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Die SCF-Maßnahmen umfassen neben etablierten Konzepten wie Leasing oder Vendor Managed Inventory (VMI) auch innovative Ansätze, etwa das Reverse Factoring oder das Cash-Forwarding. Richtig eingesetzt versprechen sie großes Potenzial: Die Transaktionskosten pro Rechnung können um 75 % gesenkt oder bis zu 90 % der gebundenen Liquidität aus Forderungen gegenüber Lieferanten freigesetzt werden.
Warum Supply Chain Finanzierung dennoch nicht genutzt wird
In der Studie der H&Z Unternehmensberatung und der Hochschule München wurde auch der Verbreitungsgrad der angesprochenen SCF-Konzepte untersucht und analysiert vor welchen Widerständen sie stehen. Insbesondere bei kleinen und mittleren Unternehmen bestehen Hindernisse bei der Umsetzung von SCF-Konzepten.
Bei dem Zulieferer EME heißt es, dass viele Finanzverantwortliche in der Branche solche Konzepte gar nicht kennen. Auch existieren oftmals viele kleine Lieferanten, die nur ein begrenztes Produktportfolio liefern und dementsprechend sind die Bestellmengen gering. Diese Charakteristika sind umso gewichtiger, als sowohl das Transaktionsvolumen als auch die Machtposition der Hersteller und Lieferanten bei der erfolgreichen Anwendung von SCF zentrale Faktoren sind.
Allgemein bestehen große diffuse Unsicherheiten und Vorbehalte gegenüber SCF-Maßnahmen. Das fehlende Verständnis lässt die Verantwortlichen an der Wirksamkeit einzelner Maßnahmen und an ihrem Beitrag zur Kapitalkostensenkung und Liquiditätssteigerung zweifeln. Gerade die Abhängigkeit von zahlreichen Einflussfaktoren, unter anderem von der Anzahl an Lieferanten und Transaktionsvolumina, erschwert es abzuschätzen, ob sich ein SCF-Konzept lohnt und welches Potenzial jeweils in ihm steckt. Neben der mangelnden Bekanntheit stellt die Vielschichtigkeit der Ansätze und ihre Komplexität eine nicht zu unterschätzende Hürde dar.
Im Zuge der Studie hat h&z einen SCF-Kompass entwickelt, der eine Bewertung der SCF-Konzepte und ihrer Optimierungspotenziale ermöglicht. Die im Einzelfall vorliegenden Charakteristika der Supply Chain werden mit den Faktorenprofilen der einzelnen Konzepte abgeglichen. Das Ergebnis ist eine Übersicht über die geeigneten Konzepte und deren Beitrag zur Liquiditätsfreisetzung und Reduzierung der Kapitalbindung.
Uwe Basler, Geschäftsführer von EME, kennt das Konzept des Reverse Factoring. Bislang nutzt EME allerdings vorwiegend Handelskredite oder VMI. Vor allem durch Handelskredite können die langen Zahlungsziele der Kunden ausgeglichen oder an die Lieferanten weitergegeben werden. EME wählt dazu gezielt Lieferanten aus, die Erfahrungen mit langen Zahlungszielen gemacht haben. Die Hauptargumente für VMI sind aus Sicht von EME Prozessoptimierungen und die Reduktion des Bestands. Nicht nur bei EME gibt es also viele Gründe und noch viel Potenzial die eindeutig für den verstärkten Einsatz von SCF-Instrumenten sprechen. MM
* Thomas Mrozek ist Partner bei der H&Z Unternehmensberatung in 80331 München; Thomas Rilling ist Berater bei H&Z, Tel. (0 89) 24 29 69-87, thomas.rilling@huz.de
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