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Mittelständler tun sich im Afrika-Geschäft schwerer

| Autor/ Redakteur: Thomas Isenburg / Stéphane Itasse

Ein Marshallplan für Afrika aus Deutschland, eine G20-Afrika-partnerschaft – die Bedingungen für deutsche Investitionen, gerade bei erneuerbaren Energien, scheinen günstig. Getan hat sich nach den vollmundigen Ankündigungen von 2017 allerdings kaum etwas.

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Technisch sind die deutschen Produkte besser, doch bei Komplettprojekten haben oft chinesische Wettbewerber in Afrika die Nase vorn.
Technisch sind die deutschen Produkte besser, doch bei Komplettprojekten haben oft chinesische Wettbewerber in Afrika die Nase vorn.
(Bild: Voith)

Das ist bedenklich, denn zum Beispiel die Wasserkraft ist eine der am meisten geprüften und am besten entwickelten erneuerbaren Energiequellen in Afrika. Warum tun sich gerade Mittelständler aus Deutschland schwer, sich auf diesem Markt zu etablieren? Das liegt unter anderem daran, dass zurzeit ihre Auftragsbücher wegen der günstigen Konjunktur gefüllt sind, wie Dr. Stefan Liebig, Vorsitzender des Afrika-Vereins der deutschen Wirtschaft, berichtet.

Allerdings gibt es auch andere Gründe, wie Peter Magauer, Managing Director der Andritz Hydro GmbH Deutschland, auf einer Veranstaltung des Afrika-Vereins berichtete: „Der klassische Weg ist ein Bietprozess im Umfeld der afrikanischen Entwicklungsbanken. Wir machen ein Angebot für das elektromechanische Equipment. Dann gewinnen wir es oder verlieren.“ Doch die Kunden fordern laut Margauer mehr und mehr Turnkey-Projekte. Im Detail heißt dies, dass zum Auftrag die Planung, das Equipment sowie die Finanzierung gehören. Noch ist dieser Prozess eine Schwäche deutscher Unternehmen. Zwar gibt es Equipment-Lieferanten und auch Consulting-Firmen in Deutschland, jedoch können Chinesen das besser lösen. „Sie können es nicht technisch besser oder günstiger, aber sie machen es im gesamten Paket“, erläutert Margauer.

Kunden in Afrika wollen schlüsselfertige Energieanlagen

Heike Bergmann von der Voith Hydro Holding GmbH & Co. KG geht auf einen weiteren Faktor ein, der Geschäftsabschlüsse für deutsche mittelständische Unternehmen erschwert. Gerade in der jüngeren Vergangenheit beobachtet sie Veränderungen am Markt: „In Afrika gibt es neue Herausforderungen, denn es kommen mehr Independent Power Producer (IPP) hinzu. Diese wollen eine volle Turnkey Solution.“ Aber bei der Aufstellung des deutschen Mittelstandes ist die Risikoabsicherung äußerst schwierig. Voith beschäftigt 20.000 Mitarbeiter und ist im privaten Besitz, dennoch sagt Bergmann: „Wir haben das Risiko bei den Turnkey Solutions zu tragen. Hier ist nach Möglichkeiten der Risikoabsicherung zu suchen.“ Vorteile sieht die Geschäftsführerin bei den deutschen Unternehmen bei der Technik und sie äußert selbstbewusst: „Die Qualität ist hoch und kann auch über die lange Lebensdauer gehalten werden, denn die Wasserkraft ist für mehrere Generationen gemacht.“

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Zusätzlich macht das Verhalten der Banken die Lage kompliziert: Wenn eine chinesische Bank den Kredit vergibt, geht auch der Auftrag an ein chinesisches Unternehmen. Finanziert aber die deutsche KfW-Bank, wird irgendjemand gewinnen. Finanzierungen über 200 bis 400 Mio. Euro werden von chinesischen Banken in zwei bis vier Wochen erledigt. In Deutschland oder Europa würden die Banken hierfür Jahre benötigen.

Der Wettbewerb mit der chinesischen Konkurrenz gibt Bergmann zu denken: „Die Chinesen haben Unternehmen und politische Institutionen, die sich als die ökonomischen Unterstützer sehen. Das haben wir so in Europa nicht. Politik und Geschäfte sind manchmal Gegensätze. Die politischen Akteure in Deutschland sollten so unterstützend wirken, dass sie sich als Botschafter für Geschäfte wahrnehmen.“

Hinzu kommt, dass ein Projekt eine „Bankability“ benötigt. Die Finanzierungswürdigkeit und Akzeptanz aufseiten der Banken und Investoren muss gemanagt werden, um mit Kraftwerksprojekten im Wettbewerb bestehen zu können. Diesen Zustand bewertet Magauer: „IPP wird dann eingesetzt, wenn der Kunde das Risiko scheut. Es ist eine Black Box, und die wird gerne von chinesischen Unternehmen übernommen.“

Deutschen Unternehmen fällt es schwer, IPP-Projekte bei der Wasserkraft zu realisieren, denn es gibt Risiken wie die Topografie und die Geologie. Eine große Stärke ist die elektromechanische Seite. Für Magauer ändern sich die Anforderungen: „Wir sind sicher nicht mehr nur der Lieferant von Equipment, auch den Betrieb und die Instandhaltung müssen wir verantworten. Das haben wir gelernt: Wir tun es in Indien. Nun stellen wir uns die Frage: Wie sieht es in der Zukunft aus? Gerade in der Energiediskussion geht es weg nur von der einfachen Generation hin zu mehr Flexibilität sowie mehr Speicherung, hin zu stabilen Netzen. Die andere Richtung ist: Was können wir bei dem Service tun? Es reicht nicht mehr aus, nur die Maschinen zu liefern.“

Großprojekte gehen am deutschen Mittelstand vorbei

„Das Geschäftsmodell Siemens oder ABB ist es, nicht zu investieren, sondern zu warten, bis ihnen aus Afrika ein Auftrag erteilt wird. Die große Herausforderung ist es, solche Projekte so finanziell zu strukturieren, dass sie gebaut werden können“, berichtet Liebig. Zum Beispiel wird in Äthiopien eine Kapazität von 2000 MW Windenergie hinzugebaut, das ist etwa so viel, wie Schleswig-Holstein hat. Die mittelständischen deutschen Unternehmen haben keine Chance, denn Äthiopien will das mit den großen Playern dieser Welt machen. So wollen sie sicherstellen, dass es nicht zu Fehlern kommt und die Unternehmen stark genug bei der Projektabwicklung sind. Da wird Enel aus Italien oder Vestas aus Dänemark genommen. Die deutschen Mittelständler haben das Nachsehen.

Deswegen empfiehlt Liebig vom Afrika-Verein der deutschen Wirtschaft einen Investitionsabsicherungsfonds für den deutschen Mittelstand, der dort helfen kann, wo es Lücken am Markt gibt. Nach den Wünschen des Afrika-Vereins sollte der Fonds ein Volumen in Höhe von 1 Mrd. Euro haben. Dieser Ansatz ist nicht realitätsfern, denn es gibt einen vergleichbaren Fonds in den Niederlanden mit einem Volumen von 700 Mio. Euro. „Wenn der deutsche Mittelstand so ein Instrument an die Seite gestellt bekommt, können wir in ganz anderen Dimensionen loslegen“, meint Liebig.

* Dr. Thomas Isenburg ist freier Wissenschaftsjournalist in 44629 Herne

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