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Metav 2020 umati – aus Projekten werden Produkte

| Redakteur: Udo Schnell

Götz Görisch, VDW, Abteilung Technik & Forschung, erläutert im Interview den aktuellen Stand, die Perspektiven und die Aktionen zu umati auf der Metav in Düsseldorf.

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umati – universal machine tool interface – basiert auf einer OPC UA Companion Specification.
umati – universal machine tool interface – basiert auf einer OPC UA Companion Specification.
(Bild: VDW)

Mit umati – universal machine tool interface – will der VDW zusammen mit Partnern eine universelle Schnittstelle für die Werkzeugmaschinenbranche schaffen. Diese Schnittstelle soll es ermöglichen, Werkzeugmaschinen und Anlagen einfach in kunden- und anwenderspezifische IT-Systeme einzubinden – das Schlagwort „der USB-Stick für Werkzeugmaschinen“ bringt den Anspruch auf den Punkt. Seit dem Jahr 2017, als der VDW das Projekt ins Rollen brachte, wurde viel Überzeugungsarbeit geleistet, Partner wurden gewonnen und Pilotprojekte gestartet. Nun verlässt das Projekt den reinen Pilotstatus: Erste konkrete Produkte rücken in greifbare Nähe. Auch auf der Metav in Düsseldorf ist umati ein Thema.

Götz Görisch, VDW: „Wir stoßen generell auf sehr großes Interesse, sowohl bei Endkunden als auch bei Maschinenbauern.“
Götz Görisch, VDW: „Wir stoßen generell auf sehr großes Interesse, sowohl bei Endkunden als auch bei Maschinenbauern.“
(Bild: VDW)

Herr Görisch, was werden die Unternehmen auf der Metav zur umati-Schnittstelle zeigen, oder andersrum gefragt, was dürfen die Besucher der Metav zu diesem Thema erwarten?

Die Besucher werden auf der Messe eine ähnliche Demonstration sehen wie auf der EMO Hannover. Wir haben sie in einigen Punkten überarbeitet, werden aber in groben Zügen das Gleiche zeigen wie auf der EMO Hannover.

Können Sie noch mal kurz skizzieren, was Sie auf der EMO Hannover gezeigt haben?

Wir haben dort auf der einen Seite eine Live-Vernetzung von 110 Maschinen an einem sogenannten Data -Hub gezeigt und auf der anderen Seite, der konsumierenden Seite, hatten wir 28 Software-Anbieter, die demonstriert haben, wie man die Daten aus den Maschinen gewinnbringend für den Kunden einsetzen kann. Wir haben damit gleichzeitig aber auch noch etwas anderes gezeigt: Wenn ein Standard richtig formuliert ist, von allen Beteiligten eingehalten wird und auf beiden Seiten richtig implementiert ist, dann ist zwischen dem Werkzeugmaschinenhersteller und dem Software-Anbieter keine Kommunikation mehr nötig. Wir kommen dem Versprechen von Plug-&-play schon sehr nahe!

Noch mal zur Metav: Welche Aktionen hat der VDW zum Thema umati vorbereitet?

Zum einen wird es einen Gemeinschaftsstand geben, wo wir zentral das Dash Board zeigen, das eine mögliche Anwendung der Daten darstellt. Gleichzeitig haben wir umati-Partner mit auf dem Stand, die ihre Fortschritte an der Arbeit darstellen. Und wir bespielen das Fachforum auf der Metav mit entsprechenden Inhalten. Dies werden umati-spezifische Fachvorträge sein. Zum Teil von uns als Verband, aber auch von ausstellenden Unternehmen, die aus ihrer Sicht präsentieren, was umati für sie und ihre Kunden bedeutet.

Wie sieht der aktuelle Entwicklungsstand bei umati aus? An welchen Punkten wird gearbeitet?

Wir haben im Nachgang der EMO Hannover, in der sogenannten Joint Working Group, der gemeinsamen Arbeitsgruppe mit der OPC Foundation, einen zweiten Entwicklungsstand, einen zweiten Entwurf veröffentlicht. Darauf kommt nun das Feed­back der Fachkollegen aus den beteiligten Firmen der Joint Working Group. Und wir sind dabei, für die geplanten zehn Use Cases die letzten Spezifikationsdetails zu bearbeiten und die Spezifikationsdokumente zu erstellen. Im März soll der sogenannte Release Candidate, also der Freigabekandidat, bei der OPC Foundation eingereicht werden.

Was bedeutet dies konkret für den Anwender?

Mit dem Einreichen des Release Candidates ist die Spezifikationsarbeit für alle öffentlich. Sie liegt zur Kommentierung und Einsichtnahme aus. Ab diesem Zeitpunkt können alle Unternehmen, auch die außerhalb der Kernarbeitsgruppe, basierend auf dem dann vorliegenden Dokument und den Unterlagen, ihre Implementierung planen. Konkret: Es können die ersten Prototypen mit der fertigen umati-Spezifikation entwickelt werden.

Der VDW hat das Thema umati im Jahr 2017 zum ersten Mal vorgestellt. Welche Reaktionen aus der Branche gibt es denn jetzt auf umati?

Wir stoßen generell auf sehr großes Interesse, sowohl bei Endkunden als auch bei Maschinenbauern. Die Endkunden haben sehr schnell verstanden, was ihnen umati in der Zukunft bringen wird. Und auch die Maschinenbauunternehmen, die damals und heute nicht mitgearbeitet haben, springen zunehmend auf den Zug auf und planen die Umsetzung von umati in ihren Produkten.

Wie steht es denn mit der konkreten Umsetzung? Können Unternehmen schon mit umati arbeiten?

Wir wissen, dass einige Unternehmen schon mit Prototypen arbeiten und in Pilotprojekten, basierend auf dem bereits vorliegenden Draft, erste Kundenprojekte umsetzen. Das ist sicherlich noch kein Produktivbetrieb. In die finale Entwicklung können alle Beteiligten erst gehen, wenn der Release Candidate vorliegt. Denn ab diesem Zeitpunkt werden sich nur noch sehr kleine, feine Details ändern.

Gibt es schon ein Datum, wann der Release Candidate vorliegen wird?

Es ist unser Plan, den Release Candidate im März einzureichen.

Die Werkzeugmaschinenbranche ist sehr international aufgestellt. Wie schreitet die Internationalisierung des Standards voran?

Auch international haben wir eine sehr gute Resonanz. Viele der asiatischen Maschinenbauer, die Dependancen in Deutschland haben, arbeiten bereits seit Anfang letzten Jahres an umati mit und haben auch auf der EMO Hannover entsprechend erste Umsetzungen gezeigt. Sie wollen sobald wie möglich ebenfalls Produkte auf den Markt bringen. Es gibt sicherlich den einen oder anderen, der noch nicht überzeugt ist, aber speziell unsere internationale Vorstellung von umati im November im Rahmen der Metalex in Thailand, hat dem Ganzen noch einmal sehr viel Sichtbarkeit und Schub gegeben.

Wie ist denn Ihre Perspektive für das laufende Jahr?

Wir gehen davon aus, dass es in der zweiten Jahreshälfte 2020 erste konkrete Produkte geben wird. Wenn wir unseren Fahrplan einhalten, werden sie auf der AMB im September zu sehen sein. Im Moment spricht alles dafür, dass wir den Plan einhalten.

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