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China Market Insider Verarbeitende Industrie in China leidet weiter unter Coronavirus

| Redakteur: M. A. Benedikt Hofmann

Chinas Arbeiter kehren schrittweise an ihre Arbeitsplätze zurück, doch die verarbeitende Industrie des Landes wird weiterhin schwer von der Coronakrise gebeutelt.

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Unter dem Titel „China Market Insider“ berichtet der MM Maschinenmarkt ab jetzt regelmäßig aus dem chinesischen Markt.
Unter dem Titel „China Market Insider“ berichtet der MM Maschinenmarkt ab jetzt regelmäßig aus dem chinesischen Markt.
(Bild: ©vegefox.com - stock.adobe.com)

Die Regierung in Peking veröffentlicht optimistische Zahlen, denen zufolge die Mehrzahl aller Unternehmen inzwischen die Produktion wieder aufgenommen haben. Doch eine Umfrage der Vogel Communications Group und einem Partnerinstitut in China belegt, dass viele Unternehmen weiterhin mit ernsten Unterbrechungen ihrer Lieferketten, logistischen Problemen und nun auch noch mit einer wegen der weltweiten Coronavirus-Ausbreitung sinkenden Nachfrage ringen.

„Nahezu 100 %“ aller Unternehmen hätten etwa in den für die Wirtschaft wichtigen Provinzen Zhejiang, Jiangsu, Shanghai und Shandong inzwischen nach der Zwangspause wegen des Coronavirus wieder die Produktion aufgenommen, berichtete die amtliche chinesische Nachrichtenagentur Xinhua bereits am 17. März.

Nicht alle offiziellen Stellen zeichneten jedoch ein so rosiges Bild. Für kleinere und mittelgroße Unternehmen gelte, dass bis zum 28. März etwa 76 % die Arbeit wiederaufnehmen konnten, gab Chinas Ministerium für Industrie und Informationstechnologie (MIIT) vor wenigen Tagen bekannt. „Kleinere Unternehmen und der Privatsektor insgesamt leiden derzeit mehr als größere Unternehmen und Staatsbetriebe“, schrieb das Wirtschaftsmagazin Caixin.

Eine Umfrage der Vogel Communications Group und des „China Machinery Industry Information Institute“ unter in China tätigen Unternehmen im März ergab, dass zwei Probleme kurz nach den Zwangsschließungen durch die Coronavirus-Krise im Vordergrund stehen – die zum Teil gravierenden Unterbrechungen der Lieferketten und eine aufgrund der wirtschaftlichen Gesamtlage stark eingebrochene Nachfrage.

Leere Lager und Mangel an Arbeitskräften

Eigene Lager seien oft leer, und die Versorgung mit Rohmaterialien und wichtigen Teilen sei oft nicht sichergestellt, gaben die befragten Unternehmen an.

Auch ein andauernder Mangel von Arbeitskräften macht den Unternehmen in China derzeit stark zu schaffen. Manche Arbeiter könnten aufgrund von Reisebeschränkungen oder Transportproblemen ihre Arbeitsplätze immer noch nicht erreichen, gaben die befragten Unternehmen an. Und dort, wo die Arbeiter zurückkehren konnten, fehlt es bisweilen an den von der Regierung vorgesehenen Schutzmaterialien wie Thermometern, Masken oder Schutzanzügen.

Betriebe im Bereich der fortgeschrittenen Fertigungstechnik sind aufgrund ihrer komplizierten Lieferketten derzeit besonders schwer von der Krise betroffen. Doch auch das Gesamtbild für die herstellende Industrie in China bleibt vor allem wegen der internationalen Fabrikschließungen aufgrund der Coronavirus-Epidemie für die unmittelbare und mittlere Zukunft sehr schlecht. Marktbeobachter von Goldman Sachs haben kürzlich vorhergesagt, dass Chinas Wirtschaft nach Jahrzehnten ununterbrochenen Wachstums im ersten Quartal 2020 erstmals schrumpfen könnte - um bis zu neun Prozent.

Einzelne Signale der Besserung

Es gab jedoch auch Anzeichen für die erste zögerliche Erholung, seit China Mitte Januar wegen des Coronavirus das wirtschaftliche Leben des Landes zum Stillstand gebracht hat. Der Einkaufsmanager-Index für das Verarbeitende Gewerbe in China (PM1) stieg im März wieder auf 52.0, gab Chinas nationale Statistikbehörde in der vergangenen Woche bekannt. Im Februar war der Wert, der als wichtiges Barometer für die künftige Wirtschaftsentwicklung gilt, auf das historischen Tief von 35.7 gefallen. Auch verzeichneten einzelne Beobachter in China einen wieder wachsenden Verbrauch von Kohle und Strom, was gewöhnlich nur mit einem Anstieg der industriellen Produktion erklärt werden kann.

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