Europäische Roboterentwicklung Neura auf Einkaufstour und Partnersuche

Von Ralf Uwe Steck 3 min Lesedauer

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Neura verkündet eine Partnerschaft mit den italienischen Edge AI- und Physical AI-Spezialisten von Seco. Dabei setzt sich ein interessantes Muster in Neuras Partnerschaften und Zukäufen fort.

Die Neura-Roboter basieren auf einem gemeinsamen KI-Stack, der allen Robotertypen zugute kommt.(Bild:  Neura Robotics)
Die Neura-Roboter basieren auf einem gemeinsamen KI-Stack, der allen Robotertypen zugute kommt.
(Bild: Neura Robotics)

Die Meldungen kommen Schlag auf Schlag: Im Oktober 2025 kaufte Neura die in die Insolvenz gerutschte EK Robotics, im August 2026 verkündete das Unternehmen die Übernahme der Active-Shuttle-Technologie von Bosch Rexroth. Ebenfalls im August übernahm Neura Adlatus Robotics, einen Anbieter von Reinigungsrobotern.

März 2025: Zusammenarbeit mit Nvidia, April 2025: strategische Partnerschaft mit Omron. Im Juni 2025 wurde die Zusammenarbeit mit GFT, im November die mit Schaeffler bekannt, rund um die Hannover Messe wurden weitere Partnerschaften mit Dassault Systèmes und Amazon AWS bekannt gegeben. Im Januar bündelten Bosch Robotics und Neura ihre Kräfte für humanoide Roboter „Made in Germany“, im Februar schloss Neura mit der Zimmer Group eine Partnerschaft.

Partnerschaft als beiderseitiges Geben und Nehmen

Und nun die Partnerschaft mit Seco, mit denen gemeinsam die Compute Module für Neuras Roboter entwickelt werden sollen. Zudem umfasst die Partnerschaft eine Zusammenarbeit „an realen Industriedaten und Automatisierungslösungen für die Halbleiter- und Elektronikfertigung, um Technologien zu entwickeln, die langfristig weltweit einsatzfähig sind.“

Ebenso interessant ist Liste der Investoren in der letzten 1,4-Milliarden-Finanzierungsrunde: Neben Qualcomm, die mit ihren Dragonwing-Robotikprozessoren die Hardware für Neuras Architektur liefern, sind aus obiger Aufzählung Amazon, Bosch, Nvidia und Schaeffler unter den Kapitalgebern der Finanzierungsrunde.

Neuras Partner sind oft – in unterschiedlichen Konstellationen – Kapitalgeber, Technologiepartner, Kunde und Lieferant. Das erinnert – in viel kleinerem Maßstab – an den „AI Infinite Money Glitch“, über den ich letzte Woche geschrieben habe. Allerdings mit fundamentalen Unterschieden: Hier geht es nicht um Zukunftsversprechen, sondern um handfeste Technologiepartnerschaft, gemeinsame Entwicklungen und bilaterale Zusammenarbeit statt eines „Kreisgeschäfts“.

Neura schmiedet europäische Roboterallianz

Und noch etwas fällt auf: Die meisten Partner und Kapitalgeber und alle Zukäufe sind europäische oder deutsche Unternehmen. Neura betont, dass das Ziel „Physical AI aus Europa – gemeinsam für die Welt“ ist. Neura-Chef David Reger lässt sich in der Pressemitteilung zur Series-C-Finanzierungsrunde zitieren: „Viele haben geglaubt, dass global relevante KI-Infrastrukturunternehmen nur im Silicon Valley entstehen könnten. Wir glauben, dass die nächste Generation von KI-Marktführern überall auf der Welt entstehen kann – überall dort, wo Vision, Ingenieurstalent und Umsetzungsgeschwindigkeit zusammenkommen. Mit dieser Finanzierung sichert sich Neura eine führende Position im globalen Robotikrennen – auf Augenhöhe mit den Besten aus den USA und China. Am Ende geht es dabei nicht nur um Robotik, es geht darum, Technologien zu bauen, auf die die Welt angewiesen sein wird.”

Auch das zeigt sich in Neuras Ansatz: Es geht nicht einfach um die Entwicklung und den Bau eines Roboters, sondern um ein ganzes Physical AI-Betriebssystem, in dem Software und Daten noch wichtiger sind als die Hardware. Es geht um Trainingsdaten aus dem realen Betrieb: Bewegungsprofile, Umgebungsdaten und Prozessinformationen aus echten Einsätzen. Die gekauften Firmen liefern also weniger neue Produkte als vielmehr Flotten, die als Datenquelle für die KI-Plattform dienen.

Neuraverse als Physical AI-Betriebssystem

Kern des Neura-Angebots ist das Neuraverse, in dem verschiedene Robotertypen gelernte Fähigkeiten teilen und Updates erhalten. Neuraverse wurde bei Automatica 2025 vorgestellt und soll unterschiedlichen Robotertypen erlauben, Fähigkeiten zu teilen und Anwendungen sowie Updates zu erhalten. Die Zukäufe dienen erkennbar dazu, dieses Ökosystem mit realen Anwendungsfällen zu füllen.

Das ist ein wichtiger und nachhaltiger Ansatz: Neura entwickelt gemeinsam mit europäischen Partnern die Technologie der Zukunft und emanzipiert sich dabei von den scheinbar übermächtigen Konzernen aus den USA und China. Gleichzeitig zeigt das Beispiel Neura, dass der Ausgang des Rennens um die High-Tech-Industrie noch bei weitem nicht so absehbar ist, wie es manchmal scheint. Europa hat, wenn es Innovation, Know-how und Unternehmergeist bündelt, durchaus Chancen, eine wichtige Rolle in diesem Konzert zu spielen. Vor allem, wenn man nicht ständig auf Problembranchen wie die Autoindustrie schaut, sondern nach vorn – wie Neura und David Reger.

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