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Wälzlager SKF eröffnet leistungsfähigstes Großlager-Prüfzentrum der Welt

| Autor: Stefanie Michel

Fast genau zwei Jahre nach der Grundsteinlegung war es nun so weit: Am 21. Juni 2017 hat SKF in Schweinfurt das Sven-Wingquist-Testcenter feierlich eingeweiht. Damit ist das leistungsfähigste Großlager-Prüfzentrum der Welt eröffnet, um in Zukunft Großlager bis 6 m Durchmesser unter realen Bedingungen zu testen.

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Der Vorhang ist gefallen und man blickt auf den 11 m hohen, 9 m breiten „Superman“: den großen Wälzlagerprüfstand für Lager bis 6 m Durchmesser.
Der Vorhang ist gefallen und man blickt auf den 11 m hohen, 9 m breiten „Superman“: den großen Wälzlagerprüfstand für Lager bis 6 m Durchmesser.
(Bild: Stefanie Michel )

Nachdem der „Vorhang“ gefallen war stand er nun wie eine Wand vor den etwa 200 geladenen Gästen: Der größere der beiden Prüfstände des eben eröffneten Sven-Wingquist-Testcenters von SKF dominiert die Halle mit 9 m Breite und 11 m Höhe.

Für alle Beteiligten war es ein großer Tag im Werk 3 von SKF in Schweinfurt, denn dieses Prüfzentrum macht die unterfränkische Industriestadt und den SKF-Standort zum unangefochtenen Großlagerzentrum weltweit. Warum die Wahl auf Schweinfurt fiel? Da kamen mehrere Faktoren zusammen, wie Alrik Danielson, CEO der SKF-Gruppe, erklärte. Zum einen sind hier hervorragende Fachkräfte vorhanden, zum anderen sitzt an diesem Standort bereits die Großlagerentwicklung und 2009 wurden in die Großlagerfertigung vor Ort 120 Mio. Euro investiert. Hinzu kommt, dass sowohl das Bayerische Staatsministerium für Wirtschaft und Medien, Energie und Technologie als auch das Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit das Projekt mit 1,9 beziehungsweise 1,6 Mio. Euro gefördert haben.

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Die Bedeutung des Großlager-Prüfzentrums ist enorm. Vorhandene Simulationssoftware kann zwar beispielsweise eine Windkraftanlage in ihrer Funktion simulieren – aber nicht unter realen Bedingungen. So konnte bisher nie ein „Jahrhundertsturm“ abgebildet werden, obwohl der Anlagenhersteller sicherstellen muss, dass die Windkraftanlage über 20 Jahre funktioniert; dafür sorgen „konstruktive Sicherheitsreserven“. Eine solche Belastung kann am Prüfstand nun per Knopfdruck eingestellt werden. Aber auch bislang rätselhaften Schadensursachen will man auf die Schliche kommen. Die Erkenntnisse, die bei solchen Tests gewonnen werden, fließen dann wiederum in die Simulation ein, um diese ebenfalls weiterzuentwickeln. In der Produktentwicklung soll das hinzugewonnene Know-how dazu beitragen, dass zukünftige Großlager bei möglichst geringem Gewicht und minimaler Reibung in ihrer jeweiligen Anwendung eine maximale Haltbarkeit erzielen.

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Das Sven-Wingquist-Testcenter in Zahlen:
  • Spatenstich: Juli 2015
  • Grundrissfläche: 5200 m²
  • Verbaut wurden: 1650 m³ Beton, 700 t Stahl, 500 verschiedene Fassadenteile, 8 km Starkstromkabel, 2,5 km Hochspannungskabel, 6 km Netzwerkkabel, 1,2 km Lichtwellenleiter, 2,8 km Brandmeldekabel, 7 km Rohrnetz
  • Hauptwellenprüfstand: 9 m breit, 11 m hoch, 8 m tief, 7 t schwer; je 8 MN radiale und axiale Belastung, 64 radial und axial angeordnete Hydraulikzylinder, Drehzahl = 30 r/min
  • dynamischer Entwicklungsprüfstand: 300 t schwer; radiale Belastung von 7 MN, axiale Belastung von 3 MN, Drehzahl = 250 r/min

Man verspricht sich viel – sonst hätte SKF nicht 40 Mio. Euro in dieses Großlager-Prüfzentrum investiert: Erkenntnisse über die dynamischen Effekte im Lager bei unterschiedlichen Bedingungen, eine ressourcenärmere Herstellung von Großlagern bei größerer Robustheit, aber auch die Weiterentwicklung des eigenen Condition-Monitoring-Systems. Der Return on Invest steht nicht im Vordergrund, wie Danielson erklärte. Es sei eher ein strategischer Invest gewesen. Martin Johannsmann, Vorsitzender der Geschäftsführung der SKF GmbH konkretisiert das: „Es geht hier um eine Investition in Kompetenz.“ Von dieser Kompetenz soll letztendlich der Anwender in Form neuer, ressoourcensparender Produkte profitieren.

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Über den Autor

 Stefanie Michel

Stefanie Michel

Journalist, MM MaschinenMarkt