Zerspanungstechnik/Umformtechnik Werkzeug- und Formenbau am Scheideweg

Redakteur: Bernhard Kuttkat

Die Konkurrenz aus dem asiatischen Raum nimmt zu, die Preisspirale dreht sich nach unten, die Nachfrage ist noch schwach – deutsche Werkzeugbauer stehen am Scheideweg. Allein auf bessere Zeiten zu hoffen, führt ins Abseits. Nur wer seine Wettbewerbsfähigkeit steigert, wird erfolgreich sein.

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Prof. Günther Schuh, Direktor des WZL der RWTH Aachen: „Der Werkzeugbau neigt zur Übererfüllung von Kundenforderungen.“ Bild: Kuttkat
Prof. Günther Schuh, Direktor des WZL der RWTH Aachen: „Der Werkzeugbau neigt zur Übererfüllung von Kundenforderungen.“ Bild: Kuttkat
( Archiv: Vogel Business Media )

Manchen deutschen Werkzeugbauunternehmen geht es derzeit wie Fünf-Sterne-Hotels, deren Auslastung deutlich abgenommen hat, weil Drei-Sterne-Hotels die Bedürfnisse der Kunden erfüllen – mit diesem Vergleich fokussiert Prof. Günther Schuh, Direktor des WZL der RWTH Aachen, das Dilemma deutscher Werkzeugbauer und stellt fest: „Der deutsche Werkzeugbauer neigt zur Übererfüllung von Kundenforderungen.“

Asiaten bedrängen deutschen Werkzeugbau

Seiner Auffassung nach ist die deutsche Werkzeugbaubranche vor allem durch die Preise der Mitbewerber im asiatischen Raum gefährdet, die bis zu knapp einem Drittel unter den Kosten eines deutschen Werkzeugbaubetriebs liegen.

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„Das Hauptproblem unserer Branche sind die Preise — und das schon seit Längerem“, konstatiert Willi Schmid, Geschäftsführer des Verbandes Deutscher Werkzeug- und Formenbau (VDWF) in Schwendi. Es werde immer schwieriger, mit „teueren“ Werkzeugen aus Deutschland einen Auftrag zu erhalten. Allerdings seien komplexe Werkzeuge davon viel weniger betroffen.

Werkzeugbau-konjunktur hängt an Produktentwicklungszyklen

Bislang sind die meisten deutschen Werkzeugbauer von der Krise relativ verschont geblieben. „Grund dafür ist, dass die Werkzeugbau-Konjunktur an den Produktentwicklungszyklen der Kunden hängt und nicht an der Konjunktur in den Kundenbranchen“, erläutert Engelbert Adam, Vorsitzender der VDMA-Fachgruppe Werkzeugbau.

Derzeit gibt es jedoch die besondere Situation, dass die großen Kunden in erster Linie die eigenen Kapazitäten auslasten. „Es gibt nicht nur weniger neue Modelle als erwartet“, so Adam, „sondern auch einen geringeren Anteil an Aufträgen, die an externe Werkzeugbaubetriebe vergeben werden.“

Werkzeugbau kommt 2009 mit moderaten Einbußen davon

Wie die statistischen Daten zeigen, mussten Werkzeugbauer im Vergleich zu manch anderen Branchen „moderate“ Umsatzeinbußen hinnehmen. So betrug der Produktionsrückgang im ersten Halbjahr 2009 im Vergleich zum Vorjahreszeitraum 11%. Innerhalb der ersten neun Monate 2009 reduzierte sich der Umsatz um 17%, der Auftragseingang um 20%, jeweils im Vergleich zum Vorjahreswert.

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