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Produktetrend Von der Prozessoptimierung bis zur Ersatzteilplanung

| Autor: Simone Käfer

Mit einem Analysekonzept können Anlagenbetreiber den Fertigungs­prozess verbessern oder sinnvoll Wartungs- und Instand­haltungsmaßnahmen planen. Auch eine Dienstleistung, die Ihr Ersatzteillager auf Vordermann bringt, haben wir entdeckt.

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Sämtliche Prozessdaten, die für den Brauvorgang notwendig sind, visualisiert „Factory Talk Analytics for Devices” von Rockwell.
Sämtliche Prozessdaten, die für den Brauvorgang notwendig sind, visualisiert „Factory Talk Analytics for Devices” von Rockwell.
(Bild: Great Lakes Brewing Company)
  • Für „Factory Talk Analytics for Devices” hat Rockwell Automation einen Bot entwickelt, der mit den Ingenieuren kommuniziert.
  • Spezifisch für jeden Maschinentyp prognostiziert Analytics-Engine von Weidmüller das Maschinenverhalten.
  • Softwerk bietet seinen Kunden einen Service für vorausschauende Ersatzteillagerung.

Mit der Digitalisierung kommt auch das Wissen über künftige Verschleißfälle bei Anlagenkomponenten oder Probleme im Prozess, wie etwa zu hohe Temperaturen. Ein kleiner Segen für Maschinenbetreiber, denn dieses Predictive Maintenance soll den Wartungstechniker gezielt zu einem Problem führen – und zwar noch bevor das Problem überhaupt entstanden ist. Das spart Zeit in dreierlei Hinsicht: Erstens ist der Techniker schon vor dem Maschinenstillstand vor Ort, zweitens sucht er nicht nach möglichen Fehlerquellen, sondern weiß sie bereits und drittens verkürzt sich der Stillstand erheblich.

Geht es nicht um drohende Maschinenstillstände, dann um den laufenden Prozess. Mit Analysesoftware können Ingenieure auf entscheidungsrelevante Daten zugreifen und die Qualität der Produkte erhöhen. Die Herausforderung für Anbieter solcher Software ist es, aus dem komplexen Datengewirr jene auszusondern, welche die benötigten Informationen liefern.

Der Anwender: Eine Brauerei für Craft-Bier

John Blystone, Elektro- und Kontrollleiter in der US-Brauerei Great Lakes Brewing (GLBC), ist diese Woche unser Produkttester. Die in Cleveland ansässige unabhängige Craft-Beer-Brauerei wurde bereits 1988 gegründet. Um ihre Prozesse zu verbessern, suchte sie eine neue Analyselösung, mit der sich die Produktion ohne Einbußen bei der Produktqualität skalieren lässt. Sie entschied sich für „Factory Talk Analytics for Devices” von Rockwell Automation, die ihr einen besseren Einblick in den Zustand ihrer Bierbrauausrüstung gewährt. So kann die Brauerei sowohl die Qualität verbessern als auch die Ausfallzeiten der Anlagen verringern.

Die Lösung bietet Zustands- und Diagnostikanalysen von in der Anlage eingesetzten Geräten. Die Anwendung basiert auf einem Bot namens „Shelby“, der mit Produktionsmitarbeitern mittels Spracherkennung interagieren kann. Diese Technik basiert auf dem Microsoft-Bot-Framework. Um das System sinnvoll nutzen zu können, also die Probleme der Brauereigeräte in Echtzeit identifizieren und adressieren zu können, wurden die Brauereimitarbeiter durch Microsoft Cognitive Services geschult.

Ergänzendes zum Thema
Anwenderblick
Drei Fragen an den Anwender

John Blystone ist Elektro- und Kontrollleiter bei Great Lakes Brewing Company. Die in Ohio beheimatete Craft-Bier-Brauerei setzt zwar laut eigener Aussage auf Regionalität, hat aber trotzdem bei Rockwell Automation in Wisconsin eingekauft. Warum eine Analysesoftware, in dem Fall speziell die „Factory Talk Analytics for Devices”, für eine Brauerei wichtig ist, erklärt Blystone.

„Durch die Anwendung erhalten wir umfassende Einblicke in unsere Prozesse”, erklärt John Blystone den Nutzen der Software.
„Durch die Anwendung erhalten wir umfassende Einblicke in unsere Prozesse”, erklärt John Blystone den Nutzen der Software.
( Bild: Great Lakes Brewing Company )

Das Craft-Bier-Geschäft boomt in den Vereinigten Staaten. Was zeichnet Ihre Brauerei aus?

Seit der Gründung steht für die Great Lakes Brewing Company die Qualität des Bieres im Mittelpunkt – bei den Zutaten, die wir für unseren Produktionsprozess verwenden und darüber hinaus.

Wenn die Zutaten im Mittelpunkt stehen, weshalb haben Sie sich eine Software angeschafft, die Ihre Maschinen kontrolliert?

Durch die Anwendung fortschrittlicher Analysen- und Hardware-Diagnose auf die Produktion erhalten wir umfassende Einblicke in unsere Prozesse und können die Qualität unserer Produkte weiter verbessern.

Zum Lösungskonzept von Rockwell Automation gehört Shelby, ein Bot, der mit Ihnen kommuniziert. Wie wichtig ist Shelby Ihrer Ansicht nach für die Anwendung?

Shelby spielte für uns beim Aufbau der vernetzten Anlage eine wesentliche Rolle, da wir vorhandene Daten nun besser nutzen können, um Probleme schneller zu beseitigen.

Das Analysekonzept von Weidmüller, Industrial Analytics, analysiert die komplexen Vorgänge innerhalb einer Maschine für ein sinnvolle Vorhersagen.
Das Analysekonzept von Weidmüller, Industrial Analytics, analysiert die komplexen Vorgänge innerhalb einer Maschine für ein sinnvolle Vorhersagen.
(Bild: Weidmüller)

Prozessanalyse auf die Anlage abgestimmt

Auch Weidmüller hat eine Software zur Anlagenanalyse entwickelt: Industrial Analytics. Eine applikationsspezifische Analytics-Engine überwacht und prognostiziert das Maschinenverhalten maßgeschneidert auf den jeweiligen Maschinentyp. Die komplexen Vorgänge innerhalb einer Maschine oder Anlage sollen aufgrund mathematischer und statistischer Verfahren von der Software so ausgewertet werden, dass Vorhersagen getroffen werden können. Weidmüller ist sich sicher, dass sich die Investition in Industrial Analytics innerhalb weniger Monate auszahlt.

Wartungsanalyse als Dienstleistung

Das österreichische Unternehmen Softwerk verkauft keine Software, sondern bietet sich als Analysewerkzeug an. Hier geht es allerdings darum, eine sinnvolle Ersatzteillagerung auszuarbeiten oder auch über ein Aufrüsten der Anlage nachzudenken. Zuerst sammeln Mitarbeiter von Softwerk die technischen Daten der Baugruppen, die in den Anlagen ihrer Kunden verbaut sind. Auf Wunsch können Kunden das aber auch selbst tun. Um seine Kunden über den richtigen Zeitpunkt einer Ersatzteillieferung zu informieren, hat der Dienstleister laut seiner Webseite Daten einiger Hersteller gespeichert. So seien Verfügbarkeit, Lieferzeiten und Preise von Bauteilen ermittelbar.

Bevor man sich auf eine Software einlässt, die mit empfindlichen Daten jongliert, sollte mit dem Anbieter auf jeden Fall ein Sicherheitskonzept und der Besitz der Daten geklärt werden. Das empfehlen zumindest Juristen.


Sie wollen Ihre Erfahrungen mit neuen Maschinen, neuer Software oder einem Servicedienstleister teilen? Dann werden Sie unser Produkttester der Woche! Schreiben Sie an: simone.kaefer@vogel.de

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Über den Autor

 Simone Käfer

Simone Käfer

Redakteurin für Additive Fertigung und Werkstoffe