Insolvenz Weltmarktführer für Schneidemaschinen beantragt Schutzschirmverfahren

Quelle: Pressemitteilung

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Lieferengpässe bedrohten zuletzt die Zahlungsfähigkeit der Polar Group. Nun hat der Weltmarktführer für Schneidemaschinen ein Schutzschirmverfahren beantragt.

Aufgrund von Lieferengpässen musste die Polar Group ihr Produktionsvolumen reduzieren. Gleichzeitig hielten Kunden sich mit Aufträgen zurück. Das Ergebnis: drohende Zahlungsunfähigkeit.
Aufgrund von Lieferengpässen musste die Polar Group ihr Produktionsvolumen reduzieren. Gleichzeitig hielten Kunden sich mit Aufträgen zurück. Das Ergebnis: drohende Zahlungsunfähigkeit.
(Bild: Miha Creative - stock.adobe.com)

Die Polar Group soll unter dem Schutzschirm saniert und mit allen rund 380 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern fortgeführt werden. Das teilte die Geschäftsleitung des Hofheimer Maschinenbauers heute auf einer Mitarbeiterversammlung nach den Werksferien mit. Zuvor hatte das Amtsgericht Frankfurt auf Antrag des Familienunternehmens dieses gerichtlich überwachte Verfahren eingeleitet.

Die Polar-Gruppe produziert Hightech-Maschinen für die Druck- und Verpackungsindustrie. Lieferengpässe von Steuerungen und anderen Komponenten für Schneidemaschinen sowie anderen Maschinen führten zuletzt zu Produktionsrückgängen und Umsatzeinbrüchen und bedrohten die Zahlungsfähigkeit.

Zur Polar Group gehören die 1906 gegründete

  • Adolf Mohr Maschinenfabrik GmbH & Co. KG,
  • die Polar-Mohr Maschinenvertriebsgesellschaft mbH & Co. KG sowie
  • die 1988 gegründete Dienst Verpackungstechnik GmbH.

Unter dem Schutzschirm verbleibt die operative Leitung und Verantwortung weiterhin bei diesen drei Unternehmen.

Was ist das Schutzschirmverfahren?

Das Schutzschirmverfahren ist gewissermaßen die Luxusvariante der Insolvenz in Eigenverwaltung. Es kann nur beantragt werden, solange das Unternehmen noch nicht zahlungsunfähig ist.

Weitere Infos

Arbeitsagentur zahlt bis Oktober die Gehälter

„Wir arbeiten mit allen rund 380 Mitarbeitern ungestört weiter, erfüllen alle unsere Verpflichtungen gegenüber unseren Kunden und setzen die bestehenden Kundenbeziehungen fort. Die Gehälter werden bis Ende Oktober von der Arbeitsagentur übernommen“, erklärte der Frankfurter Rechtsanwalt Dr. Robert Schiebe von der Restrukturierungskanzlei Schiebe und Collegen.

Schiebe wurde zum Generalbevollmächtigten der Polar Gruppe bestellt, um die Sanierung zu unterstützen. Überwacht wird das Verfahren von dem Frankfurter Rechtsanwalt Dr. Jan Markus Plathner von Brinkmann & Partner, der vom Amtsgericht Frankfurt zum vorläufigen Sachwalter ernannt wurde.

Die drei Unternehmen der Polar Group sind auf einem 50.000 Quadratmeter großen Grundstück am Bahnhof in der Stadt Hofheim tätig. Im Kerngeschäft der Druckweiterverarbeitung ist Polar Mohr seit Jahrzehnten Marktführer für Schneidemaschinen, von denen rund 80 Prozent exportiert werden.

In den letzten Jahren konnten die Bereiche Service und Wartung sowie Digital- und Verpackungsdruck erheblich ausgebaut werden. Die Krise in der Druckindustrie führte zu Umsatzrückgängen und Verlusten. In 2021 ist der Umsatz zwar wieder gestiegen, aber dieses Wachstum wird durch die aktuellen Lieferengpässe auf Materialseite gefährdet.

Schwierigkeiten bei der Auslieferung

„Im Bereich Verpackungstechnik mit dem Schwerpunkt Lebensmittelindustrie, in dem wir seit 2011 tätig sind, konnten wir wachsen und sind Weltmarktführer bei Verpackungsmaschinen für Tiefkühl-Pizzen geworden“, so Michael Wombacher, Geschäftsführer der Polar Group. „Im letzten Jahr und auch im ersten Halbjahr 2022 stieg der Gruppenumsatz. Lieferengpässe bei Steuerungen und anderen Komponenten haben jetzt das Produktionsvolumen deutlich reduziert, da wir fast fertige Maschinen nicht an Kunden ausliefern können. Zudem halten sich Kunden mit Neuaufträgen zurück, weil wir Auslieferungen nicht mehr zeitlich planen können."

„Nach dem Einbruch der Auslieferungen, dem reduzierten Auftragseingang und der ungewissen Entwicklung hat sich die Polar Group frühzeitig unter den Schutzschirm begeben. Das erleichtert eine schnelle und nachhaltige Restrukturierung", so der neue Generalbevollmächtigte Schiebe. „Noch hat die Gruppe genügend Luft und ist nicht zahlungsunfähig.“

Die Gruppe verfüge zudem über genügend Substanz, beispielsweise in Form des 50.000 Quadratmeter großen Grundstücks in der Stadt. Polar sei des Weiteren in mehreren Bereichen der Druckweiterverarbeitung und Verpackungstechnik führend. Schiebe ist daher zuversichtlich, dass das Unternehmen in den nächsten Monaten saniert werden und die Arbeitsplätze erhalten werden können.

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