Metav Digital „Wir werden auch digital ein echtes Messeerlebnis bieten!“

| Aktualisiert am 16.03.2021Autor: M. A. Benedikt Hofmann

Im Gespräch mit MM-Chefredakteur Benedikt Hofmann gibt Dr. Wilfried Schäfer, Geschäftsführer des VDW erste Einblicke in die kommende Metav Digital. Außerdem erklärt er, warum es auch dann eine „echte“ Metav 2022 geben wird, wenn sich die digitale Schwester als Erfolg erweist.

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VDW-Geschäftsführer Dr. Wilfried Schäfer gibt im Interview Einblicke in das Programm der Metav Digital.
VDW-Geschäftsführer Dr. Wilfried Schäfer gibt im Interview Einblicke in das Programm der Metav Digital.
(Bild: Uwe Nölke/VDW)

Dr. Schäfer, wie haben Sie und der VDW in seiner Funktion als Messeveranstalter die vergangenen Monate erlebt?

Sie haben ja selbst verfolgt und darüber berichtet, wie Corona in die Messelandschaft eingeschlagen ist. Die großen Messeveranstalter mit eigenem Gelände sind natürlich noch stärker betroffen als wir. Es ist aber generell für jeden Messeveranstalter eine sehr herausfordernde Situation gewesen. Zunächst betrifft uns natürlich der Umsatzeinbruch, bedingt durch die Veranstaltungsabsagen. Hinzu kommt die Herausforderung, sich den Ausstellern gegenüber richtig zu verhalten, also trotz einer unsicheren und sich schnell verändernden Situation rechtzeitig zu reagieren und für Klarheit zu sorgen. Die Rückmeldungen unserer Aussteller zeigen, dass wir das sehr gut hinbekommen haben, unter anderem dadurch, dass wir früh ins Risiko gegangen sind und die Messe rechtzeitig abgesagt haben.

Mit den Metav Websessions haben Sie sehr schnell eine Alternative geboten. Welches Fazit ziehen sie für diese Aktivitäten?

Es wurde 2020 schnell absehbar, dass alle Messen abgesagt werden müssen. Also haben wir uns die Frage gestellt, wie wir die Unternehmen dennoch bei der Anbahnung von Kundenkontakten unterstützen können. Für eine digitale Messe wäre es damals noch zu früh gewesen. Außerdem war die konjunkturelle Lage dafür zu angespannt. Deshalb haben wir die Websessions konzipiert und dafür unsere eigene Plattform, die Industry Arena, genutzt. Wir hatten direkt eine sehr gute Resonanz, weshalb wir aus den Veranstaltungen eine Serie gemacht haben.

Das bedeutet sicher auch, dass Sie schnell dazu lernen mussten ...

Nicht nur bei uns, sondern auch bei den Unternehmen stellte sich eine steile Lernkurve ein, die bis heute weiter geht. Eine Präsentation im Rahmen einer digitalen Veranstaltung muss richtig aufgebaut werden. Man kann nicht einfach eine Vertriebspräsentation halten und erwarten, damit erfolgreich zu sein. Sie müssen die Zuschauer direkt in den ersten Minuten fesseln, damit sie die Präsentation nicht verlassen. Mittlerweile beherrschen die meisten Unternehmen das schon sehr, sehr gut. Wir werden diesen digitalen Kanal auf jeden Fall weiter für unsere Messen einsetzen. Wie genau, das wird gerade diskutiert.

Jetzt steht mit der Metav aber tatsächlich eine digitale Messe an. Können Sie uns eine Vorschau auf das geben, was uns vom 23. bis 26. März 2021 erwartet?

Ich möchte noch etwas früher ansetzen. Es war unser Glück, dass wir schon vor Corona die Entscheidung getroffen hatten, hybride Konzepte für unsere Messen zu etablieren. Daher waren wir bereits für die Metav Reloaded in der Planung eines hybriden Ansatzes und viele Komponenten befanden sich bereits in der Umsetzung. Wir möchten dem Besucher ein möglichst messe-nahes Erlebnis bieten und nicht eine Website mit Logokacheln zum durchklicken. Das wäre für uns keine digitale Messe. Daher bieten wir die folgenden drei Komponenten: Websessions für die integrierte Konferenz, eine dreidimensionale Messe mit Messehallen und Ständen, durch die Besucher am Browser virtuell gehen können, und schließlich eine Match-Making-Funktion, durch die Besucher und Aussteller in Kontakt treten können.

Und das alles gilt dann für die Zeit der digitalen Messe?

Nein, auch darüber hinaus. Zunächst steht natürlich das Live-Event der Metav Digital im Mittelpunkt. In den drei Wochen nach der Messe werden wir aber die Metav Digital Remote zugänglich machen, sodass Besucher weiterhin alle Angebote ansehen und über Kalenderfunktionen Termine mit den Ausstellern vereinbaren können. Außerdem werden wir in diesen drei Wochen wöchentlich ein anderes Thema als Webinar-Serie veranstalten.

Wie wird der Kontakt zwischen Aussteller und Besucher während der Live-Veranstaltung tatsächlich stattfinden?

Das funktioniert über den Stand in der digitalen Ausstellung, das Ausstellerverzeichnis und auch Stand-alone. Am Stand können die Aussteller beispielsweise verschiedene Experten hinterlegen, mit denen ein Besucher direkt in einen Live-Video-Chat gehen kann. Ist die Person gerade beschäftigt, kann ein Termin über den Terminkalender des Experten vereinbart werden. Natürlich steht auch die Möglichkeit eines schriftlichen Austausches zur Verfügung. Ein weiterer wichtiger Aspekt ist das fachliche Profil der Besucher. Sie füllen es bei der Registrierung aus und es wird mit dem Profil der Aussteller abgeglichen. Danach wird Ihnen über eine Prozentzahl automatisch angezeigt, welche Aussteller am besten zu Ihrem Bedarf passen.

Gibt es im Rahmen der Messe aus Sicht des VDW besondere Highlights?

Das ist für uns auf jeden Fall der Umati-Live-Showcase, den wir im Rahmen der Messe präsentieren werden. Auf einem zentralen Messestand werden meine Kollegen aus der Technik ansprechbar sein und den Themenkomplex Umati genauer erklären. Außerdem gibt es dort Infopoints der Umati-Partner. Dort können Besucher live sehen, wie eine über Umati angesteuerte Maschine läuft. Außerdem werden wir in Kooperation mit der Nachwuchsstiftung Maschinenbau unsere Lernplattform für die berufliche Ausbildung Mobile Learning in Smart Factories (MLS) präsentieren. Zu diesen Präsentationen werden wir deutschlandweit Ausbilder und Berufsschullehrer einladen.

Welche Ausstellerzahlen können wir denn erwarten?

Ich möchte ganz offen sagen, dass wir nicht die Zahlen einer normalen Messe haben werden. Das liegt auch daran, dass wir eben eine tatsächliche digitale Messe abbilden, die einen besonderen Einsatz des Ausstellers nötig macht. Wir rechnen aktuell mit 50 bis 60 Firmen, von denen einige sehr große Stände besetzen.

Und wenn die Metav Digital zu einem großen Erfolg wird, gibt es dann einen Weg zurück zur klassischen Metav?

Natürlich hoffen wir sehr auf eine erfolgreiche digitale Veranstaltung und sind auch überzeugt, dass sie ein Erfolg wird. Aber reale Messen bleiben für die Unternehmen unabdingbar. Digital lässt sich sehr vieles umsetzen und es bietet tolle neue Möglichkeiten, aber der digitalen Dimension sind auch Grenzen gesetzt. Eine neue Maschine will man wirklich erleben. Deshalb wird es eine Metav 2022 als Präsenzveranstaltung geben und wir befinden uns bereits in der Planung. Diese werden wir aber digital erweitern und dabei auf die Erfahrungen der letzten Monate zurückgreifen. Wir wollen das Beste von beidem nutzen und hybride Veranstaltungen bieten, mit einem Mehrwert für Aussteller und Besucher.

MM

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Über den Autor

M. A. Benedikt Hofmann

M. A. Benedikt Hofmann

Chefredakteur MM MaschinenMarkt