Komplettbearbeitung In kurzer Zeit zum Zerspanungsexperten für Sonderlegierungen

Redakteur: Mag. Victoria Sonnenberg

Die Edelstahl WM GmbH ist 2011 aus einem Hobby heraus geboren. Seitdem hat man sich als Zerspaner höher legierter Materialien etabliert. Mit einer neuen Komplettbearbeitungsmaschine von WFL fokussiert man sich nun auch auf komplexe Teile.

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Seit 2011 produziert das Unternehmen Werkstücke aus Sonderlegierungen wie V4A-Sorten, Duplex, Superduplex etc.
Seit 2011 produziert das Unternehmen Werkstücke aus Sonderlegierungen wie V4A-Sorten, Duplex, Superduplex etc.
(Bild: WFL Millturn)

In Wiesenfelden, Bayern, befindet sich die Anfang 2020 neu errichtete Produktionshalle der Edelstahl WM GmbH. Ausgestattet für das Drehen, Fräsen, Schweißen, Schleifen bis hin zum Messen setzt man mit der neuen M35 Millturn den Fokus verstärkt auf komplexe Teile.

Alles begann im Mai 2011. Als Ausgleich zur Büroarbeit, beschaffte sich Waldemar Maul eine Drehmaschine und startete in der hauseigenen Garage in Kelheim mit der Fertigung von Drehteilen. Schon bald entstand daraus ein Einzelunternehmen im Nebenerwerb. Die ersten Kundenkontakte kamen aus der damaligen hauptberuflichen Tätigkeit als Industriemeister mit Fachrichtung Metall und beruhten auf der Erstausbildung als Industriemechaniker mit Schwerpunkt Betriebstechnik. Es erfolgte zum Teil kundenseitig eine Auslagerung der Dreh- und Fräsarbeiten. So konnten die Kunden in diesem Bereich mit der Herstellung hochqualitativer Produkte aus Edelstahl unterstützt werden.

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Die geschaffene Basis im Jahr 2012 führte zu steigenden Umsätzen in den Jahren 2013 und 2014. „Wir konnten unsere Kunden sehr schnell mit hoher Qualität und Termintreue überzeugen sowie dadurch feste Kundenbeziehungen aufbauen“, berichtet Anna Maul. Ein Jahr darauf kam es schließlich zum Wechsel der Rechtsform vom Einzelunternehmen zur GmbH.

Aus der privaten Garage in die große Produktionswerkstatt

Das Jahr 2015 war ein sehr bewegendes für die Edelstahl WM GmbH. Da die Abwicklung der Aufträge bis dato in privaten Räumlichkeiten erfolgte, in denen man platzmäßig sehr eingeschränkt war, wurde im Dezember 2014 eine Produktionshalle in Kelheim angemietet. Im Februar 2015 erfolgte der große Umzug aus der privaten Garage in die große Produktionswerkstatt. Der Geschäftsführer fasste überdies den Entschluss, seinen Hauptberuf im Anstellungsverhältnis aufzugeben und sich ganz den Aufgaben der Edelstahl WM GmbH zu widmen.

In den kommenden Jahren wurde die Werkshalle mit weiteren Maschinen sowie speziellen Werkzeugen ausgestattet. Im September 2016 wurde das erste Dreh-Fräszentrum mit 1500 mm Drehlänge angeschafft. Hauptgrund der Investition war die Steigerung der Qualität und Genauigkeit der gefertigten Teile.

Hier wurden wir noch mehr den kundenseitigen Ansprüchen gerecht. Außerdem konnte aufgrund des breiteren Fertigungsspektrums im Bereich Drehen und Fräsen das Auftragsvolumen ausgebaut werden. Die Einrichtung eines Messraumes ermöglichte es uns, die Genauigkeit der gefertigten Teile weiter zu erhöhen.

Waldemar Maul, Geschäftsführer Edelstahl WM GmbH

Die Edelstahl WM GmbH spezialisierte sich von Anfang an auf die Herstellung von Einzel- und Prototypenteilen bis zu kleinen Serien. Bei der Herstellung werden hochwertige und edle Materialien verwendet.

Was die hergestellten Teile ausmacht, ist eine überaus hohe Qualität und 100 Prozent Präzision. Außerdem unterstützen wir unsere Kunden bei internen Problemlösungen. Diese können beispielsweise produkt- oder projektbezogene Lösungs- und Verbesserungsvorschläge sein.

Waldemar Maul, Geschäftsführer Edelstahl WM GmbH

Das Geschäftsfeld der Kunden ist breit gefächert. Der Großteil kommt aus den Branchen Chemie, Maschinenbau und Medizintechnik. Zu 95 Prozent sind dies Direktkunden, welche selbst die Anlagen zusammenbauen und sich in Bayern als auch Baden-Württemberg befinden. Seit 2011 produziert das Unternehmen Werkstücke aus Sonderlegierungen wie V4A-Sorten, Duplex, Superduplex etc. Deswegen hat man sich auch für die WFL-Maschine entschieden.

Auf die Frage, wie es dazu kam, sich auf hochkomplexe Teile zu spezialisieren, berichtet der Geschäftsführer: „In der Ausbildung zum Schweißfachmann lernt man sehr viel über Werkstoffe. Wie und wo setzt man Materialien ein und verarbeitet diese richtig. Oftmals werden die falschen Werkstoffe für bestimmte Umgebungsbedingungen ausgewählt und danach verrostet alles innerhalb kürzester Zeit. Durch meine Berufserfahrung in einem Getriebe- und Pumpenwerk weiß ich außerdem, worauf es beim Ein- und Ausbau solcher Teile ankommt. Darüber hinaus spornen mich herausfordernde Fertigungsaufgaben immer wieder aufs Neue an. Daher hat sich bei uns der Fokus auf komplexe Bauteile etabliert.“

Auch in der Corona-Krise sind die Maschinen ausgelastet

Die weltweite Corona-Krise hat sich bei der Edelstahl GmbH nur wenig bemerkbar gemacht. Zwar wurden einige Aufträge aus der Automobilbranche gestrichen, doch kamen im Gegenzug aus der Medizintechnik vermehrt Aufträge hinzu. Die Maschinen sind sehr gut ausgelastet.

Oft haben wir Aufträge mit Sonderlegierungen. Solche Aufträge sind prädestiniert für die Millturn. Mein Ziel ist es, auf dieser Maschine die Anzahl der Einspannungen zu minimieren, um mehrere Bearbeitungsschritte machen zu können. Dadurch eine höhere Qualität sowie auch engere Toleranzen der Bauteile erreichen zu können.

Waldemar Maul, Geschäftsführer Edelstahl WM GmbH

Durch die umfangreiche Ausstattung in der Produktionshalle, können bei der Edelstahl WM GmbH Rohteile selbst zugeschnitten werden. Im weiteren Prozess werden die Teile vorgedreht oder -gefräst und schließlich geschweißt. Lediglich das Beizen der Chrom-Nickel-Stähle wird ausgelagert. Nach der Bearbeitung der Teile mittels Drehen, Fräsen und (Flach-) Schleifen werden die Werkstücke im Messraum vermessen.

Spezialisiert auf kleine Losgrößen, Einzelteile sowie Komplexität

Was die Losgrößen betrifft, so sind 100 bis 300 Stück ein typischer Wert. Die Teile werden dabei in 10er- oder 20er-Größen abgerufen. „Normalerweise bewegt sich das im Schnitt von einem bis zu zehn Stück. Das ist die übliche Losgröße“, so Anna Maul. Masse gibt es bei der Edelstahl WM GmbH kaum, in der Regel werden Einzelteile gefertigt. Die Strategie der Edelstahl WM GmbH hat sich bis jetzt bewährt. Die Spezialisierung auf kleine Losgrößen und Einzelteile sowie Komplexität und Genauigkeit der Bauteile soll durch die Investition in die Millturn weiter ausgebaut werden.

Momentan wird an der M35 Millturn fleißig getestet und programmiert. Als Unterstützung für die Programmierung wurde eine Solid-CAM-Lösung mit 5-Achs-Programm angeschafft. „Für einige Aufträge hätten wir die Maschine schon früher gebraucht. Für die Kaufentscheidung war ausschlaggebend in eine Maschine zu investieren, die unsere aktuellen Produktionsabläufe verbessert und uns strategisch nach vorne bringt“, so Waldemar Maul.

Bei der Edelstahl WM GmbH werden die Bauteile zum Großteil vom Geschäftsführer selbst gefertigt. Ziel ist es jedoch, Arbeitskräfte einzustellen beziehungsweise Zerspanungstechniker von Grund auf auszubilden. Aufgrund der speziellen Aufträge und komplexen Werkstücke, ist es meist schwierig, Personal zu finden. „Wir wollen die Mitarbeiter so weit ausbilden, dass diese die Arbeiten selbstständig ausführen können. Die Bewerber sind leider oft abgeschreckt von der Komplexität der Bauteile und der geforderten Genauigkeit“, schildert Anna Maul.

Waldemar Maul weiß bei seinen Aufträgen, worauf es ankommt. Als Werkstattmeister in einer Getriebe- und Pumpenwerkstatt hat er selbst Pumpen und Getriebe zerlegt, überholt und wieder zusammengebaut. Das kommt ihm bei seiner heutigen Arbeit besonders zu Gute. „Wenn ich die Zeichnungen sehe und weiß, wo es eingebaut wird, stehe ich schon klar im Vorteil.“