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Konjunktur

Warum 2018 zum Rekordjahr für Maschinenbauer werden kann

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Brexit-Ausgang bleibt ungewiss

China, die USA und der Iran sind nur drei Problemländer für 2018 – weitere wie Russland oder das Vereinigte Königreich kommen hinzu. Besondere Besorgnis äußerte VDMA-Hauptgeschäftsführer Thilo Brodtmann angesichts der Verhandlungen mit den Briten um deren Ausstieg aus der EU: „Groß ist die Unsicherheit beim UK-Geschäft. Das ist unser viertgrößter Markt und je nachdem, wie jetzt die Verhandlungen um den Brexit ausgehen und ob wir ein Freihandelsabkommen rechtzeitig hinbekommen, macht es einen riesigen Unterschied für die künftigen Geschäftsbeziehungen.“ Die Zeit sei knapp und man müsse sehen, was in der verbleibenden Zeit bis 2019 erreicht werden könne.

„Wenn es gut läuft, ist es gut, aber das Risiko, dass uns die Zeit unterwegs ausgeht, ist hoch“, gab Brodtmann zu bedenken. Die Briten versuchten, ein gewisses Rosinenpicker-Verhalten an den Tag zu legen und jeweils Teile der EU-Abkommen mit Norwegen, der Schweiz und Kanada für sich zu reklamieren, aber das werde natürlich so nicht funktionieren. Aus Sicht der EU und der EU-Kommission werde das Angebot angesichts des bedauerlichen Austritts der Briten aus der Zollunion sein, ein Freihandelsabkommen nach kanadischem Vorbild abzuschließen. Denn dies sei im Grunde das am reifsten entwickelte und modernste Abkommen, das die EU habe. Die Briten seien der Auffassung, dass man das Freihandelsabkommen innerhalb von zwei Jahren erreichen werde. Dagegen stehe, dass die Verhandlungen über das bisher schnellste Abkommen, das mit Südkorea abgeschlossen wurde, immerhin fünf Jahre dauerten.

Hoffen auf das Inlandsgeschäft

Recht gelassen gab sich VDMA-Chefvolkswirt Ralph Wiechers hinsichtlich der konjunkturellen Entwicklung des Maschinenbaus: „Wir haben einen recht breiten Zyklusbereich im Auslandsgeschäft. Das läuft ja schon seit geraumer Zeit immer besser.“ Für 2018 seien erste Signale von Bedeutung, die darauf hindeuteten, dass sich nun auch das Inlandsgeschäft besser entwickle. Beim Auftragseingang hatte der Maschinen- und Anlagenbau von August bis Oktober 2017 ein Plus von 6 %. Das sei zwar immer noch deutlich weniger als die Zuwächse im Auslandsgeschäft, aber hier spüre man eben doch eine leichte Belebung, die auch dringend gebraucht werde. Denn im Inland müsse eine gewisse Investitionszurückhaltung überwunden werden, die immer noch auf die zurückliegende Wirtschaftskrise sowie die danach folgenden politischen Maßnahmen zurückzuführen war.

Der VDMA blickt optimistisch auf das neue Jahr. Auf über 230 Mrd. Euro könnte der Umsatz der Maschinenbaubranche 2018 steigen – ein neuer Rekord.
Der VDMA blickt optimistisch auf das neue Jahr. Auf über 230 Mrd. Euro könnte der Umsatz der Maschinenbaubranche 2018 steigen – ein neuer Rekord.
(Bild: DMG Mori)

Aber auch das Thema Unsicherheit aufgrund globaler Spannungen sowie einige technologische Umbrüche, wie etwa Industrie 4.0, hätten so manches Investitionsprojekt etwas verzögert, weil man zunächst analysieren wollte, was zu tun sei, um Industrie-4.0-fähig zu sein. Hierdurch habe sich im Inland ein Nachholbedarf ergeben und daraus lasse sich schließen, dass 2018 das Inlandsgeschäft beim Zuwachs eine deutlichere Rolle als in den letzten Jahren spielen werde.

In ihrem Sektorbericht über den deutschen Maschinenbau geht die Commerzbank davon aus, dass sich die Produktion auch 2018 um mehr als 2 % ausweiten wird. Dies sei auf eine robuste konjunkturelle Entwicklung im Inland und der Welt zurückzuführen, ebenso auf eine sich belebende Investitionstätigkeit der Unternehmen in Anlagen und Ausrüstungen. Die Ebit-Marge wird demnach im Branchenschnitt mit 5,1 % etwa konstant bleiben. Der Gesamtumsatz der Branche wird im nächsten Jahr um gut 3 % zulegen.

Vor dem Hintergrund zunehmender Industrialisierung werden China und andere Schwellenländer auch künftig Produkte deutscher Maschinenbauer nachfragen. „Das Geschäftsklima im deutschen Maschinenbau ist so gut wie seit fünf Jahren nicht mehr. Trotz intensiveren Wettbewerbs liegt die Kapazitätsauslastung mittlerweile wieder bei über 85 %“, so Dr. Alexander Mann, Sector Head Industrials der Commerzbank.

Die Voraussetzungen für ein erfolgreiches Jahr 2018 könnten derzeit kaum besser sein. Unsicherheitsfaktoren bleiben jedoch. Einige davon, etwa der schleppende Verlauf der Brexit-Verhandlungen, könnten starken Einfluss auf die Wirtschaft haben. Auch das protektionistische Verhalten der USA, des wichtigsten Absatzlands für den deutschen Maschinenbau, könnte großen Schaden anrichten.

* Ulrich Schamari ist freier Journalist in 60320 Frankfurt

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