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125 Jahre MM Maschinenmarkt Roboter-Evolution in großen Schritten

| Redakteur: Victoria Sonnenberg

Bevor der erste Industrieroboter 1961 bei General Motors seine Arbeit aufnahm, waren seine fiktiven Vorgänger bereits fest etabliert in der Literatur. Seinen Durchbruch in der Fabrik hatte der Industrieroboter erst, als am anderen Ende der Welt Interesse an ihm aufkam. Danach ging alles sehr schnell, er erkundete neue Branchen, ließ den Zaun hinter sich ließ und nahm gemeinsam mit dem Menschen die Arbeit auf.

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Der Unimate bei der Arbeit in der Automobilproduktionslinie von Ford in den USA.
Der Unimate bei der Arbeit in der Automobilproduktionslinie von Ford in den USA.
(Bild: Benson Ford Research Center/Kawasaki Heavy Industries Ltd.)

Anfang des Jahres titelte ein deutsches Nachrichtenmagazin: Hotel schmeißt Roboter raus. Die Roboter hatten sich nicht etwa verlaufen, sondern halfen in Festanstellung beim Check-in, trugen das Gepäck aufs Zimmer und beantworteten den Gästen Fragen. Als das Roboter-Hotel 2015 den Betrieb in Japan aufnahm, war das mediale Echo groß. Neugierig blickte die ganze Welt auf die Hotelkette, die den Menschen – so glaubte man jedenfalls – auf die vermeintlich effektivste Weise fast vollständig ersetzt hatte.

„Können Sie Ihre Frage wiederholen?“

Laut Wall Street Journal musste nun mehr als die Hälfte der 243 Roboter wegen ungebührlichen Verhaltens stillgelegt werden. So reagierten Roboter zum Beispiel auf zu laut schnarchende Gäste und weckten diese mit „Entschuldigung, das habe ich nicht verstanden. Können Sie Ihre Frage wiederholen?“ Auch die automatischen Gepäckträger mussten „gehen“, ihnen wurde Lärm und Trägheit vorgeworfen. Trotz beeindruckender Optik, konnten die Roboter im Verhalten nicht überzeugen – zu viele Unbekannte in der Gleichung führten letztendlich zum Desaster. Dabei war es in den Anfängen der Robotik genau umgekehrt, als sich die Ästhetik dem Ingenieurskunstwerk unterzuordnen hatte und von einem Roboterpagen noch längst keine Rede war.

Entwickler des Unimate: v.l. Engelberger und Devol.
Entwickler des Unimate: v.l. Engelberger und Devol.
(Bild: Benson Ford Research Center/Kawasaki Heavy Industries Ltd.)

Obwohl sich bereits Anfang des 20. Jahrhunderts viele Formen der Robotik in der Literatursparte Science Fiction tummelten, sollte der Grundstein für die Industrierobotik erst 1956 mit der Ziffernfolge 2988237 gelegt werden. In diesem Jahr meldete der amerikanische Erfinder George C. Devol das Patent 2988237 für einen programmierbaren Manipulator zum Transport von Gegenständen an. Im selben Jahr gründete Devol zusammen mit Joseph F. Engelberger die weltweit erste Robotikfirma Unimation. Bereits 1961 kam der erste Industrieroboter „Unimate“ bei General Motors in Ewing Township (USA) zum Einsatz und wurde mit der Entladung einer Aluminium-Gussmaschine betraut.

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Industrieroboter sind Bewegungsautomaten, die sich innerhalb ihres Bewegungsspielraums frei programmieren lassen oder von Sensoren geführt werden. Einer gebräuchlichen Definition nach, handelt es sich bei einem Industrieroboter um eine in mindestens drei Freiheitsgraden programmierbare, mit Greifern oder Werkzeugen ausgerüstete Handhabungseinrichtung.

Als der Unimate 1961 erstmals zum industriellen Einsatz kam, hätte er rückblickend eine Sensation sein müssen, befeuert von jener Vorstellungskraft, die in der Literatur bereits Klassiker füllten.

Von einer Eroberung der Fabrikhallen konnte allerdings keine Rede sein, denn die Innovation fand nur sehr langsam den Weg in die Fertigung und wurde erst einige Jahre später als solche erkannt, als Japan 1968 massiv ins Robotergeschäft einstieg. Bereits kurz nach dem Erhalt einer Lizenz von Unimation begann der japanische Schwerindustriekonzern Kawasaki Heavy Industries 1969 mit der Produktion des ersten Industrieroboters namens Kawasaki-Unimate. Dies sollte auch den Wendepunkt markieren, als andere Industriestaaten die Bedeutung dieses Automaten für die Industrie erkannten. Ab diesem Zeitpunkt nahm die Entwicklung und der Einsatz von Industrierobotern Fahrt auf. 1974 zog der japanische Roboterspezialist Fanuc nach, entwickelte und installierte Roboter in den eigenen Werken in Japan. Bereits drei Jahre später startet Fanuc den Export von Industrierobotern.

Das Bild zeigt eine Demonstrationszelle im Fanuc-Werk (Oshino Mura), in der die intelligenten I-21i-Roboter das Handgelenk eines LR Mate Mini-Roboters zusammenbauen und dabei Zahnräder mittels Kraftsensoren einsetzen.
Das Bild zeigt eine Demonstrationszelle im Fanuc-Werk (Oshino Mura), in der die intelligenten I-21i-Roboter das Handgelenk eines LR Mate Mini-Roboters zusammenbauen und dabei Zahnräder mittels Kraftsensoren einsetzen.
(Bild: Fanuc)

Verfügte der Unimate noch über einen damals vorherrschenden hydraulischen Antrieb, folgte 1975 mit dem IRB 6 vom schwedischen Elektrotechnikunternehmen Asea (1988 verschmolz Asea mit dem Schweizer Unternehmen Brown Boveri zu dem heute bekannten ABB) der erste vollelektrisch angetriebene und mikroprozessorgesteuerte Roboter mit Intels erstem Chipsatz.

Bewegungen in fünf Achsen

Der Roboter ermöglichte Bewegungen in fünf Achsen bei einer Hubkraft von 6 kg. Entwickelt von Björn Weichbrodt, Ove Kullborg, Bengt Nilsson und Herbert Kaufmann wurde er von Asea in Schweden hergestellt. Das erste Modell, IRB 6, wurde zwischen 1972 und 73 im Auftrag des Asea-Geschäftsführer Curt Nicolin entwickelt und Ende August 1973 erstmals gezeigt. Das schwedische Unternehmen Magnussons in Genarp kaufte den ersten Roboter 1974, um Edelstahlrohre zu wachsen und zu polieren, die im 90°-Winkel gebogen wurden.

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