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Auslandsmärkte Konjunktursorgen plagen Schweizer Industrie

| Autor / Redakteur: Stéphane Itasse / Stéphane Itasse

Auslandsmärkte Die Lage der Schweizer Maschinen-, Elektro- und Metall-Industrie (MEM-Industrie) hat sich im ersten Halbjahr 2019 deutlich verschlechtert. Im Vergleich zum Vorjahreszeitraum reduzierten sich die Auftragseingänge um 12,5 %.

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Bei der Schweizer MEM-Industrie knirscht es langsam im Getriebe, die Branche muss sich auf schwächere Zeiten einstellen.
Bei der Schweizer MEM-Industrie knirscht es langsam im Getriebe, die Branche muss sich auf schwächere Zeiten einstellen.
(Bild: Oerlikon/STEFAN KRISTOFERITSCH)

Auch die Umsätze (– 1,9 %) und die Güterexporte (– 1,0 %) nahmen ab, wie der Verband Swissmem mitteilt. Die wirtschaftspolitischen Risiken haben sich jüngst verstärkt, weshalb sich der Schweizer Franken wieder aufgewertet hat. Zudem schwächelt die Konjunktur auf den wichtigsten Absatzmärkten.

Heftiger Auftragsrückgang im zweiten Quartal

Besonders ausgeprägt zeigt sich der Rückgang bei den Auftragseingängen im zweiten Quartal 2019 mit - 19,5 % zum Vorjahresquartal. Allerdings hatten die Bestellungen in den Vorjahresperioden ein sehr hohes Niveau erreicht.

Bei den Umsätzen ergab sich im ersten Quartal ein Rückgang von 1,1 % und im zweiten von 2,6 %. Die Umsatzeinbußen sind im Vergleich zum Bestellungseingang nicht so ausgeprägt, weil die Unternehmen noch vom guten Auftragsbestand aus dem Vorjahr zehren. Großunternehmen und KMU sind in ähnlichem Ausmaß von der Entwicklung betroffen.

Kapazitätsauslastung unterdurchschnittlich

Der rückläufige Auftragseingang wirkte sich auf die Kapazitätsauslastung aus. Nachdem diese im vierten Quartal 2018 noch 91,6 % erreicht hatte, sank sie im ersten Quartal 2019 auf 89,3 % und im zweiten Quartal auf 86,6 %. Gemäß der jüngsten Umfrage der Konjunkturforschungssteller der Universität Zürich (KOF) erreichte sie im Juli 2019 noch 83,7 %, was unter dem langjährigen Mittel von 86,4 % liegt. Die Mitarbeiterzahl in der MEM-Industrie erhöhte sich im ersten Quartal 2019 auf 322.800. Die Beschäftigung liegt damit um 2,6 % höher als im Vorjahresquartal. Die Beschäftigungszahlen per Mitte 2019 liegen allerdings laut Swissmem noch nicht vor. Aufgrund der rückläufigen Auftragseingänge und Kapazitätsauslastung rechnet der Verband in den kommenden Monaten jedoch nicht mit einem weiteren Stellenwachstum. Im Gegenteil wurden vereinzelt bereits Stellenabbau und Kurzarbeit beschlossen.

Exporte in die USA wachsen deutlich

Die Güterausfuhren der MEM-Industrie erreichten im ersten Halbjahr 2019 einen Wert von 34,5 Mrd. Schweizer Franken. Dieser Wert liegt um 1,0 % tiefer als im Vorjahressemester. In den einzelnen Warengruppen entwickelten sich die Exporte unterschiedlich. Rückläufig waren die Ausfuhren bei den Metallen (– 6,2 %), im Maschinenbau (– 5,2 %) und in der Elektrotechnik/Elektronik (– 0,9 %). Einzig die Exporte von Präzisionsinstrumenten erhöhten sich (+ 4,0 %). Bei der regionalen Aufschlüsselung zeigt sich, dass die Güterexporte in die EU (– 1,5 %) und nach Asien (– 2,6 %) zurückgingen. Hingegen entwickelten sich die Exporte in die USA weiterhin positiv (+ 5,1 %).

Auch die Aussichten für die kommende Zeit haben sich weiter eingetrübt. Die Risiken wie die globalen Handels- und Währungskonflikte, ein ungeordneter Brexit sowie die schwelenden Schuldenprobleme in einigen EU-Staaten haben sich akzentuiert. Aufgrund dieser Unsicherheiten hat sich die Konjunktur in den wichtigsten Absatzmärkten der MEM-Industrie spürbar abgekühlt und die Prognosen für den weiteren Verlauf wurden stetig nach unten korrigiert. Stefan Brupbacher, Direktor von Swissmem, sagt dazu: „Die jüngste Entwicklung gibt Anlass zu großer Sorge. Ich gehe davon aus, dass die Nachfrage weiter zurückgehen wird. Das „Best-Case-Szenario“ ist, dass es im Laufe der nächsten zwölf Monate zu einer Stabilisierung auf tieferem Niveau kommt. Voraussetzung dafür ist aber, dass es zu keinen größeren politischen und wirtschaftlichen Verwerfungen kommt.“

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