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Automatisierung Motion-Plastics-Experte Igus kämpft 2020 gegen Umsatzrückgang

| Redakteur: Dipl.-Ing. (FH) Reinhold Schäfer

Aufgrund der Corona-Krise verzeichnet das Motion-Plastics-Unternehmen Igus in den ersten vier Monaten einen Umsatzrückgang von 11 % – 2019 stieg der Umsatz noch um 2 % auf 764 Mio. Euro.

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Auf einem realen Messestand bei Igus können sich Kunden virtuell über die Neuheiten informieren.
Auf einem realen Messestand bei Igus können sich Kunden virtuell über die Neuheiten informieren.
(Bild: Igus )

Das gab Frank Blase, Geschäftsführer der Igus GmbH anlässlich einer Onlinepressekonferenz bekannt. Andererseits sei der Auftragseingang mit -2 % bisher nahezu stabil geblieben.

Und weil Motion Plastics die Technik bei den Anwendern verbessern und zugleich die Kosten senken könne, habe Igus einen Messestand aufgebaut, auf dem Kunden digital Innovationen für sich entdecken sollen. Die ersten Tage brachten laut Blase bereits viel Zustimmung. „Wir erhalten momentan viele Anfragen und vereinbaren zahlreiche virtuelle Besuchstermine“, erklärt Blase. „Das Interesse von Kunden an Lösungen, die die Technik verbessern und dabei Kosten senken, steigt spürbar.“ Hier helfe Igus die über 50 Jahre lange Erfahrung in Forschung und Praxis.

Deshalb sei man in der Lage, sichere Lösungen aus Kunststoffen anzubieten.

Beispiel zeigt, wie es funktioniert

Ein Beispiel wie das gelingen kann, zeigt die Produktion eines Herstellers von Verpackungsmaschinen. Dort sollten pro Sekunde zwei Toastbrote geschnitten, verpackt und versiegelt sein. Eine Schwachstelle war dort allerdings das bewegte Kabel für die rasend schnelle Bestückung der Maschine. Auf der Suche nach einer Lösung, bereits vor der Corona-Problematik, fand das Unternehmen im Internet den Chainflex-Lebensdauerrechner von Igus für dynamische Leitungen – und damit das genau passende Produkt für seine hochdynamische Anwendung. Mit dem Zusatz einer intelligenten Smart-Plastics-Überwachung dieser Leitung erreichte es sein Ziel: Die Verfügbarkeit der Anlage im 24/7-Dauerbetrieb, ein planbarer Leitungsaustausch alle 18 Monate und dadurch hohe Einsparungen von Kosten.

Spendenaktion: Kopfbänder für Face Shields

Die schnelle und zuverlässige Belieferung mit Tribopolymer-Produkten in der aktuellen Situation aufrechtzuerhalten ist für Igus ein wichtiges Ziel. „Igus liefert zurzeit ohne Einschränkungen“, informiert Geschäftsführer Frank Blase. „Im Durchschnitt sind kleine und mittlere Bestellungen nach 2,5 Tagen auf dem Weg zum Kunden.“

International ist die lokale Versorgung aufgrund von 14 Produktionsstätten sichergestellt. Um die Lieferfähigkeit weiterhin zuverlässig aufrechtzuerhalten, wurden allein am Hauptstandort über 100 Maßnahmen umgesetzt, von fünf neuen Kantinen bis zur Erschwerniszulage für Produktions-Mitarbeiter.

Wie Frank Blase gegenüber dem MM bestätigte, habe man auch mit den Kunststoffzulieferern ein sehr gutes Verhältnis. Die Versorgung mit Material sei also ebenfalls sichergestellt.

Darüber hinaus produziert Igus Kopfbänder für „Face Shields“ im Spritzgussverfahren aus recyceltem iglidur A200. Dadurch ist eine günstige Massenproduktion möglich. Die ersten 100.000 Kopfbänder sind kostenfrei verfügbar, danach soll die Abgabe zu Selbstkosten erfolgen. Auch eine Sonderproduktion von 140.000 kompletten Face Shields läuft derzeit an. Igus versorgt damit alle Kölner Schülerinnen und Schüler – eine Spendenaktion für die Heimatstadt.

Mit digitalen Besuchen auf realer Messe 100 Neuheiten kennenlernen

Da derzeit weder Messen noch persönliche Besuche bei den Kunden möglich sind, setzt Igus ganz auf die Vorteile der Digitalisierung: Dreh- und Angelpunkt ist dabei der Messestand, den Igus als Teil des digitalen Supportangebots an die Kunden aufgebaut hat. Der reale Stand ist virtuell begehbar, auch persönliche Führungen, Einzel- und Gruppengespräche am Stand können direkt mit den Experten von Igus vereinbart werden. Unter dem Thema „Tech up, Cost down. It’s our job.“ präsentiert Igus dort auf 400 Quadratmetern über 100 Kunststoff-Innovationen. Wie Kunden Kosten sparen und ihre Technik verbessern können zeigt beispielweise die Energiekette autoglide 5 mit Seil-Bodenführung, durch die sich in der Intralogistik und bei Krananlagen 88 % Montagezeit sparen lassen und das bei Gesamtkosten inklusive Leitungen ab 49 Euro pro Meter. Neu ist auch die drylin Polymer-Teleskopschiene, mit der sich unter anderem Schubladen, Sitz- und Kopfverstellung einfach verstellen und ausziehen lassen. Außerdem ist sie 64 % leichter als metallische Führungen.

UL zertifiziert Markenversprechen

Zentral für die Produktentwicklung seien die Versuche im hauseigenen 3800 m² großen Testlabor. Dadurch sei Igus in der Lage, auf das Standard-e-ketten-Programm wie auch chainflex Leitungen, eine einzigartige 36-monatige Garantie zu vergeben. Das Markenversprechen „Igus 36-month chainflex cable guarantee and service life calculator based on 2 billion test cycles per year” wurde jetzt erfolgreich von der Testorganisation UL zertifiziert. Igus setzt dabei verstärkt auf die Einbindung seiner motion plastics in eine Circular Economy. Mit Initiativen wie „chainge Recycling“, „plastics2oil“ und der Zertifizierung nach ISO 14001. Im „chainge Recycling“ Programm nimmt Igus ausrangierte Kunststoff-Energieketten („e-chains“) herstellerunabhängig zurück, recycelt sie und zahlt einen Kilopreis per Gutschein. Einen Schritt weiter geht die 4,7 Mio. Euro Investition in Mura Technology. Das Unternehmen will Anlagen errichten, in denen Kunststoffabfälle energieschonend in Öl umgewandelt werden. Das Umweltzertifikat ISO 14001:25 wurde Mitte April an Igus Deutschland vergeben, im Mai an Igus Korea. Energiesparziele von mindestens 10 % sind der nächste Schritt.

Kosten sparen, Technik verbessern – auch bei Igus

Auch wenn Igus sich bewusst ist, dass Planungen derzeit schwierig sind, hält das Unternehmen an langfristigen Investitionen weiter fest, wie Frank Blase betont: „Die Umsatzeinbußen und Kosten bei der Bewältigung der Krise sind heftig. Eine generelle Wende zum Besseren ist derzeit schwer vorher zu sagen. Allerdings haben wir ein hohes Eigenkapital für solche Ausnahmezeiten angespart. Und wir packen alle Kosten an.“ Kurzarbeit wurde in einigen Ländern angemeldet, in Deutschland nicht.

Um die Pflicht zum Tragen von Masken etwas auszugleichen, zahle man den Mitarbeitern deshalb eine Zulage, erzählt Blase. „Wir möchten die Auswirkung auf unsere Mitarbeiter so weit wie möglich minimieren. Und wir müssen entscheidende Zukunftsinvestitionen weitertreiben.“ Dazu zählen beispielsweise der derzeitige Tunnelbau und die Erschließung des neuen Geländes für einen zusätzlichen Neubau am Kölner Standort. Und auch die hohen Investitionen in die Digitalisierung gehen weiter. Acht zusätzliche Lebensdauersimulatoren und Online-Tools brachte das Unternehmen allein 2019 ins Web, beispielsweise für Zahnräder, Rollen und Wellen, sowie die Plattform RBTX für Low-Cost-Robotik. Inzwischen sind 38 Online-Tools registrierungs- und kostenfrei nutzbar. Blase stellt erläutert: „Beide Beispielprojekte, Neubau wie Digitalisierung, haben einen gemeinsamen Fokus: Der Kunde soll schnell, einfach und zuverlässig an seine Motion-Plastics-Lösungen kommen. Gerade jetzt ist das ein wichtiges Ziel, das wir in unseren täglichen Krisenmeetings immer wieder hervorheben.“

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