Hannover Messe 2019

Fluidtechnik ist fit für Industrie 4.0

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Mehr Intelligenz schafft neue Geschäftsmodelle

Schon 2017 hatte Aventics mit dem „Smart Pneumatics Monitor“ (SPM) auf der Hannover Messe ein Überwachungssystem zum „Gesundheitszustand“ des Pneumatiksystems vorgestellt. Dazu werden in der Anlage vorhandene Sensoren genutzt und deren Informationen ausgewertet. Indem die Belastung überwacht wird, lässt sich der aktuelle Zustand des Stoßdämpfers bestimmen, und Verschleiß wird frühzeitig erkannt. Die Informationen werden dem Nutzer dann über standardisierte Datenprotokolle, wie zum Beispiel OPC UA, zur Verfügung gestellt.

Inzwischen gehört das Unternehmen zum amerikanischen Konzern Emerson und wird als „Emerson Fluid Control & Pneumatics“ die Themen „Industrial Internet of Things (IIoT)“ und „pneumatische Regelungstechnik“ vorstellen. Dr. Peter Saffe, Vice President Strategic Sales, verspricht: „Wir zeigen, dass smarte Lösungen nicht nur High-End-Technologie bedeuten müssen.“ Details zu den Exponaten wollte das Unternehmen aus Laatzen noch nicht nennen. Dr. Saffe verriet nur so viel: „Wir machen mit diesem Auftritt deutlich, dass wir nun Teil einer großen Unternehmensgruppe sind, von der die Kunden Vorteile haben.“

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In der Pneumatik hat auch Festo das Thema Digitalisierung aufgegriffen und das „digitale Ventil“ auf den Markt gebracht. Mit dem Festo Motion Terminal steht eine Plattform zur Verfügung, die die Funktionen von über 50 Einzelkomponenten vereint. Das soll den Engineeringprozess vereinfachen und zahlreiche Hardware-Komponenten einsparen. Projektleiterin Dr. Julia Duwe, Head of Future Motion Solutions Management, erläutert: „Technologisch gesehen ist diese neuartige Plattform eine Verschmelzung von Mechanik, Elektronik, Regelungstechnik und Software. Der Kunde hat durch Auswahl verschiedener Motion Apps sowohl die Möglichkeit, den Zustand seiner Anlage in Echtzeit zu erfassen, als auch die Funktionalität zu verändern und sich somit flexibel auf die Wünsche seiner Kunden einzustellen.“ Diese Motion Apps steuern eine einzige Hardware und können damit laut Festo über 50 Einzelkomponenten ersetzen. Damit lassen sich erstmals pneumatische Funktionen wechseln, ohne dass die Hardware verändert werden muss.

Wofür mehr Intelligenz in der Fluidtechnik sinnvoll ist

Auf der diesjährigen Hannover Messe werden also zahlreiche Konzepte und Produkte für mehr Intelligenz in der Fluidtechnik zu sehen sein. Doch wofür ist diese Intelligenz eigentlich nötig?

Christian Ziegler, Manager Marketing, Communication & Digitalization beim Pneumatik-Spezialisten SMC, hat eine einfache Erklärung: „Die Anwendungen unserer Kunden werden immer komplexer. ‚Smarte’ Lösungen spielen deshalb eine zunehmend größere Rolle wenn es darum geht, Anlagen effizient und produktiv zu machen.“ Die „Intelligenz“ der Produkte liege im Zuge der Digitalisierung im Kern ihrer Entwicklung. „Deshalb haben wir beispielsweise eine Ventilinsel mit integriertem Feldbusknoten für die drahtlose Datenübertragung im Portfolio“, so Ziegler weiter.

Um Komponenten zu vernetzten, ist IO-Link als offene Schnittstelle sehr wichtig. Einerseits lassen sich die Daten, die darüber kommuniziert werden, optimal für Predictive Maintenance verwenden. Andererseits ist die flexible Parametrierung aus der Ferne praktisch und steigert die Produktivität, auch für ältere Maschinen.

Der offene Standard IO-Link für die Vernetzung Das serielles Kommunikationsprotokoll IO-Link ermöglicht den bidirektionalen Austausch von Daten zwischen Sensoren und Geräten, die an eine Master-Einheit angeschlossen sind. Mit geringen Anschlusskosten und niedrigem Engineeringaufwand lassen sich somit auch Komponenten aus der Fluidtechnik vernetzen, um Diagnosefunktionen bereitstellen zu können.

Weitere Informationen dazu bieten sowohl Bosch Rexroth als auch SMC an: Hydraulik und IO-Link
Von IO-Link profitieren

Predictive Maintenance: Kernelement in der Industrie-4.0-Umgebung

Ein erster und sehr wichtiger Einsatzbereich ist Predictive Maintenance, denn hier zeigen sich schnell die Vorteile: Verringerte Maschinenstillstandszeiten, und geringere Kosten können je nach Anwendung den Invest in überschaubarer Zeit amortisieren. Der Fachverband Fluidtechnik im VDMA hatte sich bereits früh des Themas angenommen und im Rahmen der Sonderschau „Predictive Maintenance 4.0“ ab 2016 auf der Hannover Messe Ideen und konkrete Lösungen von verschiedenen Unternehmen präsentiert. Peter-Michael Synek, stellvertretender Geschäftsführer des Fachverband Fluidtechnik, betonte schon damals, dass Predictive Maintenance ein Kernelement in der Industrie-4.0-Umgebung ist.

Außerdem können sich aus Digitalisierungsprojekten neue Geschäftsmodelle entwickeln: Kaeser Kompressoren bietet beispielsweise Druckluft als Service an. Das lässt sich allerdings nur gewährleisten, wenn intelligente Komponenten, eine Anlagenüberwachung mit Echtzeit-Datenauswertung und ein funktionierendes Predictive-Maintenance-Konzept zusammenspielen.

Bei allen sich bietenden Möglichkeiten muss man jedoch als Anwender überlegen, wie viel Intelligenz tatsächlich sinnvoll ist. Deren Integration bedarf eines hohen Softwareaufwands, der entsprechend teuer ist. Ähnlich sieht das Christian H. Kienzle, CEO von Argo-Hytos und Vorsitzender des Vorstands Fachverband Fluidtechnik im VDMA. Er mahnt zur Vorsicht, dass bei der Automatisierung die Lizenzkosten für die nötige Software nicht den Effizienzgewinn auffressen. Dennoch hat die Entwicklung hin zu mehr Intelligenz für ihn eine große Bedeutung: „Für Industrie-4.0-Anwendungen und Prozesse sind intelligente Komponenten und Systeme der Fluidtechnik wichtige Enabler für smarte und effiziente Produktionsprozesse, vernetzte Services und neue Geschäftsmodelle, wie beispielsweise Predictive Maintenance.“

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Über den Autor

 Stefanie Michel

Stefanie Michel

Journalist, MM MaschinenMarkt