KI-unterstützte Prozesssicherung
Der Prozesszwilling vor dem digitalen Zwilling

Ein Gastbeitrag von Karl Wibbecke, Inhaber, Deutsche Automatisierungsgesellschaft 5 min Lesedauer

Wie ein belastbarer Zustandsausschnitt Qualitätsabweichungen mit Maschine, MES, Qualitätssicherung und Freigabe verbindet

(Bild:  Gemini / KI-generiert)
(Bild: Gemini / KI-generiert)

Eine Bearbeitungszelle produziert seit Stunden innerhalb der Toleranz. Dann häufen sich an einer Prüfstation Maßabweichungen. Die Maschinensteuerung meldet keinen Fehler, das MES führt den Auftrag weiterhin als freigegeben, und die letzten Teile stammen aus derselben Materialcharge. Ein Modell erkennt ein Muster aus steigender Spindellast, Werkzeugstandzeit und Messwertdrift. Trotzdem ist noch offen, ob ein Werkzeugwechsel, eine zusätzliche Prüfung, die Sperrung einzelner Teile oder ein Produktionsstopp zulässig ist. Für diese Entscheidung braucht es mehr als einen weiteren Datenpunkt.

Das folgende Anwendungsszenario ist bewusst abstrahiert. Es zeigt, wie ein Prozesszwilling als entscheidungsbezogener Zustandsausschnitt eingesetzt werden kann. Er soll kein vollständiges virtuelles Abbild der Anlage ersetzen. Seine Aufgabe ist enger: die für eine konkrete Qualitätsabweichung relevanten Daten, Regeln, Zuständigkeiten und bereits ausgeführten Schritte so zusammenzuführen, dass die nächste Aktion fachlich und technisch geprüft werden kann.