Suchen

Fachkräfte Starrag CEO: Fremdenfeindliche Schweiz hat obsiegt

| Redakteur: Robert Weber

Das Ja der Schweizer Bevölkerung zur SVP-Initiative „Gegen Masseneinwanderung“ trifft den Maschinenbau der Eidgenossen. Die große Mehrheit der Unternehmen bewertet das Ergebnis als Fehler. MM MaschinenMarkt sprach mit Betroffenen.

Firmen zum Thema

(Bild: SVP)

Nach dem Wahlsonntag ist für Prof. Dr. Frank Brinken, CEO der Starrag Group Holding, klar: „Die fremdenfeindliche, bäuerliche, ländliche Schweiz hat gegen den weltoffenen Industriestandort obsiegt.“ Er spricht gegenüber dieser Redaktion von einer hauchdünnen „Zufallsmehrheit“ von 19.000 Stimmen. Auch die Maschinen-, Elektro-, und Metall-Industrie (Swissmem) bedauert den Entscheid der Wähler sehr. „Damit wird die Fortsetzung des bilateralen Weges mit der Europäischen Union infrage gestellt“, befürchtet Ivo Zimmermann, Mitglied der Geschäftsleitung von Swissmem.

Austausch von Fachkräften wird massiv erschwert

Alle Gesprächspartner betonen die Bedeutung des europäischen Binnenmarkts für die Schweizer Wirtschaft. Rund 60 % aller Exporte der Schweizer MEM-Industrie gehen in EU-Länder.

„Die Auswirkungen sind noch nicht abzuschätzen, vermutlich haben jetzt sogar die rechtsextremen Initianten Angst vor Konsequenzen“, vermutet Starrag-Boss Brinken. Er hofft, dass der Bundesrat eine pragmatische Lösung findet, die dem freien Personenverkehr der Europäischen Union genügen wird. „Sicher ist, dass der Austausch von Fachkräften aus unseren Firmen in Indien, USA und China massiv erschwert wird“, ärgert sich der Schweizer.

Bildergalerie

Beim Verband Swissmem rechnen die Experten mit neuen bürokratischen Hürden, die zeitraubend für die Unternehmen seien werden. „Die Firmen werden sich damit arrangieren müssen“, heißt es.

Ähnlich sehen das die Verantwortlichen der Sulzer AG aus Winterthur. „Die nächsten drei Jahre wird sich voraussichtlich nicht viel ändern, mittelfristig wird uns dies aber stärker beschäftigen – mindestens ist damit zu rechnen, dass der administrative Aufwand steigt. Eine Kontingentierung wird uns voraussichtlich weiterhin ermöglichen, EU-Bürger einzustellen, dann leider mit höherem Arbeits- und Kostenaufwand als derzeit“, schreibt das Unternehmen. Als internationaler Konzern sei das gestrige Votum enttäuschend.

27 % der Beschäftigten kommen aus dem Ausland

In den Gesprächen wird deutlich: Ausländische Fachkräfte sind für die meisten Unternehmen nicht wegzudenken. Bei Starrag arbeiten 30 % Nicht-Schweizer an den drei Standorten in Genf, Fribourd und St. Gallen. Damit liegen die Werkzeugmaschinenbauer noch über dem Durchschnitt. Laut Statistik beschäftigt die MEM-Industrie 330.000 Menschen, davon kommen 27 % nicht aus dem Alpenland, 13 % von denen kommen aus EU und EFTA-Staaten, 9 % sind Grenzgänger und 5 % kommen aus Drittstaaten. Und auch bei Endress+Hauser forschen Mitarbeiter aus der ganzen Welt – hauptsächlich aus Deutschland, Frankreich und der Schweiz, heißt es.

(ID:42528696)