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Auslandsmärkte

Taiwans Maschinenbau setzt auf smarte Technik

| Autor / Redakteur: Manik Mehta / Stéphane Itasse

Maschinen werden smart: Der Hersteller FFG hat auf der Messe Timtos zahlreiche Anwendungen zur Digitalisierung vorgestellt.
Maschinen werden smart: Der Hersteller FFG hat auf der Messe Timtos zahlreiche Anwendungen zur Digitalisierung vorgestellt. (Bild: FFG)

Mit „Smart Technology“ will Taiwans Maschinenbauindustrie für sich auf den Weltmärkten eine solide Position aufbauen. Dabei spielt die Künstliche Intelligenz eine wichtige Rolle. Aufgrund dieser Stärke sowie seiner konkurrenzfähigen und breiten Produktpalette kann Taiwan heute auch gegen die etablierten Maschinenbauländer wie Deutschland, die Schweiz oder Italien bestehen.

Für die Insel nimmt die Digitalisierung eine hohe Priorität ein. Die Digitalwirtschaft wird vorangetrieben und macht sich in allen Lebensbereichen bemerkbar. Die Regierung sowie der Maschinenbauverband Taiwan Association of Machinery Industry (Tami) setzen sich auch für die Entwicklung und Produktion von hochwertigen Halbleitern für KI-Anwendungen ein.

Taiwan stemmt milliardenschwere Investitionen in Künstliche Intelligenz

„Wir legen Wert auch auf die Softwareentwicklung und Informationssicherheit. Die Regierung sieht dies auch ein,“ sagt ein Tami-Vertreter. Zu diesem Zweck hat Taipeh Anfang 2018 einen Taiwan Artificial Intelligence Action Plan verabschiedet. Der Plan sieht unter anderem eine Mittelzuweisung von nahezu 1,23 Mrd. US-Dollar vor. Das Geld soll im Zeitraum von 2018 bis 2021 zur Verbesserung der personellen und regulatorischen Voraussetzungen sowie zur Forschung und Anwendung von Künstlicher Intelligenz verwendet werden.

Wie der Tami-Vorsitzende Alex Ko in einem Gespräch mit MM Maschinenmarkt erläuterte, gehören Konzepte wie „Smart Technologies“ und „Smart Manufacturing“ zusammen. „Dabei spielt die künstliche Intelligenz eine außerordentlich wichtige Rolle. Als ein stark exportabhängiges Land hat Taiwan 2018 einen Rekordexportwert von 27,4 Mrd. Dollar in allen Segmenten der Maschinenbauindustrie erreicht“, sagte Ko. Er wies darauf hin, dass Taiwan mit einer Bevölkerung von 23 Millionen selbst ein relativ kleiner Markt sei und daher vom Export stark abhängig sei „Der Schlüssel zum künftigen Wachstum und Erfolg heißt Smart Manufacturing“, ist sich der Tami-Chef sicher.

Handelskrieg USA–China zwingt Taiwans Unternehmen zum Umdenken

Nach Ansicht von Ko sind durch Handelskrieg zwischen den USA und China viele Unternehmen, die ihre Produktionsanlagen seit Jahrzehnten auf dem chinesischen Festland aufgebaut haben, nun dazu gezwungen, neue Standorte in Südostasien zu suchen. Vietnam gilt als ein attraktiver Produktionsstandort wegen der niedrigen Produktions- und Arbeitskosten. „Die Position Chinas als Weltfabrik ist wegen der gestiegenen Arbeitskosten und der Handelsspannungen mit den USA nicht länger durchzuhalten,“ sagte Ko.

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„Der Handelskrieg zwischen den USA und China wird kurzfristig negative Auswirkungen auf der taiwanesischen Maschinenbauindustrie haben, aber langfristig wäre das sogar gut für unsere Industrie“, meinte der Tami-Chef weiter. Diese Meinung ist auch in der Maschinenbauindustrie weit verbreitet. Taiwanische Unternehmen, die an dem Taiwan Smart Manufacturing Media Day in Taipeh teilgenommen haben, sagten zu MM Maschinenmarkt, dass Roboter und Automatisierung als Rückgrat des Smart Manufacturing den Weg ebnen werden, in neuen Märkten Fuß zu fassen.

Maßgefertigte Roboterarme aus Taiwan auch in Europa gefragt

Ein Beispiel dafür, was die Konkurrenten in den Industrieländern erwartet, ist Techman Robot Inc. Das Unternehmen ist in Taichung City ansässig und hat sich auf die Produktion von maßgeschneiderten Industrierobotern spezialisiert. „Unser TM-Roboterarm hat zum Beispiel ein intelligent eingebautes visuelles System, das weltweit als einmalig ist. Die Roboter sind auch in Europa und Nordamerika bekannt, wo wir bereits eine starke Marktpräsenz aufgebaut haben. Wir suchen neue Absatzmärkte in der südostasiatischen Region“, sagt Unternehmenschef Haw Chen.

Das in Taoyun ansässige Unternehmen Delta, das sich auf Industrieautomatisierung spezialisiert und ein modernes Forschungszentrum aufgebaut hat, bietet Systeme wie CNC, Scara-Roboter und ähnliches an. Das Unternehmen, das auch integrierte maßgeschneiderte Softwareprodukte anbietet, hat Niederlassungen in Europa und den USA und baut eine Fabrik in Krishnagiri im indischen Bundesstaat Karnataka.

Die Leiterin der internationalen Verkaufsabteilung bei Delta, Lisa Shu, war „sehr zuversichtlich“ über „Smart Manufacturing“. Diese zukunftsweisende Technik werde die Maschinenbauindustrie revolutionieren. „Unsere kollaborativen Roboter sind Verkaufsschlager“, berichtet Shu.

Die ebenfalls in Taichung ansässige Fair Friend Gruppe (FFG) produziert unter dem Markennamen Feeler eine Vielzahl von Werkzeugmaschinen für die Automobilindustrie. „Die Autohersteller tragen zu 35 % unseres Umsatzes bei. Zu unserem Kundenkreis gehören BMW, Audi oder Mercedes-Benz. Der zweitwichtigste Kundenkreis ist der Energiebereich, dahinter kommen die Aufzughersteller. Aber wir liefern auch inzwischen der Luftfahrtindustrie und produzieren Teile für die Flugzeugtriebwerke der kommerziellen Maschinen sowie der militärischen Kampfflugzeuge. Die Abnehmer unserer Werkzeugmaschinen sind meistens Hersteller von Teilen und Komponenten, die ihre Produkte an die Luftfahrt-, Automobil- und Energiebereiche verkaufen. Das Unternehmen hat eine neue Serie von Bearbeitungszentren auf den Markt gebracht“, erläutert FFG-Verkaufsdirektor Andy Hung.

Hiwin will deutlich über Taiwan hinaus

Hiwin Technologies Corp mit Hauptsitz in Taichung ist ein führendes Unternehmen in der Robotertechnik, das sechs Fabriken in Taiwan sowie zehn Büros in Japan unterhält. Außerdem hat das Unternehmen eine Produktionsanlage sowie Forschungs- und Entwicklungszentren unter anderem in Deutschland, der Schweiz, den USA, Tschechien, Singapur oder Südkorea. Zur umfangreichen Produktpalette gehören auch Produkte wie Kugelumlaufspindeln, Linearantriebe, einachsige und multiachsige, Lager sowie medizinische Geräte und Ausstattungen. Derek Tsai, der Senior General Manager sagte, das Interesse für die Roboter und die Automatisierungskonzepte des Unternehmen sei so groß, das man auf der Hannover Messe ausstellte. Auch deutsche und andere europäische Käufer besuchten den Hiwin-Stand auf der Messe.

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Rebecca Hsieh, die Vizepräsidentin (Verkauf) bei Goodway Machine Corp. in Taichung, gab bekannt, die Firma baue eine neue Fabrik in China. Ihre Vertikaldrehmaschinen und Schleifmaschinen sind „geschätzte Produkte” in Auslandsmärkten. „Wir liefern auch schlüsselfertige Projekte. Europa ist unser wichtigster Markt und macht circa 30 % unserer Exporte aus. Nahezu 20 % unserer Mitarbeiter sind im Bereich Forschung und Entwicklung tätig. Das Unternehmen gibt etwa 5 % der Einnahmen für Forschung und Entwicklung aus. Unsere Produkte sind für ihre Qualitätsstandards weltweit bekannt“, meint Hsieh.

Goodway Machine Corp. will auf der Messe EMO Hannover 2019 CNC-Drehzentren oder Automatisierungsprodukte ausstellen. Hsieh meinte, die Marketingstrategie des Unternehmens für europäische Kunden sehe unter anderem die Einrichtung einer Bestandsplattform sowie eines Cloud-Service-Systems vor.

Quaser liefert aus Taiwan hauptsächlich nach Europa

Der auch in Taichung ansässige Konzern Quaser Machine Tools Inc. will die Präzision seiner Maschinen verbessern. „Unsere Märkte sind hauptsächlich in Europa“, sagt Rock Liao, Präsident des Unternehmens. „Unsere Konkurrenten sind meistens japanische Lieferanten. Unsere Produkte im Automatisierungsbereich, wie die der Japaner, gehören zu der mittel- und hochwertigen Kategorie. Wir haben drei Überseezentren – in St. Gallen (Schweiz), in Rock Hill, South Carolina (USA) und in Kunshan, China. 80 % der in Taiwan hergestellten Werkzeugmaschinen sind exportiert, aber bei Quaser werden 90 % der Produkte exportiert“, berichtet Liao.

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