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EMO Hannover 2013 Industrie 4.0 lässt revolutionäre Konzepte aus der Werkzeugindustrie erwarten

| Redakteur: Stéphane Itasse

Ein Wort, zwei Zahlen und ein Satzzeichen erregen die Gemüter wie einst die Vision von Computer Integrated Manufacturing (CIM): Die Rede ist von Industrie 4.0, der neuen Fabrikation mit webbasierter Vernetzung. Doch welche Rolle spielen dabei die Werkzeuge? Auf der EMO 2013 in Hannover sollen schon erste Konzepte zu sehen sein.

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Kann nicht nur bohren, sondern auch seine Prozessdaten funken: Prototyp eines mechatronischen Zerspanungswerkzeugs, entwickelt von GFE.
Kann nicht nur bohren, sondern auch seine Prozessdaten funken: Prototyp eines mechatronischen Zerspanungswerkzeugs, entwickelt von GFE.
(Bild: GFE )

Das Reizthema Industrie 4.0 - manche sprechen spöttisch schon von CIM-Salabim 2.0 - stand nicht im Tagungsprogramm der 10. Schmalkalder Werkzeugtagung. Trotzdem ist das Thema den Herstellern und Anwendern von Zerspanungswerkzeugen nicht gleichgültig: Wer genauer hinschaut, entdeckt bereits jetzt schon Werkzeuge mit dem Zeug zu Industrie 4.0, wie der Verein Deutscher Werkzeugmaschinenfabriken e.V. (VDW) als Veranstalter der Messe EMO 2013 mitteilt. Die 200 Tagungsteilnehmer sahen es sowohl in den Vorträgen als auch beim Rundgang durch das Versuchsfeld und die Laboratorien der GFE – Gesellschaft für Fertigungstechnik und Entwicklung Schmalkalden e.V., Veranstalter der Fachtagung für Präzisionswerkzeuge.

Mechatronisches Bohrwerkzeug sendet seine Messdaten während der Zerspanung

Die Thüringer Experten führten zum Beispiel ein mechatronisches Werkzeug zur Rückwärtsbearbeitung großer Bohrungen vor, das den jeweiligen Werkzeugzustand während der Zerspanung telemetrisch erfasst. Dieses Messdaten erfassende und sendende Werkzeug passt gut in das neue Konzept vom „Internet der Dinge“, in dem im Prinzip wie im üblichen Web alle Teilnehmer miteinander kommunizieren. GFE-Wissenschaftler Bernd Aschenbach: „Der Einsatz mechatronischer Werkzeuge mit integrierter sensorüberwachter Aktorik kann helfen, den Aufwand zur Fertigung rückwärtiger Senkungen von Bohrungen auf Groß-Bearbeitungszentren bei gleichzeitig hoher Prozesssicherheit zu verringern.“ Um die Kosten zu senken, entwickelte GFE einen Prototyp mit serienmäßigen Elektronik-Baugruppen. Hall-Sensoren überwachen die Endlagen des hydraulischen Schneidenantriebs, die an eine Basisstation übermittelt werden.

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Einen Schritt weiter geht das BMBF-Verbundprojekt Sensomikrosys. Hier ist extrem kleine Sensorik entstanden, die hochdynamisch belastete Maschinen- und Werkzeugkomponenten in Echtzeit überwacht. Diese Mikrosysteme dienen unter anderem zum Messen der Kräfte in Werkzeugen und Spannsystemen. Hierzu hat die GFE auf der Schmalkalder Werkzeugtagung einen Prüfstand zur dynamischen Belastungsprüfung für Werkzeugspannsysteme in Maschinenspindeln vorgestellt. Selbst in Handwerkzeuge lassen sich derartige Sensoren integrieren. Auch hier würde der Begriff Werkzeuge 4.0 gut passen.

Auf der EMO Hannover 2013 wird auch die Wirtschaftlichkeit von Innovationen hinterfragt

„Wir werden zur EMO Hannover 2013 viele interessante Werkzeug- und Technologielösungen sehen, die solche Konzepte mit Sensorik und Aktorik vergegenständlichen“, meint GFE-Geschäftsführer Prof. Dr.-Ing. Frank Barthelmä. „Der Grundgedanke, Maschinenfunktionalitäten in das Werkzeug zu integrieren, ist ja nicht ganz neu. Aber bei Bearbeitungsaufgaben, wie Anlagen für die Energietechnik oder Komponenten für Großmaschinen, sind wir mittlerweile bei ganz anderen Dimensionen angelangt. Die EMO wird auch zeigen, dass neben dem Neuheitsgrad technischer Lösungen mehr denn je deren Wirtschaftlichkeit hinterfragt werden wird.“

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