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Geiss Twin-Sheet-Anlage für Leichtbau-Kfz-Luftkanäle

| Redakteur: Jürgen Schreier

Als universell bezeichnet die Geiss AG ihre Twin-Sheet-Thermoformmaschine mit Flash-Strahlern. Ob dem so ist, interessiert auch unsere Leser, wie die hohen Online-Zugriffszahlen auf diesen Artikel zeigen.

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Die erste Twin-Sheet-Thermoformmaschine, die kurz vor der Auslieferung steht, fertigt im 70-Sekunden-Takt acht Komponten für ein Kfz-Luftkanalsystem aus leichter PE-Schaumfolie.
Die erste Twin-Sheet-Thermoformmaschine, die kurz vor der Auslieferung steht, fertigt im 70-Sekunden-Takt acht Komponten für ein Kfz-Luftkanalsystem aus leichter PE-Schaumfolie.
(Bild: Geiss)

Bei der Verarbeitung von Schaumstoffen denkt zunächst kaum jemand an den Einsatz von Thermoformanlagen. Zu Unrecht! Die im oberfränkischen Seßlach ansässige Firma Geiss hat nach eigenen Angaben die erste Twin-Sheet-Thermoformmaschine ausgeliefert, die speziell für die Herstellung von sogenannten Airducts (Luftkanäle) aus geschlossenzelliger PE-Schaumfolie ausgerüstet wurde. Die Folie wird bei dieser Anlage über eine Rolle zugeführt.

Mit sogenannten Flash-Strahlern durch dick und dünn

Das Twin-Sheet-Verfahren wurde von Geiss ursprünglich für die zweischalige Fertigung von Surfbrettern entwickelt. Zunächst waren die Anlagen noch nach dem Open-Chamber-System aufgebaut. Nachdem der Markt mit diesen Spezialmaschinen gesättigt war, wurde das Verfahren aufgrund einiger Nachteile, die das Open-Chamber-Konzept mit sich brachte, allerdings nicht mehr weiter entwickelt. Erst durch die Einführung des Closed-Chamber-Konzepts erfuhr das Twin-Sheet-Verfahren eine Renaissance: Die beiden Folienzuschnitte decken dabei die geschlossene Maschinenbox ab, was zu thermischen Vorteilen und zu mehr Stabilität der Folien im weichen, aufgewärmten Zustand führt.

Eine weitere wichtige Voraussetzung, um Schaumfolien problemlos umzuformen, ist der Einsatz von Halogenstrahlern statt der herkömmlichen Quarzstrahler. Unter dem Begriff Flash-Strahler sind solche Wärmequellen bei Geiss seit Jahren erfolgreich im Einsatz. Das durch sie emittierte kurzwellige Infrarotlicht dringt vergleichsweise schnell und tief in thermoplastische Kunststoffe ein; so werden nicht nur relativ dicke Platten rasch auf Umformtemperatur gebracht, sondern auch die wärmeisolierende Schaumfolie wird durchwärmt, bevor ihre Oberfläche thermisch geschädigt wird.

Zusätzlich spart das Heizen mit solchen Halogenstrahlern zwischen 18 und 25 % der bei den üblichen Quarzsystemen benötigten Energie ein – im Rahmen der herrschenden Forderungen nach immer energieeffizienteren Anlagen ein nicht zu unterschätzender Vorteil der besonderen Geiss-Technik.

Twin-Sheet-Verfahren für alle Thermoplaste einsetzbar

Das spezielle Anlagenkonzept für die Verarbeitung dieser Schaumfolie wurde im Jahr 2013 entwickelt. Diese patentierte Neuentwicklung weist laut Geiss dem Twin-Sheet-Verfahren nun das gleiche Vorteilsspektrum zu, wie es bei der Verarbeitung einzelner Zuschnitte existiert. So werde das Verfahren für alle Thermoplaste universell einsetzbar und die Maschinen könnten dank der parametrischen Konstruktionsgrundlage der Geiss-Anlagen für beliebig große Formteile eingesetzt werden.

Aktuell werden bei jedem Takt zwei Folien mit je 4,5 mm Dicke und 1700 mm × 1700 mm Fläche verarbeitet. Die hier gezeigte Anlage erreicht dabei eine Taktzeit von 70 s. Im Jahr 1948 im fränkischen Seßlach gegründet, befasste sich Geiss zunächst mit der Herstellung von Formen für die Vakuumverformung. 1957 wurde die Fertigung von Vakuumformmaschinen aufgenommen, darunter die erste Vakuumformmaschine in Flachbauweise, die ersten Unterheizungen von Vakuumformmaschinen, die erste mikroprozessorgesteuerte Vakuumformmaschine sowie die erste automatische Plattenbeschickungsmaschine. Heute umfasst das Produktportfolio des 2003 in eine AG umgewandelten Unternehmens Thermoformmaschinen, CNC-Fräsmaschinen und Horizontalbandsägen.

Weitere Informationen: Geiss AG, 96145 Seßlach, www.geiss-ttt.com

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