Getränke- / Nahrungsmittel- / Verpackungsindustrie Hygiene-Gehäuse für die Nahrungs- und Genussmittel-Industrie

Autor / Redakteur: Heinz Schmitt / Dipl.-Ing. (FH) Reinhold Schäfer

Bei der Auswahl von Schaltschränken für die Lebensmittelindustrie gilt es, die besonderen Bedingungen der Branche zu beachten. Gefordert sind Schaltschränke und Bedienpanels, die Bakterien und anderen schädlichen Mikroorganismen den Kampf ansagen, sich leicht reinigen lassen und das Risiko von unerwünschter Kreuzkontamination minimieren.

Anbieter zum Thema

Mit der neuen „Hygienic Design“-(HD)-Produktlinie, die im April auf der Hannover-Messe vorgestellt wurde und ab Herbst lieferbar ist, hat Rittal gezielt auf die spezifischen Anforderungen des Food-Sektors reagiert und eine bis ins Detail hygienetechnisch ausgefeilte Serie von Schaltschränken und Bedienpanels geschaffen. Konzipiert sind diese Systeme vor allem für Einsätze bei der Food-Herstellung mit offenen Prozessen, wie sie etwa bei der Fleisch-, Fisch- oder Milchverarbeitung an der Tagesordnung sind.

Offene Prozesse bilden hygienetechnische Herausforderungen. Anders etwa als bei Brauereien, wo Kessel und geschlossene Rohrleitungen die Produktion bestimmen, können die Lebensmittel bei offenen Prozessen direkt und indirekt auch mit der Peripherie in Berührung kommen. Als Verursacher für mögliche Kreuzkontamination kommen nicht zuletzt die Menschen in Frage, die unmittelbaren Kontakt zu den hergestellten Lebensmitteln und den Maschinen, Bedienpanels oder Schaltschränken haben.

Mit der neuen HD-Produktlinie hat der Herborner Schaltschrank-Spezialist vor allem möglichen Bakterien und anderen schädlichen Mikroorganismen den Kampf angesagt. Konsequent und bis ins letzte Detail wurden dabei nicht nur die eigentlichen Gehäuse, sondern auch der gesamte Zubehör-Baukasten auf Hygiene getrimmt. Anschauliches Beispiel ist die hygienegerechte Kabelverschraubung (Bild 1), die Rittal als weltweit erster Anbieter auf der Hannover-Messe 2007 vorgestellt hat – und die Teil des innovativen HD-Lösungsbaukastens ist. Zum Einsatz kommen bei der neuen HD-Familie ausschließlich Gehäuse und Bedienpanels aus Edelstahl (Bild 2). Denn Edelstahl hat beste Oberflächeneigenschaften und lässt sich schnell und sicher reinigen und desinfizieren.

Für Bakterien bleibt kein Platz mehr

Gezielt eliminiert wurden etwa Spalten oder außen liegende Scharniere (Bild 3), in denen sich Bakterien oder andere Mikroorganismen festsetzen können. Sämtliche Komponenten des HD-Baukastens – bis hin zu winzigen Anbauteilen wie Nivellierfüßen – wurden auf extreme Hygiene ausgelegt. Bei den Nivellierfüßen etwa liegen die Gewinde innen, sodass sie nach der Installation vollständig verschraubt und damit verschwunden sind.

Beste Zugänglichkeit bei der Reinigung ist ein Aspekt, der bei der Konstruktion der HD-Serie ganz oben stand. Verwirklicht wurde diese Vorgabe mit speziellen Abstandshaltern für die Wandbefestigung sowie Untergestellen, die eine einfache und hygienetechnisch optimale Kabelzuführung und -abbindung ermöglichen. Der Launch des neuen HD-Baukastens geht Schritt für Schritt über die Bühne. Zum Start werden zunächst die hygienetechnisch neu entwickelten Wandgehäuse aus Edelstahl in den Maßen (B × H × T) 200 mm × 300 mm × 155 mm bis 600 mm × 1200 mm × 300 mm gefertigt. Diese decken eine Vielzahl von Anwendungen ab.

Die größeren HD-Gehäuse können wahlweise auch am Boden installiert werden. Dafür gibt es entsprechende Untergestelle. Der Vorteil für den Anwender: Beim Innenausbau der HD-Gehäuse lassen sich die Montageplatten der bekannten AE-Kompaktschrank-Serie nutzen. Dies erleichtert den E-Planern beziehungsweise den Monteuren die Arbeit. Egal, ob sie die Montageplatte in einem regulären AE-Schrank oder einem der neuen Hygiene-Gehäuse nutzen – es ist kein Neuprojektieren erforderlich.

Schräge Dachkonstruktion bei HD-Gehäusen

Dass es sich bei den HD-Lösungen tatsächlich um eine Innovation handelt, unterstreicht nicht zuletzt die schräge Dachkonstruktion, wie in Bild 2 ersichtlich. Entsprechend der Vorgaben der EHEDG – der European Hygienic Engineering & Design Group, die einen Zusammenschluss von Industrie und Forschung bildet und die Hygiene bei der Verarbeitung und Verpackung von Lebensmitteln im Visier hat – gibt es die neuen HD-Wandgehäuse ab Werk mit schrägem Dach – und zwar mit einer Neigung von 30°.

Für das schräge Dach sprechen gleich mehrere Gründe: Auf dem Gehäuse soll sich nichts abstellen lassen, die Fläche ist optimal einsehbar und Flüssigkeiten sollen – auch beim Reinigen – schnell und sicher ablaufen. Auch bei den Abstandshaltern für die HD-Wandbefestigung hat sich Rittal an den EHEDG-Vorgaben orientiert: Wahlweise gibt es sie mit den empfohlenen 300 mm oder als Variante mit weniger Abstand, die von vielen Anwendern favorisiert wird. Neue Wege wurden auch bei der Abdichtung (Bild 4) beschritten: Statt Polyurethan kommt Silikon zum Einsatz. Es ist noch beständiger gegen Säure, Laugen und Reinigungsmittel aller Art. Sämtliche Dichtungen sind in blau ausgeführt. Dies ist eine Signalfarbe im Food-Bereich – und zugleich ein Markenzeichen der neuen HD-Serie.

Vorkonfektionierte Kabel mit Stecker bei HD-Gehäusen leicht einführbar

Bei Bedarf lassen sich die kompakten HD-Schränke auch als Bediengehäuse mit einem besonders stabilen Edelstahl-Tragarm aufbauen. Der große Durchmesser (70 mm) ermöglicht die leichte Einführung vorkonfektionierter Kabel mit Stecker. Die Verbindungselemente des Tragarms haben außen keinerlei Befestigungselemente oder scharfkantige Übergänge. In Verbindung mit speziellen außen liegenden Dichtungen schafft das System optimale hygienische Voraussetzungen.

International Food Standard (IFS): Auswirkungen auf die Beurteilung von Anlagen und Schaltschränken

Die Version 5 des International Food Standards ist seit August 2007 auf dem Markt. Der international harmonisierte Standard legt zukünftig noch mehr Wert auf die Beherrschung von Prozessen in Produktionsbetrieben. Dabei wurden unter anderem die Anforderungen an Hygiene deutlich erhöht.

Um einen einheitlichen Lebensmittelstandard zu erstellen, haben der Hauptverband des Deutschen Einzelhandels (HDE) und die französische Fédération des Entreprises du Commerce et de la Distribution (FCD) den International Food Standard, einen weltweiten Maßstab für Qualität und Lebensmittel-Sicherheit, entwickelt.

Heinz Schmitt ist Branchenmanager Nahrungs- und Genussmittel bei der Rittal GmbH & Co. KG in 35745 Herborn, Tel. (02772) 505-0, Fax (02772) 505-23 19, info@rittal.de

Artikelfiles und Artikellinks

(ID:226759)