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Insolvenzverwaltung

Wenn die Maschine nicht durch das Werkstor passt

| Autor/ Redakteur: Ilka Stiegler / Melanie Krauß

Im Falle einer Insolvenz werden Maschinen und Anlagen zunächst bewertet und schließlich weiterverkauft. Besonders die Abholung kann allerdings zu einer Herausforderung werden – dann ist viel Fingerspitzengefühl gefragt.

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Wenn die Maschine nicht durch das Werkstor passt: Bei der biebertaler stanz- und umformtechnik mussten drei große, tonnenschwere Pressen über das Dach aus der Halle bewegt werden.
Wenn die Maschine nicht durch das Werkstor passt: Bei der biebertaler stanz- und umformtechnik mussten drei große, tonnenschwere Pressen über das Dach aus der Halle bewegt werden.
(Bild: Hämmerle GmbH & Co. KG)

Meldet ein Unternehmen Insolvenz an, veranlasst der Verwalter in der Regel eine Inventarisierung und Bewertung des beweglichen Anlagevermögens, sprich der Maschinen und Anlagen sowie der Betriebs- und Geschäftsausstattung. So auch im Falle der b.s.u. biebertaler stanz- und umformtechnik GmbH, welche im Mai 2016 als Teil der Hock-Gruppe mit sieben weiteren Unternehmen Insolvenz anmelden musste.

Die international agierende Unternehmensgruppe Hock war seit über 65 Jahren als Zulieferer für den Automobilbau und die Elektroindustrie tätig. Rund 900 Mitarbeiter fertigten vor allem Teile aus Blech, Kunststoff und Metallpulver-Spritzguss für namhafte Kunden. Als einer der Gründe für die Insolvenz wurden Liquiditätsschwierigkeiten genannt. Das Gericht bestellte Dr. Jan Markus Plathner von der Kanzlei Brinkmann & Partner als vorläufigen Insolvenzverwalter der biebertaler stanz- und umformtechnik, für die anderen Gesellschaften der Gruppe wurde unter anderem Michael Pluta von der Pluta Rechtsanwalts-GmbH als Verwalter eingesetzt. „Wir erhielten damals den Auftrag für die kurzfristige Sachaufnahme und die Bewertung des beweglichen Anlagevermögens für alle acht Gesellschaften“, erinnert sich Peter Hämmerle, Geschäftsführer der Hämmerle GmbH & Co. KG.

Gefragt sind Schnelligkeit und eine optimale Vermarktung

Auch tonnenschwere Maschinen für die Blechbearbeitung gehörten zum Inventar der biebertaler stanz- und umformtechnik.
Auch tonnenschwere Maschinen für die Blechbearbeitung gehörten zum Inventar der biebertaler stanz- und umformtechnik.
(Bild: Hämmerle GmbH & Co. KG)

„Innerhalb von zwei Wochen führten wir die Vor-Ort-Aufnahmen als Grundlage der Inventarisierung durch und erstellten ein umfangreiches Wertgutachten dazu. Alleine in der biebertaler stanz- und umformtechnik erfassten wir rund 900 Gegenstände“, erzählt Peter Hämmerle. Zunächst wurde in allen Gesellschaften weiterproduziert, nach und nach fanden die Beteiligten passende Investorenlösungen für eine Weiterführung der Unternehmen.

Lediglich für das 1962 gegründete Traditionsunternehmen biebertaler stanz- und umformtechnik mit seinen rund 90 Mitarbeitern konnte kein Investor gefunden werden. „Wir erfuhren im November 2016, dass der Geschäftsbetrieb des Metallbauunternehmens zum 31. 12. 2016 eingestellt wird. Die Abwicklung sollte bis 31. 03. 2017 erfolgen“, berichtet der Sachverständige und öffentlich bestellte Auktionator. „Ende November skizzierten wir im Betrieb vor Ort die Rahmenbedingungen für eine kurzfristige Verwertung der Betriebs- und Geschäftsausstattung. Die Inventarisierung und Bewertung der 900 erfassten Posten lag ja bereits vor. Rund 400 davon sollten schließlich durch uns verkauft werden.“

Die Mitarbeiter der Hämmerle-Gruppe beklebten schließlich vor Ort alles, was verkauft werden sollte, und erstellten eine umfangreiche Fotodokumentation. Die Objekte umfassten große Teile der Betriebs- und Geschäftsausstattung, vom Etikettendrucker über Lagereinrichtungen bis hin zu Messtechnik und Werkzeugen. Auch zehn große Markenpressen und Stanzautomaten mit einem Gewicht von mehreren Tonnen gehörten dazu.

„Wir entschieden uns aufgrund des vorgegebenen Zeitraums, des Umfangs und der Art der Objekte für eine Onlineversteigerung. Diese führten wir von Ende Januar bis Ende Februar mit überdurchschnittlichem Erfolg auf unserer internationalen Plattform durch“, so Hämmerle. „Fast alles fand einen Abnehmer. Wir verkauften in kurzer Zeit 400 verschiedene und teils spezielle Artikel an 69 Käufer aus neun Ländern. Mit den Ergebnissen lagen wir weit über dem vorher ermittelten Zerschlagungswert. Der Insolvenzverwalter erhielt so mehr Geld für die Masse und die Auszahlung an die Gläubiger.“

Herausforderungen bei der Abholung meistern

Die Abholung der gekauften Waren wurde ebenfalls durch Hämmerle begleitet. „Auch wenn gerade die großen Maschinen häufig vorher besichtigt werden, halten die Abholungstage bei diesem Umfang an Objekten oft die eine oder andere Überraschung bereit“, berichtet Hämmerle. Bei der biebertaler stanz- und umformtechnik mussten zum Beispiel drei große, tonnenschwere Pressen mit einem Kran über das Dach aus der Halle bewegt werden, weil sie nicht durchs Tor passten.

„Wir haben auch schon erlebt, dass die neuen Besitzer sich beim Gewicht oder der Größe der Maschinen verschätzen und dann die von ihnen bestellten Fahrzeuge diese nicht abtransportieren konnten. Bisher wurden aber alle Herausforderungen gelöst, auch wenn wir dann manchmal noch den einen oder anderen zusätzlichen Abholtag organisieren mussten – aber das gehört zu unserem Geschäft“, ergänzt Hämmerle.

* Ilka Stiegler ist Geschäftsführerin der ABG Marketing GmbH & Co. KG. Weitere Informationen: Hämmerle GmbH & Co. KG, Tel. 08 70 99 49 90-20, info@haemmerle.de, www.haemmerle.de

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