeteilt, das Lager auf dem einen und die Fertigung auf dem anderen Stockwerk. Die Beförderung von Materialien zwischen den Produktionslinien und dem Lager erfordert nicht nur das Steuern von Aufzügen, sondern auch das Navigieren durch schmale Flure und doppelte Brandschutztüren. Diese spezielle Beschaffenheit des Werks gestaltete die Umsetzung einer Automatisierungslösung besonders anspruchsvoll.

Weil der Hersteller somit wertvolle Kapazitäten seiner qualifizierten Mitarbeiter für monotone und belastende Transporttätigkeiten einbüßte, kamen die mobilen Roboter von Mobile Industrial Robots genau rechtzeitig. Timothy Ward, Konstrukteur bei Honeywell Analytics, hatte verschiedene Technologien zur Automatisierung des internen Warentransports angesehen und bewertet. Die MiR-Roboter passten schließlich am besten zu den Anforderungen im Werk. „Bei der Auswahl mobiler Roboter haben uns die Produkte von Mobile Industrial Robots sofort durch ihre Fähigkeit überzeugt, Aufzüge autonom steuern zu können. Das war bei unserer Entscheidung ein ausschlaggebendes Merkmal“, erklärt er. Über eine Bluetooth-Verbindung können die mobilen Helfer selbstständig Türen und Tore öffnen sowie über WLAN auf die Steuerung von Aufzugsystemen zugreifen und so in diese ein- und aus ihnen aussteigen.

Auch den Anforderungen des Lean-Prinzips sowie der modularen und hochflexiblen Produktionslinien waren die MiR-Roboter gewachsen. „Viele der von uns in Erwägung gezogenen Lösungen hätten nur festgelegten Linien und Produktionslayouts folgen können. Das ist für unsere Fertigung viel zu starr“, erläutert Ward. Anders als herkömmliche Transportsysteme bewegen sich die mobilen Roboter von MiR mittels intelligenter Sensortechnologie und Software selbstständig und dynamisch. Ihre Navigation erfordert keine physisch angebrachten Linien oder Schienen, wodurch sie sich flexibel an wechselnden Produktionslayouts einsetzen lassen. Außerdem agieren sie auch in unbekannter Umgebung absolut sicher und kollisionsfrei. Stellen etwa Menschen, Kabel oder Boxen unvorhersehbare Hindernisse für den MiR-Roboter dar, kann dieser in Echtzeit ausweichen oder bei Bedarf stoppen.

Nach nur zehn Minuten einsatzbereit

Vor der Anschaffung der ersten mobilen Roboter wandte sich Ward an den britischen MiR-Vertriebs- partner Robocenter. Der stellte Honeywell Analytics ein MiR-Vorführmodell zur Verfügung. Schnell erkannte das Unternehmen daran die Vorteile der mobilen Technologie wie auch ihre einfache Inbetriebnahme und intuitive Programmierung. Bereits zehn Minuten nach dem Auspacken, war der MiR-Roboter betriebsbereit. „Wir haben den Roboter einfach aus der Kiste genommen, über WLAN mit dem Telefon verbunden und schon konnte er losfahren, die Umgebung kartieren und erste Aufträge ausführen. Das war ganz einfach“, zeigt sich Ward begeistert. Seither sind im britischen Werk von Honeywell Analytics drei MiR-Roboter des Modells MiR100, das nach seiner Nutzlast in Kilogramm benannt ist, im Einsatz. Bei der Logistiktätigkeit der mobilen Helfer handelt es sich vornehmlich um das manuelle Schieben von Wagen ausgehend von der Werkshalle in der oberen Etage bis zum Lager unten.

Um die mobilen Roboter in der dynamischen Umgebung zu handeln, nutzt Honeywell Analytics die Steuerungssoftware MiRFleet. Sie weist den Robotern Aufgaben zu und ermöglicht einen effizienten Betrieb. Harris erklärt: „Mit dem System zum Flottenmanagement sorgen wir dafür, dass sich die Roboter an bestimmten Stellen nicht in die Quere kommen, etwa auf unseren schmalen Fluren.“ Zusätzlichen Mehrwert bietet die Software durch die Möglichkeit, den Befehlsverlauf der Roboter abzurufen. Harris: „Mithilfe von MiRFleet können wir jederzeit sehen, welche Art von Transportaufgabe der MiR-Roboter gerade ausführt. So sind wir etwa in der Lage, Prozesse flexibel umzuleiten.“ Ein weiterer wichtiger Punkt für Ward und sein Team war die Benutzerfreundlichkeit. Durch die intuitive, webbasierte Benutzeroberfläche der MiR-Roboter kann jeder Mitarbeiter schnell lernen, mit ihnen umzugehen. Bei Honeywell Analytics genügten dafür nur ein paar Klicks, bestätigt Ward. Spezialisierte Roboter- oder IT-Fachkräfte sind nicht nötig.

Das Unternehmen hat die neuen Roboterkollegen in ein bestehendes System zum Personalmanagement integriert und dort eine Schaltfläche so programmiert, dass die Roboter ganz einfach gerufen werden können. Sobald das passiert, fährt der MiR zur entsprechenden Produktionslinie und wartet dann lediglich noch auf eine weitere Eingabe des Mitarbeiters. Dieser holt das Material, platziert es auf dem MiR und erstellt einen neuen Auftrag, um ihn etwa ins Lager zu schicken.

Kontinuierlicher Einsatz

Somit tragen die drei MiR-Roboter entscheidend zur schlanken Produktion bei. Sie befreien vielseitig qualifizierte Mitarbeiter von geringwertigen Transportaufgaben und schaffen Zeit für anspruchsvollere Tätigkeiten. Das sorgt für eine effizientere Auslastung der Personalressourcen – ganz nach dem Lean-Prinzip. „Durch die MiR-Roboter können wir heute sechs Vollzeitkräfte wieder direkt an unseren Fertigungslinien einsetzen. Dort helfen sie gezielt, unsere Produkte zu optimieren“, erklärt Ward. Zusätzlich konnte durch die Roboterkollegen ein Engpass in der Serviceabteilung beseitigt werden. Denn das Team dort besteht nur aus wenigen Mitarbeitern, die Lieferungen zu jeder Tageszeit schnell ausführen müssen. „Früher musste die Belegschaft ständig in das Lager gehen, um Waren abzuholen. Dadurch verloren sie wertvolle Zeit im Service. Nun übernehmen die Roboter die Beschaffung der Geräte und der lästige Transportweg entfällt für die Servicekräfte“, erklärt Ward.

Die heutige Entlastung der Mitarbeiter geht mit einer besseren Ausschöpfung der Kapazitäten einher. Die resultierenden Vorteile sind für Harris eindeutig: „Wir können die MiR-Roboter kontinuierlich einsetzen. Sie erledigen ihre Transporte auch in der Mittagszeit oder anderen Pausen. Sie arbeiten schon, bevor man überhaupt ins Werk kommt, oder auch noch nach Feierabend. Die Effizienzsteigerung ist nahezu unglaublich.“ Bei Honeywell Analytics müssen sich Investitionen für gewöhnlich innerhalb von zwei Jahren amortisieren. Bei den MiR-Robotern besteht kein Zweifel, dass das klappen wird. Die überschaubaren Investitionskosten und die einfache Implementierung sowie Bedienung, die keine externen Dienstleister erfordern, machen das möglich. Der bisherige Einsatz der drei MiR100 ist damit bereits ein Erfolg. Mittelfristig soll das Potenzial der Technologie noch weiter ausgeschöpft werden. „Durch Mobile Industrial Robots möchten wir unsere Effizienz stetig steigern und auch in den nächsten Jahren in neue Roboter investieren. Auf diese Weise wollen wir unsere Mitarbeiter weiter entlasten und als Unternehmen flexibel bleiben“, blickt Ward positiv in die Zukunft.

* Henrik Vesterlund Sørensen ist Area Sales Manager DACH & Benelux bei Mobile Industrial Robots ApS in 5220 Odense SØ (Dänemark), Tel. (00 45-20) 37 75 77, mail@mir-robots.com

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