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Turbo-Kompressoren "Unmögliche" Innovation: High-Speed-Turbo-Kompressor

Autor: Frank Jablonski

Druckluft ist eine Energieform, die in vielen Betrieben genutzt wird und noch Sparpotenzial in Erzeugung, Verteilung und Anwendung bietet. MM MaschinenMarkt sprach mit Boge-Geschäftsführer Thorsten Meier, wie ein Kompressoren-Hersteller diese Herausforderung annimmt.

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Thorsten Meier, Geschäftsführer Boge Kompressoren, im Gespräch mit MM-Chefredakteur Frank Jablonski. Der Impeller, den Meier in der Hand hält, muss etwa 120.000 Umdrehungen pro Minute aushalten können.
Thorsten Meier, Geschäftsführer Boge Kompressoren, im Gespräch mit MM-Chefredakteur Frank Jablonski. Der Impeller, den Meier in der Hand hält, muss etwa 120.000 Umdrehungen pro Minute aushalten können.
(Jablonski)

Wenn das Wort „Druckluft“ fällt, folgt in der Regel im selben Satz oder spätestens im nachfolgenden auch das Wort „Energieeinsparung“. Diese spezielle Form Energie in den Betrieben bereit zu stellen, wird zwiespältig betrachtet. Noch immer nutzt fast jeder produzierende Betrieb an der ein oder anderen Stelle dieses Betriebsmittel zur Werkstückreinigung, Versorgung pneumatischer Regelungen und Antriebe oder fördert Medien. MM MaschinenMarkt wollte vom Geschäftsführer Thorsten Meier des Kompressorenherstellers Boge wissen, an welchen Trends gearbeitet wird und wie die Strategie in diesem Markt aussieht.

Herr Meier, Druckluft ist die teuerste Energieform, die in der Industrie aus Strom hergestellt wird. Eine Faustformel sagt, dass von 100% nur etwa 5% übrig bleiben. Reiten Sie als Kompressoren-Hersteller da nicht „ein totes Pferd“?

Meier: (lacht laut auf) Schlecht vorbereitet auf das Interview, würde ich meinen! Diese Vorurteile kennen wir natürlich. Aber lassen Sie mich etwas ausholen: Boge ist mittlerweile in der vierten Generation von einem Mitglied der Familie geführt. Das soll so bleiben und setzt für uns die Rahmenbedingungen, denn diese Eigenständigkeit ist im Markt alles andere als üblich. Wir sind überzeugt: Druckluft hat weiterhin Zukunft. Energieeffizienz, Ölfreiheit und ein nicht unerheblicher Kostendruck, Trends wie Industrie 4.0 – das alles sind Themen, die uns in unserem Geschäft maßgeblich beeinflussen. Wir haben etablierte Produkte, die wir an aktuelle Gegebenheiten wie Wärmerückgewinnung oder intelligente Steuerungen anpassen. Die entwickelten Lösungen sind unter Effizienzgesichtspunkten durchaus wettbewerbsfähig.

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Das beantwortet noch nicht, ob das Pferd noch lebt. Noch machen Sie 120 Mio. Euro Umsatz. Wo sehen Sie denn den Markt der Zukunft, damit sich Ihre Investitionen auch lohnen?

Es gibt viele Druckluftanwendungen, die sich nur schwer durch andere Technologien ersetzen lassen. Nehmen Sie einen Lackierprozess, da wird auch weiterhin Druckluft benötigt. Druckluft ist zweifelsohne eine saubere Energiequelle. Eine Anwendung, die durch Maßnahmen wie Wärmerückgewinnung hocheffizient betrieben werden kann, zeigt keinen Unterschied mehr zu einer elektrisch betriebenen. Die Frage lautet vielmehr: Wie setze ich Druckluft intelligent ein? Und da gibt es viele Ansätze. Im Gegenteil, es kommen immer wieder neue hinzu, sodass ich nicht die Phantasie habe, dass Druckluft komplett verdrängt würde. Ich glaube nicht, dass wir ein totes Pferd reiten. Wir schauen uns genau an, wo das Pferd genutzt wird. Und wenn wir es reiten, dann machen wir es so, dass es auch möglichst lange durchhält.

Welches sind Ihre stärksten Anwendungsfelder?

Wir unterscheiden da: Zum einen gibt es die breite Masse der Industrieanwendungen, in die wir recht anonym liefern. Das reicht von Blasluft über Antriebe für Maschinen bis hin zu Werkzeugen – Sie werden kein Industrie-Unternehmen finden, wo nicht irgendwo auch ein Kompressor steht. Dann gibt es darüber hinaus Bereiche, in denen wir sehr genau auf die Anwendungen und Kundenwünsche eingehen. Medizintechnik ist so ein Beispiel, sie hat sehr eigene Anforderungen an Sicherheit, an Zuverlässigkeit, an Zulassungen, an Produkt-Know-how und Ölfreiheit – das kann nicht jeder. Das Motto lautet also, über die Druckluft hinaus, hinein in den Anwendungsfall zu gehen.

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