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Antriebstechnik Schaeffler schafft trotz Auto-Krise 2019 Umsatz auf Vorjahresniveau

| Redakteur: Stefanie Michel

Gute Nachrichten: Schaeffler konnte im Geschäftsjahr 2019 seinen Umsatz trotz einiger Widrigkeiten im Markt halten: Die Industriesparte wächst, weniger Wachstum gibt es hingegen in den Automotive-Sparten.

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Auf der Jahrespressekonferenz zum Geschäftsjahr 2019 verkündete Klaus Rosenfeld, Vorsitzender des Vorstands der Schaeffler AG, die Zahlen der Schaeffler Gruppe.
Auf der Jahrespressekonferenz zum Geschäftsjahr 2019 verkündete Klaus Rosenfeld, Vorsitzender des Vorstands der Schaeffler AG, die Zahlen der Schaeffler Gruppe.
(Bild: Schaeffler)

Der Umsatz der Schaeffler Gruppe liegt 2019 bei rund 14,4 Mrd. Euro (Vorjahr: rund 14,2 Mrd. Euro). Das Umsatzwachstum der beiden Automotive-Sparten ist leicht rückläufig, zeigte aber im zweiten Halbjahr eine positive Tendenz. Das Umsatzwachstum der Sparte Industrie kann zwar im Berichtsjahr zulegen, flacht aber in der zweiten Hälfte ab. Von den vier Kunden-Regionen trugen Greater China und Americas zum Umsatzwachstum bei. Europa und Asien/Pazifik hingegen waren rückläufig.

Die Schaeffler Gruppe erwirtschaftete 2019 ein Ergebnis (EBIT) in Höhe von 790 Mio. Euro – im Jahr 2018 lautete das Ergebnis 1.354 Mio. Euro. Der Grund für die Differenz: Im Berichtszeitraum ist der Umsatz mit Sondereffekten - vor allem Aufwendungen für die Transformations- und Effizienzprogramme in Höhe von 372 Mio. Euro belastet . Das EBIT vor Sondereffekten liegt somit bei 1.161 Mio. Euro. Dies entspricht einer EBIT-Marge vor Sondereffekten von 8,1 %. Maßgeblich für den Rückgang der EBIT-Marge vor Sondereffekten waren neben dem anhaltend schwierigen Umfeld und ein veränderter Produktmix in der Sparte Automotive OEM. Außerdem belasteten Aufwendungen für IT- und Digitalisierungsprojekte die Margenentwicklung.

Das den Anteilseignern des Mutterunternehmens zuzurechnende Konzernergebnis beträgt im Berichtszeitraum 428 Mio. Euro und liegt damit deutlich unter dem Vorjahresniveau (881 Mio. Euro). Das Ergebnis je Vorzugsaktie liegt bei 0,65 Euro (Vorjahr: 1,33 Euro). Auf dieser Basis wird der Vorstand der Schaeffler AG der Hauptversammlung die Zahlung einer Dividende in Höhe von 45 Cent je Vorzugsaktie vorschlagen.

Zum Geschäftsverlauf im Jahr 2019 sagte Klaus Rosenfeld, Vorsitzender des Vorstands der Schaeffler AG: „Wir konnten in einem schwierigen Umfeld unsere im Juli angepasste Prognose mit Blick auf das Umsatzwachstum erfüllen und die Zielmarke für die EBIT-Marge leicht übertreffen. Noch erfreulicher ist der starke Free Cash Flow, der mit 478 Mio. Euro die Erwartungen deutlich übertraf. Das Ergebnis des Jahres 2019 zeigt, dass sich unsere Aufstellung als globaler Automobil- und Industriezulieferer bewährt. Zum anderen sehen wir, dass sich die von uns ergriffenen Maßnahmen zur Stärkung der Kapital- und Kosteneffizienz sowie die Programme RACE, GRIP und FIT auszahlen.“

Industriegeschäft mit gutem Wachstum

Die Sparte Industrie steigert ihre Umsatzerlöse trotz einer abgeschwächten Dynamik der globalen Industrieproduktion auf 3.541 Mio. Euro (Vorjahr: 3.383 Mio. Euro). Währungsbereinigt lag das Umsatzwachstum bei 3,1 %, wobei der Umsatz in der zweiten Jahreshälfte auf dem Niveau des Vorjahrs lag. Das Umsatzwachstum war vor allem durch die Sektorcluster Wind in der Region Greater China und Railway in der Region Europa getrieben. Zudem trugen die Sektorcluster Raw Materials und Aerospace sowie Industrial Distribution positiv zum Wachstum bei. Einen Nachfragerückgang verzeichneten die konjunktursensitiven Sectorcluster Industrial Automation, Offroad und Power Transmission. Zwei von vier Regionen der Schaeffler Gruppe trugen im Berichtszeitraum zum währungsbereinigten Umsatzwachstum bei: die Region Greater China mit 23,4 % und Americas mit 2,9 %. Der Umsatz in Europa ging um 2,4 %, in Asien/Pazifik um 0,1 % zurück.

Die Sparte Industrie erzielte im abgelaufenen Geschäftsjahr ein EBIT vor Sondereffekten in Höhe von 373 Mio. Euro (Vorjahr: 370 Mio. Euro), was einer EBIT-Marge vor Sondereffekten von 10,5 % entspricht (Vorjahr: 10,9 %). Von den Sondereffekten in Höhe von insgesamt 147 Mio. Euro entfielen 137 Mio. auf das Programm FIT.

Die im Juli 2019 angepasste Ziele, ein Umsatzwachstum zwischen 2 bis 4 % und eine EBIT-Marge vor Sondereffekten von 10 bis 11 % zu erzielen, wurden erreicht.

Automotive OEM mit mit Umsatzrückgang in schwachem Markt

Die Sparte Automotive OEM erzielte im Berichtsjahr Umsatzerlöse in Höhe von 9.038 Mio. Euro (Vorjahr: 8.996 Mio. Euro). Währungsbereinigt ging der Umsatz im Vergleich zum Vorjahr um 0,8 % zurück. Der Markt im globalen Automobilgeschäft ist schwach, doch insgesamt liegt das Wachstum im Berichtsjahr über dem durchschnittlichen Wachstum der weltweiten Produktion von Pkw und leichten Nutzfahrzeugen, die im Berichtszeitraum um 5,6 % zurückging. Die akquirierten Aufträge betragen 2019 15,0 Mrd. Euro – ein Rekordwert, der maßgeblich von Auftragseingängen im Bereich E-Mobilität getrieben ist.

Das stärkste Umsatzwachstum auf währungsbereinigter Basis zeigte die Sparte in der Region Americas mit 7,4 %, gefolgt von Greater China mit 1,8 %, während der Umsatz in der Region Europa mit -6,0 % stark zurück ging. Von den vier Unternehmensbereichen der Sparte Automotive OEM konnte im Berichtsjahr lediglich der Unternehmensbereich E-Mobilität seinen Umsatz währungsbereinigt deutlich um 36,7 % steigern.

Im Berichtsjahr erzielte diese Sparte ein EBIT vor Sondereffekten in Höhe von 491 Mio. Euro (Vorjahr: 673 Mio. Euro). Der Rückgang der EBIT-Marge ist vor allem durch den preisbedingten Umsatzrückgang sowie einen veränderten Produktmix hervorgerufen.

Automotive Aftermarket mit Umsatzrückgang, Ergebnis über Prognose

Die Sparte Automotive Aftermarket verzeichnete im Berichtszeitraum mit einem Umsatz in Höhe von 1.848 Mio. Euro (Vorjahr: 1.862 Mio. Euro) einen währungsbereinigten Rückgang um 1,1 %, was auf die mit Abstand umsatzstärkste Region Europa zurückzuführen war. Der Umsatzrückgang in Europa betrug auf währungsbereinigter Basis 3,1 %. Ihm stand ein Umsatzanstieg in der Region Americas um 6,6 % gegenüber. Dieser war vor allem auf Bedarfsanstiege und Neukundengeschäft zurückzuführen. Die Region Greater China steigerte ihre Umsatzerlöse währungsbereinigt um 5,7 %, während die Umsatzerlöse in der Region Asien/Pazifik währungsbereinigt um 5,4 % zurückgingen.

Auf dieser Basis betrug das EBIT vor Sondereffekten 298 Mio. Euro (Vorjahr: 339 Mio. Euro), was einer EBIT-Marge von 16,1 % (Vorjahr: 18,2 %) entspricht. Die Bruttomarge ging aufgrund des gesunkenen Absatzvolumens bei gleichzeitig gestiegenen Produktkosten zurück. Die angepasste Prognose für das Geschäftsjahr 2019 vom 29. Juli 2019, wonach für die Sparte Automotive Aftermarket ein Umsatzwachstum vor Währungseinflüssen von minus 2 bis 0 % erzielt werden sollte, wurde erreicht.

Free Cash Flow deutlich über den Erwartungen

Der Free Cash Flow vor Ein- und Auszahlungen für M&A-Aktivitäten der Schaeffler Gruppe war mit 473 Mio. Euro (Vorjahr: 384 Mio. Euro) positiv. Damit konnte die angepasste Prognose vom 29. Juli 2019 eines Free Cash Flow vor Ein- und Auszahlungen für M&A-Aktivitäten von rund 350 bis 400 Mio. Euro deutlich übertroffen werden. Die Investitionsauszahlungen (Capex) für Sachanlagen und immaterielle Vermögenswerte lagen im Berichtszeitraum mit 1.045 Mio. Euro leicht unter dem Niveau des Vorjahrs (1.232 Mio. Euro). Dies entspricht einer Investitionsquote von 7,2 % (Vorjahr: 8,7 %).

Die Netto-Finanzschulden beliefen sich zum 31. Dezember 2019 auf 2.526 Mio. Euro (31. Dezember 2018: 2.547 Mio. Euro). Die Schaeffler Gruppe, deren Bilanzsumme sich zum 31. Dezember 2019 auf rund 12,9 Milliarden Euro (Vorjahr: rund 12,4 Milliarden Euro) belief, beschäftigte zum selben Stichtag 87.748 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter (Vorjahr: 92.478), was einem Rückgang von rund 5,1 % entspricht.

Prognose für das Jahr 2020

Für 2020 ist aber kaum Wachstum geplant, wie Rosenfeld erklärt: „Wir haben uns aufgrund des schwierigen Markt- und Wettbewerbsumfelds dazu entschieden, eine bewußt vorsichtige Prognose abzugeben.“ Sie liegt bei -2 bis 0 % bei den Sparten Industrie und Automotive OEM sowie 0 bis 2 % bei Automotive Aftermarket (siehe Grafik). „Sie berücksichtigt das, was wir per Anfang März über die aktuelle Umfeld- und Marktentwicklung wissen. Wie sich die Corona-Krise weiterentwickelt, kann zum jetzigen Zeitpunkt niemand genau sagen. Wir werden trotzdem alles daransetzen, unsere Ziele zu erreichen.“

Sparte (Prognose) Automotive OEM Autom. Aftermarket Industrie
Umsatzwachstum* -2 bis 0 % 0 bis 2 % -2 bis 0 %
EBIT Marge** 4,5 bis 5,5 % 13 bis 14 % 9,5 bis 10,5 %
* währungsbereinigt ** vor Sondereffekten

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