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SWS Packaging GmbH Packende Ideen für Stanz- und Hybridteile

Redakteur: Dietmar Kuhn

Stanzbetriebe sind wesentlicher Bestandteil einer Hightech-Fertigung. Sie produzieren Millionen von Teilen – manchmal sehr klein, aber immer hochpräzise. Aber mit der Produktion der Teile ist es nicht getan. Denn die Abnehmer dieser Teile verlangen nach sach-, produktions- und montagegerechter Verpackung beziehungsweise Lieferung. Dafür stehen sogenannte Blisterverpackungen.

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Die meist empfindlichen Stanz- und Hybridteile sind sauber, lage- und entnahmegerecht in die Blisterverpackungen eingelegt, von wo sie dann auch automatisch entnommen werden können.
Die meist empfindlichen Stanz- und Hybridteile sind sauber, lage- und entnahmegerecht in die Blisterverpackungen eingelegt, von wo sie dann auch automatisch entnommen werden können.
(Bild: Kuhn)

In der großen Fertigungshalle surrt, tuckert und knistert es. In Reih und Glied stehen nicht gezählte Maschinen beziehungsweise Anlagen, die Ab- und Aufwickelspulen als sichtbares Zeichen, dass hier etwas verarbeitet wird. Die Szene spielt sich bei der SWS Packaging GmbH in Leingarten nahe Heilbronn ab. Dort hat sich Axel Wennes 2004 die Frage gestellt, was denn Stanzbetriebe mit ihren vielen Millionen Teilen, die sie täglich produzieren, machen, wie diese verpackt und entnahmegerecht an deren Kunden, damals nur in der Telekommunikationsbranche, heute überwiegend für die Fahrzeugelektronik, geliefert werden. „Nach all den Überlegungen, bin ich mit einem Partner auf die Idee gekommen, dass Blistergurtverpackungen die ideale Lösung für solche Probleme sind.

Jedem Stanz- oder Hybridteil eine individuelle Verpackung

Heute produziert SWS Blistergurte in unterschiedlichen Materialien und in vielfältigen Geometrien. „Jeder Steckverbinder, jedes Stanz- oder Hybridteil muss separat verpackt werden. Die Geometrie der Verpackung ist praktisch durch die Geometrie des Teiles vorgegeben“, erklärt Wennes.

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Mit den Blistergurtverpackungen geht SWS verschiedene Wege. Fest in der Hand von SWS ist die Herstellung der Blistergurte mit den an die Teile angepassten Kavitäten. Dabei handelt es sich um Rollenware, die in der Regel kreuzweise auf eine Spule aufgewickelt ist. Danach entscheidet sich, wo die Spulen zum Einsatz kommen. Das ist entweder bei SWS selbst – dann wenn SWS von seinen Kunden den Auftrag für die Verpackung bekommt, bei Wennes heißt das in der Fachsprache Lohngurten – oder im anderen Falle, wenn der Kunde, also der Produzent der Stanzteile, Steckverbinder oder von Ähnlichem, die Teile selbst verpacken möchte.

Die passgenauen Blisterverpackungen bestehen in der Regel aus PC, PS oder PET, die als Bandware in den Breiten von 8 bis 200 mm auf Spulen angeliefert werden. Bei SWS werden diese in einer Fertigungslinie von einer Spule abgewickelt, dem Umformwerkzeug zugeführt und darin unter Temperatur in die entsprechende Geometrie mit einer maximalen Tiefe von 19 mm umgeformt. Die notwendigen Werkzeuge werden bei SWS selbst entwickelt und hergestellt. „Dafür“, sagt Wennes, „bekommen wir in der Regel die Teilezeichnung vom Kunden zusammen mit den Informationen, wie dessen Kunde die Teile in einem automatischen Prozess entnehmen möchte. Danach arbeiten wir das entsprechende Design aus, das unser Kunde zur Freigabe bekommt. Manchmal machen wir auch einen 3D-Druck, um vorab zu zeigen, wie das Teil in der Verpackung liegt.“ Dabei muss für jedes Teil und die entsprechende Verpackungsgeometrie ein spezielles Werkzeug gebaut werden.

Präzision und ein sicherer Transport der Blistergurte sind wichtig

Der Fertigungsprozess für die Blistergurte gestaltet sich hochpräzise. Denn schließlich müssen die Teile pass- und entnahmegenau in den Kavitäten liegen, darüber hinaus müssen sie bei der Montage automatisch, sicher und einbaugerecht in einem kontinuierlichen Prozess entnommen werden können. Beschädigungen sind ebenfalls auszuschließen und statische Aufladungen darf es auch nicht geben. Um sicherzustellen, dass später im Montageprozess das Teil exakt an einer bestimmten Position entnommen werden kann, sind die Blistergurte seitlich mit einer Perforation versehen, ähnlich wie man das noch von einer Fotorolle kennt, die im Fotoapparat durch ein Zahnrad weitertransportiert wurde. Je nach Breite des Blistergurtes ist die Perforierung einseitig (bis 24 mm Breite) oder auf beiden Seiten (ab 32 mm Breite) vorhanden. Sind die Teile dann in die Kavitäten einsortiert, wird der Gurt in einem automatischen und kontinuierlichen Prozess mit einer Klarsichtfolie verklebt. Somit bleiben die hochsensiblen Teile für den Transport und die Weiterverarbeitung sauber, trocken und unbeschädigt. Derzeit gibt es bei SWS zwischen 600 und 700 unterschiedliche Verpackungsgeometrien.

Wie bereits schon angemerkt, stehen die Blistergurte als Rollenware zur Verfügung, die meist kreuzweise auf den Spulen liegt. „Das hat den Vorteil“, so Wennes, „dass wir ein Vielfaches auf eine Spule bekommen, als wenn wir gerade aufwickeln. Die kreuzweise Version verlängert dem Kunden die Maschinenlaufzeiten, weil damit auch weniger Rüstzeiten anfallen.“

Die Thematik der fach- und sachgerechten Verpackung hochgenauer und oft sehr empfindlicher Bauteile ist eine Wissenschaft für sich. Auch wenn der Verpackungsprozess auf den ersten Blick nicht viel mit dem Herstellungsprozess der Teile zu tun hat, würden die Teile nie oder nur fehler- und beschädigungsbehaftet in ihre Endanwendung gelangen und somit die Funktion von Geräten und Apparaten infrage stellen. Das kann sich weder der Stanz- und Hybridteilhersteller noch der Verbauer dieser Teile leisten. Das Verpackungsthema ist deshalb auch sehr beratungsintensiv.

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