Organisation Wenn der Produktions-Footprint nicht mehr passt

Autor / Redakteur: Volker Lindemann / Claudia Otto

In vielen Industrieunternehmen passen die Produktionsstrukturen nicht mehr zu den Anforderungen und Marktbedarfen. Um diese Diskrepanzen zu beseitigen, ist in der Regel eine Reform des gesamten Produktions-Footprint nötig. Bei dieser Umgestaltung sollte auch der Faktor Nachhaltigkeit berücksichtigt werden.

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Unternehmen, die in global verteilten Werken viele Produkte mit hoher Variantenvielfalt fertigen, geraten bei ihren Optimierungsbemühungen regelmäßig in einen Zielkonflikt.
Unternehmen, die in global verteilten Werken viele Produkte mit hoher Variantenvielfalt fertigen, geraten bei ihren Optimierungsbemühungen regelmäßig in einen Zielkonflikt.
(Bild: Sergey Nivens - Fotolia.com)

Mehr als je zuvor stehen Unternehmen der produzierenden Industrie vor der Herausforderung, kurzfristig und mit hoher Flexibilität auf Schwankungen in ihren Absatz- und Beschaffungsmärkten reagieren zu müssen. Die Produktvielfalt wird stetig größer, Bedarfe und Produktionskapazitäten optimal aufeinander abzustimmen immer schwieriger.

Für Industrieexperten wie Dr. Michael Staudinger von der TMG Consultants GmbH in Stuttgart steht zweifelsfrei fest: „Die wachsende Komplexität in der Produktion in den Griff zu bekommen, ist im Zuge der Globalisierung zu einer immer wichtigeren strategischen Erfolgsposition avanciert.“

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Strukturelle Schieflage ganzheitlich angehen

Im betrieblichen Alltag treffen Staudinger und seine Beraterkollegen allerdings noch oft auf Rahmenbedingungen, die sich zusammengefasst dadurch charakterisieren lassen, dass der historisch gewachsene Footprint unter den geänderten internationalen Marktkonstellationen, den unterschiedlich sich entwickelnden Kostenniveaus und der gewachsenen Bedeutung von Umweltvorschriften und anderen nachhaltigkeitsorientierten Regulierungsmaßnahmen nicht mehr so richtig passt.

„Mit partikulären Kosteneinsparinitiativen lassen sich diese strukturellen Nachteile nicht wettmachen“, mahnt Staudinger. Gefordert sei stattdessen eine Reformierung des gesamten globalen Operations Footprint.

Faktorkosten, Ressourcenbedarf und Servicegrad austarieren

Unternehmen, die in etlichen global verteilten Werken eine Vielzahl von Produkten mit einer noch deutlich größeren Variantenvielfalt zu fertigen haben, geraten bei ihren Optimierungsbemühungen nach TMG-Erkenntnissen regelmäßig in einen Zielkonflikt: Niedrigere Produktionskosten lassen sich in vielen Fällen durch eine Verlagerung der Produktion in Low-Cost- oder Best-Cost-Länder realisieren. Wer solche Standort-Kostenvorteile für sich ausnutzen möchte, muss dafür allerdings eine Dezentralisierung seiner Produktion in Kauf nehmen. Für das betreffende Unternehmen wird es dann aber schwierig, Mengendegressionsvorteile zu erzielen. Diese sind bekanntlich am größten, wenn die gesamte Produktion über ein zentrales Werk abgewickelt werden könnte.

Eine solche Lösung steht allerdings in Konflikt zum dritten Einflussfaktor, dem maximalen Servicegrad, und dem Ziel, die Produkte möglichst kundennah zu fertigen. Produktionsstätten werden ja schon längst nicht mehr nur aus exportrechtlichen Erwägungen in der Nähe der Absatzmärkte errichtet. Versorgungszeiten und -zyklen sowie die Erwartung der Kunden nach kurzfristiger Verfügbarkeit haben bei Produktionsstandort-Entscheidungen inzwischen einen mindestens genauso großen Einfluss.

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