Energiebeschaffung Wenn bei Hitzeflaute der Industrie hohe Preisspitzen drohen

Quelle: Pressemitteilung Scholt Energy 3 min Lesedauer

Hohe Temperaturen und wenig Wind sorgen dafür, dass die Strompreise an lauen Sommerabenden ungewöhnlich hoch sind. Gleichzeitig wird wegen Kühlung aber viel Strom benötigt. Scholt Energy erklärt, wie Industrieunternehmen darauf reagieren können.

Treffen sommerliche Hitzeperioden auf Windarmut, steigen die Strompreise am Abend rasant an. Gerade Industriebetriebe mit Schichtbetrieb brauchen dann eine Lösung.(Bild:  frei lizenziert / Albrecht Fietz /  Pixabay)
Treffen sommerliche Hitzeperioden auf Windarmut, steigen die Strompreise am Abend rasant an. Gerade Industriebetriebe mit Schichtbetrieb brauchen dann eine Lösung.
(Bild: frei lizenziert / Albrecht Fietz / Pixabay)

Der europäische Day-Ahead-Markt – der zentrale kurzfristige Handelsplatz für Strom in Europa – steht im Zeichen einer „Hitzeflaute“: Eine deutlich erhöhte Stromnachfrage trifft auf eine schwache Windstromerzeugung. Wie der unabhängige Energiedienstleister Scholt Energy berichtet, drohen der Industrie daraus hohe Preisspitzen. Aufgrund des Zusammenwirkens mehrerer Faktoren schießen die Preise mit dem Wegfall der abendlichen PV-Erzeugungsleistung erheblich in die Höhe – laut Handelsblatt letzte Woche auf knapp 750 Euro/MWh.

„Während die Solarstromeinspeisung derzeit tagsüber zeitweise für sehr niedrige oder sogar negative Preise sorgt, schießen die Strompreise in den Abendstunden in die Höhe. Besonders betroffen sind etwa Industrieunternehmen im Schichtbetrieb, die Foodbranche, das Gastgewerbe und die Hotellerie: Für sie bringen die Schwankungen bei dynamischen Tarifen erhebliche finanzielle Risiken mit sich. Mit adäquaten Werkzeugen und einer flexiblen Strategie kann die Industrie jedoch gegensteuern – und sogar von der Entwicklung profitieren“, sagt Patrick Schöwe, Pressesprecher bei der Scholt Energy GmbH.

Die Hitzeflaute beschreibt laut Scholt Energy ein volatiles Marktumfeld. So treiben der verstärkte Einsatz von Klimaanlagen und der steigende Kühlbedarf den Verbrauch massiv nach oben. Sobald am Abend die Sonne untergeht und die Photovoltaik-Leistung wegbricht, müssen teure konventionelle Gas- und Kohlekraftwerke einspringen – und auch das Defizit durch fehlenden Wind ausgleichen. Gleichzeitig erschweren hohe Temperaturen die Kühlung vieler Kraftwerke. Erwärmte Flüsse und Umweltauflagen zur Flusswassertemperatur können dazu führen, dass Kraftwerke ihre Leistung drosseln müssen.

Was ist eine Hitzeflaute?

Als Hitzeflaute wird eine Wetterlage bezeichnet, bei der hohe Temperaturen auf wenig Wind treffen. Sie ist damit das sommerliche Gegenstück zur bekannten Dunkelflaute: Während bei einer Dunkelflaute Wind- und Solarstrom gleichzeitig knapp sind, sorgt bei einer Hitzeflaute vor allem die Kombination aus hoher Stromnachfrage und geringer Windstromerzeugung für Druck am Markt.
Tagsüber kann eine hohe Solarstromproduktion die Preise oft noch dämpfen. Kritisch wird es jedoch am Abend: Die Sonne geht unter, die Solarproduktion fällt weg und bei gleichzeitig schwachem Wind müssen häufig konventionelle Kraftwerke einspringen. Da Gas- und Kohlekraftwerke häufig höhere Grenzkosten haben und in solchen Stunden preissetzend sind, können die Strompreise innerhalb weniger Stunden deutlich steigen.

Strategische Handlungsempfehlungen für Unternehmen

Um eine Kostenexplosion zu vermeiden, empfiehlt Scholt Energy der Industrie in dieser Situation ein Bündel aus strategischen Maßnahmen, die gleichzeitig auch zur Stabilisierung der Netze beitragen:

  • 1. Spot- und Terminmarkt kombinieren: Die intelligente Kombination aus Spotmarkt- und Terminmarkt-Einkauf (Future-Beschaffung) dämpft die Volatilität und sichert Budgets langfristig ab. Gleichzeitig sorgt dynamisches Sourcing dafür, dass Unternehmen von den extrem günstigen oder negativen Strompreisen während der sonnenreichen Mittagsstunden profitieren. Damit können sie ihre Kosten unter dem Strich sogar senken.
  • 2. Gezielte Lastverschiebung (Load Shifting): Energieintensive Prozesse sollten systematisch aus den kritischen Abendstunden (insbesondere zwischen 19:00 und 22:00 Uhr) in die günstigen Mittagsstunden verlagert werden.
  • 3. Thermische Speicher aktivieren: Kühlhäuser, Produktionsprozesse oder Gebäudekühlungen können in den Mittagsstunden mit günstigem Strom „vorgekühlt“ werden, um den Verbrauch in den Hochpreisphasen zu minimieren.
  • 4. Einsatz von Batteriespeichern: Gewerbliche Batteriespeicher ermöglichen es, preiswerten Mittagsstrom zwischenzuspeichern und in den teuren Abendstunden selbst zu nutzen, was Lastspitzen effektiv glättet.
  • 5. Einbindung von Wetter- und Marktprognosen: Da Hitzeflauten meteorologisch präzise vorhersagbar sind, schützt eine kurzfristige Ausrichtung des Betriebs an Marktanalysen vor teuren Überraschungen.

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(Bild: VCG)

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