Elektrotechnik Trotz Umsatzrückgang wegen Corona ist Lapp für 2021 optimistisch

Der Umsatz bei dem Kabel- und Verbindungstechnik-Unternehmen Lapp sank im Pandemie-Jahr 2020 um 7,7 %. Doch für 2021 ist man optimistisch. Datenkommunikation und Photovoltaik geben positive Signale.

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Auch das Kabel- und Verbindungstechnik-Unternehmen Lapp hatte 2020 mit einem Umsatzrückgang zu kämpfen, trotz deutlicher Umsatzzuwächse in den Bereichen Photovoltaik und industrielle Kommunikation. Im Bild zu sehen: die größte Photovoltaik-Freiflächenanlage Österreichs mit 34.600 Modulen.
Auch das Kabel- und Verbindungstechnik-Unternehmen Lapp hatte 2020 mit einem Umsatzrückgang zu kämpfen, trotz deutlicher Umsatzzuwächse in den Bereichen Photovoltaik und industrielle Kommunikation. Im Bild zu sehen: die größte Photovoltaik-Freiflächenanlage Österreichs mit 34.600 Modulen.
(Bild: Lapp)

Trotz weltwirtschaftlicher Eintrübung und der Covid-19-Pandemie hat sich Lapp laut Andreas Lapp, Vorstandsvorsitzender der Lapp Holding AG, im Geschäftsjahr 2019/2020 relativ robust behauptet: „Wir haben agil und innovativ auf die Herausforderungen reagiert, und konnten so wirtschaftliche Einbußen noch im Rahmen halten.“ Der Umsatz des Weltmarktführers für integrierte Lösungen der Kabel- und Verbindungstechnologie sank im abgelaufenen Geschäftsjahr 2019/2020 (1. Oktober bis 30. September) um 7,7 % auf 1.128 Mio. Euro. Die Zahl der Mitarbeiter ging um 1,6 % auf 4.575 Beschäftigte zurück. Das Ergebnis vor Steuern reduzierte sich auf 29,7 Mio. Euro.

Doch Andreas Lapp ist positiv gestimmt: „Trotz dieses Covid-bedingten Ergebnisrückgangs bin ich für die Zukunft optimistisch. Vor allem unsere Strategie, die digitale Transformation gemeinsam mit den Kunden voranzutreiben, hat sich in Zeiten der Pandemie als stabilisierender Faktor bewährt. Besonders stolz bin ich auf unsere Mitarbeitenden, die mit großem Einsatz und Leidenschaft dafür sorgten, dass wir auch in diesen schwierigen Zeiten unsere Kunden zufriedenstellen und sogar begeistern konnten.“ Für das laufende Geschäftsjahr gehe Lapp von 12 Monaten mit Coronaeinfluss aus, sagte er gegenüber dem MM Maschinenmarkt. „Wir haben aber im abgelaufenen Geschäftsjahr gewisse Segmente gehabt, die gegen den allgemeinen Trend gewachsen sind“, ergänzt Lapp. Dies war das Projektgeschäft, der Bereich E-Shop und auch in gewissen Marken- und Produktsegmenten sei man gewachsen. Ganz besonders sei man im Bereich Erneuerbare Energien gewachsen. Insgesamt sei man jedoch nicht gewachsen, „weil der Hebel für diese Produktgruppe entsprechend geringer ist“, so Georg Stawowy, Vorstand Innovation und Technik.

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Neben den wirtschaftlichen Auswirkungen der Pandemie wurde der Umsatzrückgang auch durch die gesunkenen Kupferpreise (-3,1% im Jahresdurchschnitt) sowie durch Wechselkurs-Schwankungen beeinflusst. Bereinigt um diese Faktoren lag der Umsatzrückgang bei -6,5 %, mit einem noch relativ stabilen Geschäftsverlauf in der ersten Hälfte des Geschäftsjahres und einer deutlichen Eintrübung in den Quartalen 3 und 4.

Region Amerika brachte stabile Umsätze

Sehr unterschiedlich haben sich die Umsatzerlöse in den Regionen entwickelt. Die Region EMEA (Europa, Naher & Mittlerer Osten und Afrika) ist mit rund 74 % Umsatzanteil die stärkste Region in der Lapp Gruppe. Sie erwirtschaftete im abgelaufenen Geschäftsjahr 833,4 Mio. Euro – das entspricht einem Minus von 6,3 % gegenüber dem Vorjahr. Die Region Amerika (Nord-, Mittel- und Südamerika) blieb mit 118,5 Mio. Euro gegenüber dem Vorjahr stabil. Die Region APAC (Asia Pacific einschließlich Indien) schloss das Geschäftsjahr mit 176,4 Mio. Euro oder einem Minus von 17,3 % deutlich schwächer ab. Dort wirkte sich die Covid-bedingte Eintrübung der Absatzmärkte bereits viel früher im Geschäftsjahr aus.

Eigenkapitalquote auf konstant hohem Niveau

Das Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (EBITDA) stieg auf 95,0 Mio. Euro (Vorjahr: 78,2 Mio. Euro), inklusive eines positiven Effektes durch die erstmalige Anwendung der IFRS 16 Regelungen (Verlagerung der Aufwendungen für Leasing in die Position der Abschreibungen). Das Ergebnis vor Steuern (EBT) betrug 29,7 Mio. Euro (Vorjahr: 48,3 Mio. Euro), zusätzlich beeinflusst durch bewertungstechnische Einmalaufwendungen im hohen einstelligen Millionenbereich. Das Eigenkapital ist auf 342,2 Mio. Euro (Vorjahr: 338,5 Mio. Euro) leicht gestiegen. Die Eigenkapitalquote blieb mit 45,7 % (Vorjahr 48,0 %) weiterhin auf konstant hohem Niveau. „Trotz der pandemiebedingten Einbußen stellt sich die Vermögens- und Finanzlage von Lapp ausgesprochen solide und robust dar“, bekräftigt Finanzvorstand Jan Ciliax. Grund für die leichte Abnahme der Eigenkapitalquote sei eine Bilanzverlängerung gewesen, das heißt, die Bilanzssumme ist um 86 Mio Euro angestiegen, erläutert Ciliax gegenüber dem Maschinenmarkt: „Das kam rein buchhalterisch durch die Einführung der IFRS-16-Regelung, die auch Leasing-Verbindlichkeiten berücksichtigt.“

Investitionen in Software- und Digitalisierungsprojekte höher als im Vorjahr

Das Investitionsvolumen für Sachanlagen und Immaterielle Vermögenswerte lag mit insgesamt 57,7 Mio. Euro um 13,8 Mio. Euro höher als im Vorjahr. Wesentlicher Grund für den Anstieg waren die Zugänge der Nutzungsrechte des IFRS 16 in Höhe von 28,3 Mio. Euro. Für immaterielle Vermögenswerte wurden 10,4 Mio. Euro investiert. Schwerpunkt waren hier Software- und Digitalisierungsprojekte. Die Aufwendungen für Sachanlagen betrugen 19,0 Mio. Euro. So wurde insbesondere an den europäischen Standorten in Gebäude, Maschinen und Anlagen, in die Logistik und den strategischen Ausbau der auf Ladesysteme spezialisierten Lapp Mobility GmbH investiert. Außerdem wurde im vergangenen Herbst in Hannover ein neues Logistikzentrum mit 68.000 Quadratmetern Grundstücksfläche in Betrieb genommen. Insgesamt wurden dort für Regalsysteme und eine Verpackungsanlage rund eine Mio. Euro investiert.

Mitarbeiterzahl sank leicht um 1,6 %

Weltweit sank die Zahl der Mitarbeiter um 1,6 % auf 4.575 Beschäftigte (Vorjahr: 4.650). Der prozentual höchste Rückgang erfolgte mit 5,9 % in der Region Nordamerika. In der Region LA EMEA blieb die Mitarbeiterzahl nahezu konstant. Wie bereits in den Vorjahren lag der Schwerpunkt der Personalentwicklung in der weiteren Qualifizierung der Mitarbeiter insbesondere im Bereich der digitalen Transformation. Von dieser Aufbauarbeit der vergangenen Jahre hat Lapp vor allem in der Pandemie profitiert. Dank der raschen Anpassungsfähigkeit und des versierten Umgangs mit digitalen Technologien konnte Lapp auch im Shutdown seine Leistungsfähigkeit erhalten. „Als Unternehmen haben wir sehr schnell reagiert und ein Konzept entwickelt, um die Gesundheit unserer Mitarbeiter zu schützen. Fast über Nacht haben wir auf Heimarbeit und digitale Meetings umgestellt und Online-Shops in Vertriebsgesellschaften eingeführt, die noch keine hatten. Alle arbeiteten zusammen. Das war und ist fantastisch zu sehen“, sagt Andreas Lapp. Entsprechend wurde auch die globale Personalentwicklung an digitale Formate wie Webinare oder Onlineschulungen angepasst. Parallel konnten ebenso die Kunden im Rahmen des Konzepts „Tech-Tuesday“ an über 20 Webinaren zu Themen wie Industrielle Kommunikation oder zu technischem Expertenwissen teilnehmen.

Schwerpunkt Industrielle Kommunikation

Digitalisierung und Industrie 4.0 spielen bei den Kunden eine immer wichtigere Rolle. In zahlreichen Ländern und Regionen, beispielsweise in China, USA, Italien, Österreich und Russland, konnte Lapp dem Abschwung trotzen und im Bereich Industrielle Kommunikation teilweise zweistellig wachsen. „Das Wachstum in diesen Hauptmärkten zeigt, dass der Trend trotz der Pandemie anhält. In Summe mussten wir weltweit zwar ein Minus von 1 % verkraften. Die Verluste waren somit deutlich geringer als in anderen Sparten, sodass sich der Bereich IC durchaus als ein stabilisierender Faktor in diesen schwierigen Zeiten ausgewirkt hat“, erklärt Stawowy. Deshalb wird dieses Segment auch in Zukunft Schwerpunkt bei der Entwicklung neuer Ethernet-basierter Produkte und Dienstleistungen sein. „In unserem FutureLab haben wir Verbindungslösungen und digitale Dienstleistungen vorgestellt, die der Kunde noch gar nicht kannte. Dabei handelt es sich um Innovationen, aus denen unsere Kunden im Zeitalter der Digitalisierung große Vorteile ziehen können“, betont Georg Stawowy.

Positiv hat sich auch der Bereich Erneuerbare Energien entwickelt.Insgesamt sehe man, dass dies Produktgruppe unter Corona nicht gelitten habe. Hier sehe man ein großes Potenzial. „Mit unserem Produkten sind wir seit über 15 Jahren auf dem Solarmarkt.“ Allerdings habe man eine Verkaufsdelle gehabt, weil die chinesischen Kabelhersteller mit teilweise subventionierten Produkten auf den Weltmarkt aufgetreten sind. „Dieser Markt wächst jedoch so stark, dass wir ihn auch mit unseren hochwertigen Produkten überzeugen können“, sagt Stawowy. Dazu müsse man auch wissen, dass dieser Markt sehr qualitätssensibel sei, auch wegen der extremen Umwelteinflüsse. „Bei den Produktgruppen Ölflex Solar für die Photovoltaik sind wir um 23 % gewachsen. Das ist ein klares Indiz, dass die Energiewende weiter voranschreitet. Mit unseren Verbindungslösungen für die Erneuerbaren Energien liegen wir sehr gut im Trend“, ergänzt Stawowy

Lapp rechnet mit nur langsamer Erholung

Auch das laufende Geschäftsjahr 2020/2021 wird von der Pandemie geprägt sein. Lapp rechnet deshalb mit einem gegenüber dem Vorjahr konstanten Geschäftsverlauf. Andreas Lapp: „Wir gehen davon aus, dass sich die Märkte nur langsam erholen werden. Ich vermute, dass wir erst, wenn der Lockdown beendet und die Bevölkerung ausreichend durchgeimpft ist, einen nachhaltigen Aufschwung spüren werden. Wie alle Unternehmen fahren auch wir momentan auf Sicht.“

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