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Herstellern von Stahlrohren droht Wachstumsdelle

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2015 konnte der Stahlrohrmarkt die Richtigkeit solcher Prognosen freilich nicht bestätigen. Nach einem schwachen ersten Halbjahr entwickelte sich der globale Stahlrohrmarkt nämlich auch im dritten Quartal 2015 insgesamt eher verhalten. So zumindest beurteilt die Salzgitter AG in ihrem Zwischenbericht zu den ersten drei Quartalen 2015 die Lage.

Schwache Ölpreise belasteten 2015 die Stahlrohrbranche

Ein Grund dafür waren unter anderem die Rohölpreise, die nach einer zwischenzeitlichen Erholungsphase letztendlich wieder nachgaben. Als Folge davon blieb die für die Branche wichtige Explorationstätigkeit schwach. Betroffen davon waren vor allem die Hersteller nahtloser Stahlrohre, die beispielsweise Produktionseinbrüche in Nordamerika von bis zu 40 % zu verkraften hatten. Aber auch in den Ländern der Europäischen Union und in Deutschland waren deutlich Rückgänge zu verzeichnen.

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In den anderen Segmenten verlief die wirtschaftliche Entwicklung dagegen erfreulicher. Im Bereich der geschweißten Stahlrohre bis 406 mm Außendurchmesser konnten die Hersteller die Produktion leicht erhöhen. Auch die Hersteller von Großrohren (über 406 mm Außendurchmesser) verzeichneten Zuwächse. Dies galt besonders für Nordamerika, Russland und China, während die Produktionszahlen in der EU nur geringfügig über dem sehr niedrigen Vorjahresniveau lagen.

Die deutschen Hersteller konnten von der Aufhebung der Suspendierung des ersten Stranges des Pipelineprojekts im Schwarzen Meer (die ehemalige South-Stream-Pipeline, jetzt Turk-Stream) profitieren. Die Nachfrage nach Präzisionsstahlrohren wiederum zeigte sich nach Angaben der Salzgitter AG weiterhin gestützt von der Automobilindustrie sowohl in der EU als auch in Deutschland zufriedenstellend.

Insgesamt lagen Auftragseingang und -bestand von Salzgitter im Geschäftsbereich Energie, der die Rohraktivitäten des Konzerns bündelt, in den ersten neun Monaten 2015 aber in allen Produktbereichen niedriger als im Vorjahreszeitraum. So wurden wegen des anhaltenden niedrigen Ölpreises Projekte zur Gas- und Ölexploration weltweit verschoben oder sogar aufgegeben.

Neue Produktionskapazitäten in Asien verstärken den Preisdruck bei Stahlrohren

Die verringerte Nachfrage führt durch die neuen Produktionskapazitäten insbesondere in Asien zu einem verstärkten Preisdruck. Von dieser Entwicklung betroffen ist auch der Bereich der HFI- und spiralnahtgeschweißten Rohre, der in den ersten drei Quartalen einen im Vergleich zum Vorjahr spürbar niedrigeren Auftragseingang und -bestand verzeichnete. Der Präzisrohrmarkt konnte dagegen in den ersten neun Monaten 2015 vom guten Auftragsvolumen der deutschen Automobilhersteller profitieren.

Nach der Schwäche des europäischen Großrohrmarktes über weite Strecken des Jahres 2015 konnte sich zumindest die Beschäftigungssituation einiger Werke in Deutschland wieder verbessern. Dazu trug die erneut aufgenommene Produktion für das Pipelineprojekt im Schwarzen Meer ebenso bei wie der Auftrag für die Trans Adriatic Pipeline (TAP) und die weiterhin positive Lage in Nordamerika.

Der Salzgitter-Konzern bekam den Zuschlag für 270 km Großrohre und 1559 Rohrbögen für den Bau der Trans-Adria-Pipeline, die nach Fertigstellung Erdgas aus dem kaspischen Raum nach Europa transportieren soll. Für die Zukunft rechnet man bei Salzgitter im Präzisrohrsegment mit einer anhaltend stabilen Nachfrage der Automobilhersteller. Im Bereich der nahtlosen Edelstahlrohre prognostiziert das Unternehmen als Folge des niedrigen Ölpreises dagegen Resultate unterhalb des Niveaus des Geschäftsjahres 2014.

„Die Stahlindustrie befindet sich weltweit in einer Krise, der sich auch die Stahlindustrie in Deutschland nicht entziehen kann“, mahnt Hans Jürgen Kerkhoff, Präsident der Wirtschaftsvereinigung Stahl in Düsseldorf. Allerdings räumte er auch ein, dass die „schwachen Konjunkturdaten für die Stahlindustrie im Kontrast zu den Perspektiven der großen stahlabnehmenden Branchen stehen“.

Stahlrohrhersteller erwarten Impulse vor allem bei den Großrohren

Demnach zeichnen nicht nur die Stimmungsindikatoren für die meisten Kundenbranchen weiterhin ein positives Bild. Auch die Prognosen für die wichtigsten Stahlverarbeiter würden zuversichtlich stimmen. Zuwächse erwarte man im kommenden Jahr in der deutschen Automobilindustrie ebenso wie in der Bauindustrie. Im Maschinen- und Anlagenbau seien Anzeichen für eine gewisse Stabilisierung zu sehen. Kerkhoff erwartet weiter: „Bei den Stahlrohren dürften Impulse vor allem aus dem Bereich der Großrohre kommen“. In Summe werde die Erzeugung bei den Verarbeitern leicht zulegen und der Stahlbedarf sich in etwa seitwärts bewegen.

Die Chancen stehen demnach laut Messe Düsseldorf recht gut, dass sich 2016 die Stahlrohrindustrie besser entwickelt als die Stahlindustrie und die kommende Internationale Rohrfachmesse Tube in einem für sie wirtschaftlich positiven Umfeld stattfindet. Die nächste Leitmesse der Rohrbranche wird vom 4. bis 8. April 2016 auf dem Düsseldorfer Messegelände veranstaltet.

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 Stéphane Itasse

Stéphane Itasse

, MM MaschinenMarkt